Stand: 15.11.2018 10:15 Uhr

Kinderarmut in Deutschland: Statistik und Ursachen

Bild vergrößern
Anhaltende finanzielle Not beeinträchtigt Kinder in ihrer Entwicklung.

In Deutschland leben rund sechs Millionen Menschen, die Hilfe zum Lebensunterhalt brauchen und eine Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB II) beziehen. Dazu gehören auch knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche, die in Bedarfsgemeinschaften leben, die entweder Arbeitslosengeld II (Hartz IV-Empfänger) oder Sozialgeld beziehen. Eine Bedarfsgemeinschaft besteht, wenn Menschen einen gemeinsamen Haushalt führen und Verantwortung füreinander übernehmen.

Tochter, die auf der Flöte spielt.

Bildungspaket erreicht arme Kinder nicht

Panorama 3 -

Mit dem "Bildungs- und Teilhabepaket" sollte armen Kindern geholfen werden. Seitdem gibt es bis zu 100 Euro pro Jahr für Schulbedarf. Doch die Hilfe verpufft häufig.

4,38 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Höheres Armutsrisiko für Alleinerziehende und kinderreiche Familien

Anhaltende finanzielle Not beeinträchtigt Kinder in ihrer Entwicklung und verschlechtert ihre Bildungs- und Aufstiegschancen. Ihre soziale Herkunft bestimmt häufig den Bildungsweg. Bei den Armutsursachen spielen die Erwerbstätigkeit der Eltern und die finanzielle Situation in der Familie eine große Rolle. Wenn beide Elternteile nicht erwerbstätig sind, liegt das Armutsrisiko bei 64 Prozent, es sinkt auf 15 Prozent bei einer Vollzeitstelle und auf 5 Prozent bei einem zweiten Familieneinkommen. Alleinerziehende (44 Prozent) und Familien mit drei und mehr Kindern (25 Prozent) haben ein deutlich höheres Armutsrisiko als Familien mit einem oder zwei Kindern.

tagesschau.de
Link

Weshalb Kinderarmut oft von Herkunft abhängt

Die Wirtschaft in Deutschland floriert, doch jedes sechste Kind ist von Armut bedroht. Das zeigt der Datenreport 2018. Besonders betroffen: Kinder mit Migrationshintergrund. extern

Bildungsangebote als möglicher Weg aus der Armut

Immer mehr Kinder werden in Kindertagesstätten betreut, 2017 waren es rund 2,8 Millionen Kinder unter sechs. Kinder profitieren von diesen frühen Bildungsangeboten: Sie können im Grundschulalter besser lesen, rechnen und haben bessere Noten, als Kinder, die erst später in Kindertagesstätten betreut werden.

Auch außerschulische Angebote wie Sportvereine, Eltern-Kind-Gruppen oder musikalische Früherziehung unterstützen positiv die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Kinder aus Familien mit einem geringeren Einkommen nehmen an diesen Angeboten jedoch deutlich seltener teil. Daran ändert auch das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) aus 2011 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zurzeit weniger als erhofft. Die Leistungen sollen beispielsweise für finanzielle Unterstützung bei der Lernförderung, dem persönlichen Schulbedarf oder für mehr Teilhabe an Kultur- und Sportangeboten sorgen. Das BuT steht aber in der Kritik, da der bürokratische Aufwand zu hoch erscheint, die finanziellen Zuschüsse stellenweise zu niedrig sind oder Bedarfe nicht genügend erfasst wurden, wie auch ein 2016 von der Bundesregierung veröffentlichte Bewertungsbericht verdeutlicht.

Definition: Was bedeutet Armut genau?

Äquivalenzeinkommen (ÄE)

Alle Einkommen in einem Haushalt werden zusammengerechnet und dann nach einem bestimmten Berechnungsschlüssel durch die Mitglieder geteilt. Erwachsene zählen hier anders als Kinder und Jugendliche. Die Berechnung mit Faktoren erleichtert die Vergleichbarkeit von Einkommen. Das Äquivalenzeinkommen wird unter anderem bei Fragen der Einkommensgerechtigkeit verwendet. Grundlage für die Berechnung ist die OECD-Skala (Organisation for Economic Co-operation and Development), der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit).

Die Europäische Union definiert: Wer mit 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) in der Bevölkerung auskommen muss, ist armutsgefährdet. Arm ist, wer mit weniger als 50 Prozent haushalten muss. Das Median-Äquivalenzeinkommen (personenbezogenes Nettoeinkommen) liegt in Deutschland bei rund 21.000 Euro pro Jahr. Die Armutsgefährdungsquote in Deutschland liegt bei 15,8 Prozent.

 

Weitere Informationen

270.000 Kinder in Niedersachsen von Armut bedroht

Die Diakonie in Niedersachsen fordert mehr Maßnahmen gegen Kinderarmut. Ein Fünftel aller jungen Menschen in Niedersachsen lebe in Armut oder sei von ihr bedroht, teilte der Verband mit. mehr

Mehr Geld und Personal für Bildung nötig

"Bildung in Deutschland" ist eine Bestandsaufnahme der Bildungspolitik. Der Bericht 2018 verdeutlicht: Mehr Personal und Geld sind nötig, um den Herausforderungen zu begegnen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.10.2019 | 13:00 Uhr