Stand: 17.07.2018 10:22 Uhr

Gewerkschaften unter Druck

Wenn es um Lohn- und Einkommensgerechtigkeit geht, fällt in Deutschland den Gewerkschaften eine wichtige Aufgabe zu: In zahlreichen Branchen handeln sie mit den Arbeitgebervertretern die Löhne und Arbeitsbedingungen aus. Sie sind also zentrale Akteure, wenn es um gerechte Bezahlung und gute Voraussetzungen am Arbeitsplatz geht. Aber: Diese einst starke Position wird seit Jahren geschwächt. Das hat mehrere Gründe:

1. Mitgliederzahlen sinken

Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) sind die Mitgliederzahlen im Jahr 2017 mit 5.995.437 erstmals seit der Gründung 1950 unter den Wert von 6 Millionen Mitgliedern gerutscht. Kurz nach der Wiedervereinigung hatte der DGB fast 12 Millionen Mitglieder gezählt. Das lag unter anderem an dem hohen Grad gewerkschaftlicher Organisation in der DDR. Seitdem geht es jedoch bergab.

Und was für die Gewerkschaften noch schlimmer ist: Noch stärker als die absoluten Mitgliederzahlen sinkt der Organisationsgrad - also der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder gemessen an allen Beschäftigten. Seit Jahren erlebt Deutschland einen Wirtschaftsboom, die Statistiker zählten 2017 fast 45 Millionen Beschäftigte. Doch die Gewerkschaften können nicht genug neue Mitglieder für sich rekrutieren, um Austritte und Sterbefälle auszugleichen.

2. Tarifbindung für wenige Beschäftigte

Die Schwäche der Gewerkschaften zeigt sich auch immer mehr in ihrem Kerngebiet: dem Aushandeln von Tarifverträgen. Für die Mehrzahl der abhängig Beschäftigten in Deutschland gilt ein Tarifvertrag. Allerdings ist der Grad der Tarifbindung in den vergangenen Jahren zurückgegangen. In Westdeutschland ist die Tarifbindung stärker ausgeprägt als in Ostdeutschland.

3. Schwach in wachsenden Branchen

Während die Gewerkschaften in ihren traditionellen Branchen - vor allem in Verwaltung und Industrie - noch relativ stark sind und sie dort Abschlüsse erzielen können, die für einen Großteil der Beschäftigten gilt, sieht das in Dienstleistungsbranchen anders aus. Und da mittlerweile von den rund 44 Millionen Beschäftigten in Deutschland rund 33 Millionen in Dienstleistungsberufen arbeiten, bedeutet das, dass der Anteil von Gewerkschaftsmitgliedern weiter sinkt.

 

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NDR Info | Forum am Sonntag | 11.11.2018 | 06:05 Uhr