Dennis Lizarzaburu im Lagerraum vom Rankwerk.

Der richtige Job: Nachhaltiger Gemüseanbau für viele

Stand: 15.11.2020 11:25 Uhr

Die ARD-Themenwoche unter dem Motto #WIELEBEN fragt: Wie wollen wir leben? Sechs junge Menschen erzählen, wie sie sich zusammen mit anderen für eine bessere Zukunft engagieren.

von Marc Hoffmann

Jungunternehmer Dennis Lizarzaburu zum Beispiel versucht, mit seiner kleinen Firma nachhaltig zu wachsen. Ein Besuch im Büro des Kieler Start-up-Unternehmens Rankwerk.

Dennis Lizarzaburu führt ins Herzstück des Unternehmens: In dem engen Lagerraum stapeln sich die Pappkartons mit nachhaltigen Pflanzentöpfen und Aufzucht-Sets, mit Erde, Dünger und mehr als 20 verschiedenen Sorten Bio-Saatgut - alles plastikfrei verpackt, wie der Geschäftsführer betont.

Das Einmaleins des Gemüseanbaus vermitteln

Das kleine Kieler Unternehmen ist mehr als bloßer Saatgut-Handel. Mit Abos, Begleit-Kursen und Garten-Beratung will das "Rankwerk" das Einmaleins des nachhaltigen Gemüseanbaus vermitteln. Dennis Lizarzaburu hat eine Vision: Der 29-jährige Gründer möchte der übermächtigen Saatgut-Industrie, von der Landwirtschaft und Verbraucher zunehmend abhängen, etwas entgegensetzen.

"Diese Marktmacht von wenigen Konzernen auf dem Saatgut-Markt ist irgendwie schon erschreckend, wenn wir uns mal angucken, wo unser Essen denn eigentlich herkommt. Die Idee ist, dass wir den Menschen zeigen, wie leicht es ist, in seinen eigenen vier Wänden Kräuter, Gemüse oder Salat anzubauen. Nicht, um sich grundlegend selber zu versorgen, aber um wieder ein Gefühl zu bekommen: Woher kommt mein Essen? Wie wächst es denn? Eine Tomate wächst nun mal nicht im Supermarkt."

Hinter den Produkten seiner Arbeit stehen

Das klingt nach "back to the roots" - zurück zu den Ursprüngen. Das Motto passt genauso gut zu seiner eigenen beruflichen Biografie und dazu, wie er sich das Leben und Arbeiten in der Zukunft ganz allgemein vorstellt. "Ich habe jahrelang in der IT und im Marketing gearbeitet für große Unternehmen, wo es immer wieder darum ging, die gleichen Sachen immer wieder neu zu verkaufen. Aber ich möchte das gerne mit einem gewissen Sinn dahinter machen. Wo ich auch hinter den Produkten stehe, die ich da vermarkte. Wo ich sage: Das hat Zukunft. Das war Januar 2017 und im April 2017 haben wir Rankwerk gegründet."

Nachhaltigkeit auch auf sozialer Ebene

Dennis Lizarzaburu spricht viel von sozialer Nachhaltigkeit. In seiner Vorstellung müssten Unternehmen mit ihren Strukturen und Gewinnzielen die gesellschaftlichen Bedürfnisse wieder stärker berücksichtigen - sie sollten wieder näher an die Menschen heranrücken. Kein blindes Wachstum um jeden Preis.  

"Für Rankwerk ist definitiv die Vision, ein Unternehmen zu schaffen, wo die Mitarbeiter, wie es früher auch einmal war, gerne auch ein Leben lang arbeiten. Dieses Arbeitgeber-Hopping, das ist etwas, was ich sehr schade finde."

Puzzlestücke © Fotolia.com Foto: fotogestoeber

AUDIO: Wie wollen wir leben? Junge Menschen und ihre Visionen (27 Min)

Arbeiten, wohnen, kreativ sein: Ein Förderverein für das Leben

Die Firma beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben bis zu vier Leute. Sein soziales Verantwortungsgefühl teilt Unternehmer Lizarzaburu offenbar mit seinen Firmen-Nachbarn in der "Alten Mu" am Kieler Lorentzendamm. Bis 2012 war hier die Muthesius Kunsthochschule untergebracht. Nach dem Auszug sind nach und nach freie Projekte, Künstler, Werkstätten und Start-ups in die leeren Räume gezogen und haben sich zu einem Förderverein zusammengeschlossen. Rankwerk teilt sich die Büroräume in der "Alten Mu" mit anderen jungen Unternehmerinnen und Unternehmern. Der Austausch und die Vernetzung sei ihnen wichtig, sagt Lizarzaburu.

Dennis Lizarzaburu im Lagerraum vom Rankwerk.
Dennis Lizarzaburu möchte Arbeiten wieder mit mehr Sinn verknüpfen.

"In Zukunft soll hier auch Leben stattfinden. Hier sollen Menschen ihre Wohnung bekommen, es soll gerne aufgestockt werden, neue Räume geschaffen werden, wo das Leben und Arbeiten sehr eng miteinander verknüpft wird und Kultur auch eine Rolle spielt."

Ein klassisches Büro in einem verglasten Hochhaus-Turm würde nicht zu seiner jungen Heimgarten-Firma passen, meint er. Sinnhaftes Arbeiten und Wirken - so die Vision - sollten in einer angenehmen Umgebung stattfinden, in der "wir uns auch ein bisschen entfalten können, wo wir unsere Pflanzen heranziehen können, wo wir in gewisser Weise auch leben können."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Das Forum | 16.11.2020 | 20:35 Uhr