Stand: 11.09.2018 09:47 Uhr

Starkes Gefälle beim verfügbaren Einkommen

Verdienst ist das eine - aber wie viel Geld können die Menschen in Deutschland wirklich ausgeben, wenn Steuern, Abgaben und ähnliche Zahlungen abgezogen und auf der anderen Seite Sozialleistungen wie zum Beispiel Kindergeld addiert wurden? Statistiker berechnen dafür den Wert des "verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte".

Im Jahr 2016 lag der Wert laut dem Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder bei 21.919 Euro pro Einwohner. Zum Vergleich: Im Jahr 1991 hatten die Menschen in Deutschland 12.560 Euro zur Verfügung.

Starke regionale Unterschiede

Doch regional zeigen sich dabei große Unterschiede. Vor allem die südlichen Bundesländer führen die Liste der einkommensstarken Regionen an. Der Osten hinkt hinterher. Vergleicht man die norddeutschen Bundesländer Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, so hat jeder Einwohner in Hamburg rechnerisch 500 Euro mehr auf dem Gehaltskonto - pro Monat.

Blickt man auf die Kreisebene, dann gibt es Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland, die sehr weit von dem bundesdeutschen Durchschnittswert abweichen. Beispiel Heilbronn (Stadtkreis): Dort lag das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte pro Einwohner 2015 bei 35.663 Euro. Dahinter folgen der Landkreis Starnberg, der Hochtaunuskreis und der Landkreis München. Ganz unten auf der Liste: Duisburg (16.826 Euro), der Landkreis Vorpommern-Greifswald (16.719 Euro) und Gelsenkirchen (16.274 Euro). Das bedeutet: Durchschnittlich können die Menschen in Heílbronn mehr als doppelt so viel Geld ausgeben oder sparen als die Menschen in Gelsenkirchen.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind die verfügbaren Einkommen in privaten Haushalten in Deutschland im Durchschnitt und für die meisten Einkommensklassen gestiegen. Mit einer entscheidenden Ausnahme: Für die 20 Prozent der Personen mit den niedrigsten Einkommen stiegen die Einkommen im Mittel nicht. Das liegt unter anderem an der demografischen Entwicklung - also, dass Menschen in Deutschland immer älter werden und Renten oft niedriger liegen als Einkommen. "Das heißt nicht zwangsläufig, dass die Menschen, die in den 1990er-Jahren niedrige Einkommen erzielten, heute individuell schlechter gestellt sind, denn sie können sich mittlerweile in einer anderen Einkommensgruppe befinden," schreibt der Autor der DIW-Studie Markus Grabka. "Aber es zeigt, dass bei weitem nicht alle von der positiven Einkommensentwicklung, die in den letzten Jahren im Wesentlichen dank der boomenden Wirtschaft und dem Rückgang der Arbeitslosigkeit stattgefunden hat, profitiert haben."

Verfügbares Einkommen

Das verfügbare Einkommen in privaten Haushalten berechnet sich aus allen Einkünften, die in einem Haushalt zur Verfügung stehen, nachdem alle Abgaben wie Steuern oder Einkünfte wie Kindergeld subtrahiert wurden. Im Jahr 2016 lag der Wert laut dem Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder bei 21.919 Euro pro Einwohner (Arbeitnehmer). Zum Vergleich: Im Jahr 1991 hatten die Menschen in Deutschland umgerechnet 12.560 Euro zur Verfügung.


19.09.2018 09:45 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrages ist uns ein Fehler unterlaufen. Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden als angrenzende Bundesländer bezeichnet, natürlich haben sie aber keine gemeinsame Landesgrenze. Beide norddeutschen Bundesländer grenzen an Schleswig-Holstein und an Niedersachsen.

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NDR Info | Forum am Sonntag | 11.11.2018 | 06:05 Uhr