Stand: 13.11.2018 10:20 Uhr

Spotify und Co: Was verdienen die Musiker?

Es geht wieder aufwärts im Milliardengeschäft mit der Musik. Nach vielen schweren Jahren steigen die weltweiten Umsätze der Plattenfirmen und Labels wieder.

In Deutschland wird noch ein Großteil des Geldes mit klassischen physischen Medien wie der CD verdient. Der Anteil der digitalen Musikverkäufe hat aber in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Die meisten Nutzer kaufen digital nicht mehr einzelne Songs oder Alben (wie lange über iTunes), sondern bezahlen vor allem für Streamingdienste.

Streamingplattformen gewinnen Kunden

Bei Spotify, Apple Music, Deezer, Amazon Music und Co läuft es rund. Streamingdienste haben Millionen Nutzer weltweit und erobern immer mehr Geräte: von Smarthome-Assistenten wie Alexa oder Google Home bis hin zu High-End-Musikanlagen. Für rund zehn Euro pro Monat bekommen Nutzer Zugriff auf Musikbibliotheken, die Millionen von Songs umfassen. Und die Streamingdienste machten den Raubkopien ein Ende - weil es nicht nur illegal, sondern auch komplizierter ist, ein Musikalbum über Filesharing-Systeme wie Bittorrent herunterzuladen, als es einfach in einer App zu hören. Und auch die Labels freuen sich - sie sind zum Teil an den Streamingplattformen beteiligt.

Als einer der größten Dienste wird Spotify mittlerweile an der Börse gehandelt und ist derzeit rund 32 Milliarden Dollar wert. In den offiziellen Unterlagen zum Börsengang behauptet Spotify, seit der Firmengründung 2006 über acht Milliarden US-Dollar ausgezahlt zu haben. Das Geld geht in der Regel erst einmal an die Labels. Doch wie viel von dem Geld landet tatsächlich bei den Künstlern? Dienste wie Spotify versuchen, Musiker für die Plattform zu begeistern. Sie versprechen Reichweite und bessere Auffindbarkeit. Je nach Vertrag landet aber nur ein Bruchteil der Abogebühren, die die Nutzer zahlen, am Ende wirklich bei den Musikern und Komponisten.

In einer Untersuchung der Webseite Digital Music News kam heraus: Bei Spotify bekommen die Rechteinhaber am Ende nur 0,0038 US-Dollar pro gespieltem Song. Bei YouTube waren es noch weniger - 0,0006 US-Dollar. Die Rechteinhaber, das sind in der Regel die Musik-Labels. Von den Einnahmen wird dann nur ein Teil des Geldes weitergereicht an die Musiker und Songschreiber.

Die US-amerikanische Cellistin Zoë Keating hat ihre Einnahmen aus Musikstreamingdiensten und digitalem Musikverkauf öffentlich gemacht. Im April veröffentlichte sie einen Blog-Post auf Tumblr, in dem sie auf ein Google-Dokument verwies, das alle Einnahmen für das Jahr 2017 aus diesen Bereichen aufweist. Die Cellistin ist vielleicht kein Mega-Star, ihre Songs wurden auf Spotify, Amazon, Deezer und Co aber immerhin über 3,5 Millionen Mal gestreamt. Insgesamt kam sie damit über ihre verschiedenen Labels auf 19.629 US-Dollar. Interessant dabei: Die meisten Abrufe hatte die Musikerin bei Spotify - und gleichzeitig sind dort die Einkünfte pro Song am niedrigsten von allen Streamingdiensten. Besser sieht es bei Musikdownloads aus. Dort verdiente Zoë Keating an den rund 8.500 heruntergeladenen Songs über 21.000 US-Dollar.

Richtig Geld machen kann man nur als Mega-Star auf Spotify und YouTube - auch die gibt es. Beispiel: Das derzeit meistgespielte Musikvideo auf YouTube ist "Despacito" von Luis Fonsi. Der Sommerhit 2017 wurde in dem Jahr rund 13 Millionen Mal auf YouTube gespielt - täglich. Mittlerweile wurde das Video 5,5 Milliarden Mal abgerufen. Bei einer Auszahlung von 0,0006 US-Dollar pro Videoansicht kämen die Rechteinhaber auf mehr als 3,2 Millionen Dollar.

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NDR Info | 10.11.2018 | 06:55 Uhr