Stand: 14.11.2018 16:35 Uhr

Die Wirtschaft wächst - und die Löhne?

Wenn die Wirtschaft brummt, dann freuen sich in der Regel auch Arbeitnehmer und Gewerkschaften - denn sie können gute Gehaltssteigerungen durchsetzen. Doch die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt: Die Löhne steigen seit einigen Jahren nicht mehr parallel mit dem Wirtschaftswachstum an.

Die entscheidende Messgröße ist hier das sogenannte Volkseinkommen. Es setzt sich zusammen aus dem Arbeitnehmerentgelt und dem Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Das Arbeitnehmerentgelt ist die Summe aller Löhne und Gehälter, die in einem Jahr an Menschen mit Wohnsitz in Deutschland gezahlt wurden. Das Unternehmens- und Vermögenseinkommen beschreibt die Höhe der Unternehmensgewinne.

Die folgende Grafik zeigt, dass die Wirtschaft in Deutschland in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen ist. Mit einer Ausnahme: 2009 schrumpfte die deutsche Wirtschaft wegen der Finanz- und Bankenkrise, erholte sich jedoch sehr schnell wieder.

Auch die Kurve des Arbeitnehmerentgelts steigt stetig an - sogar im Krisenjahr 2009. Allerdings insgesamt nicht so stark wie die Gesamtwirtschaft.

Lag der Anteil der Löhne und Gehälter an der Gesamtwirtschaft bis in die frühen 2000er-Jahre hinein bei 69 bis 71 Prozent, pendelt er in den vergangenen Jahren zwischen 66 und 68 Prozent. Auf den ersten Blick sind das kleine Differenzen - in absoluten Zahlen jedoch ist der Unterschied immens.

Eine Beispielrechnung für das Jahr 2016: Würde der Anteil des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen noch immer 71 Prozent betragen, würde dies für die Arbeitnehmer in Deutschland rund 60 Milliarden Euro mehr Lohn und Gehalt bedeuten. Die Statistiker rechneten für das Jahr 2016 mit 39,3 Mio. Arbeitnehmern, für jeden blieben durchschnittlich 1.517 Euro mehr.

Allerdings gelten für diese Rechnung mehrere Fußnoten. Da in der Wirtschaft alles mit allem zusammenhängt, hätte eine höhere Lohnquote andere Effekte auf die Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Unternehmen und Ländern würde sich verändern - und damit auch die Zahl der Arbeitnehmer.

Unterm Strich bleibt trotzdem das Ergebnis: Die Lohnquote sinkt seit Jahren, damit bleibt mehr bei den Unternehmen und weniger bei den Arbeitnehmern.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 10.11.2018 | 19:30 Uhr