Stand: 08.11.2018 06:00 Uhr

Gerechtigkeitsfragen spalten die Deutschen

von Marvin Milatz
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39 Prozent der Menschen haben den Eindruck, dass die Verhältnisse in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren insgesamt ungerechter geworden sind.

Ist Deutschland in den vergangenen zehn Jahren gerechter oder ungerechter geworden? Fragt man die Deutschen, geben 39 Prozent der Befragten an, dass Deutschland ungerechter geworden ist. Dass es hingegen gerechter geworden ist, sagen 15 Prozent der Deutschen. Der Rest - mit 42 Prozent die größte Gruppe - gibt an, dass die Situation unverändert geblieben ist. Auf den ersten Blick steht es also nicht schlecht um die Gerechtigkeit in Deutschland.

Der Soziologe Sighard Neckel von der Uni Hamburg im Interview.

Was bedeutet Gerechtigkeit?

Hamburg Journal -

Geht es in Hamburg und Deutschland gerecht zu? Und gibt es dafür überhaupt objektive Maßstäbe? Wir haben mit dem Soziologen Sighard Neckel über Gerechtigkeit gesprochen.

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Vergessen darf man allerdings nicht die 39 Prozent der Befragten, die meinen, dass es sich verschlechtert hat. Das ist immerhin mehr als jeder dritte Befragte. Das Thema Gerechtigkeit polarisiert einmal mehr. Für diese Untersuchung hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap vom 11. bis 25. September 2018 für die ARD-Themenwoche "Gerechtigkeit" 1.412 Menschen befragt. Schon die Pilotstudie aus dem August zeigte ein gespaltenes Meinungsbild.

Unmut über Lastenverteilung zwischen Jung und Alt sowie Bezahlung

Auch bei näherer Betrachtung zeigt sich in der aktuellen Umfrage ein geteiltes Bild: Eine Mehrheit der Befragten sieht den Zugang zu guter Bildung eher gerecht geregelt (59 Prozent). Auch glaubt eine Mehrheit, von Justiz und Gerichten tendenziell gerecht behandelt zu werden (56 Prozent). Negativer dagegen fällt das Urteil in Fragen der Lastenverteilung zwischen Jung und Alt und der Einkommensgerechtigkeit aus: Nur jeder Dritte meint, dass es in diesen Bereichen eher gerecht zugeht.

Karrierenachteile für Frauen - trotz gleicher Bildungschancen

Auch bei der Gleichberechtigung unter den Geschlechtern prallen gegensätzliche Ansichten aufeinander. Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) meint, dass Frauen im Vergleich zu den Männern gerecht behandelt werden, 51 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Die geringsten Unterschiede zwischen Männern und Frauen machen die Befragten bei Schul- und Bildungsabschlüssen aus: 49 Prozent sehen keine Ungleichheiten und 34 Prozent geringe Differenzen.

Große Ungleichheiten gibt es nach Ansicht der Befragten aber bei der Besetzung von Führungspositionen (57 Prozent), bei den Löhnen und Gehältern (56 Prozent) sowie bei der Absicherung im Alter (47 Prozent).

Bei den familiären Aspekten wie Kinderbetreuung und dem Haushalt sieht die Mehrheit nur noch geringe Probleme - oder keine. Nur etwa jeder Dritte sagt, dass es in diesen Bereichen große Ungleichheiten gibt.

94 Prozent glauben an große Ungerechtigkeit in der Welt

Die größten Probleme sehen die Deutschen nicht im eigenen Land, sondern für die Welt: 94 Prozent der Befragten finden, dass es in der Welt eher ungerecht zugeht. Und jeder zweite Befragte glaubt, dass sich die Lage in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert hat. 38 Prozent sehen keine wirkliche Veränderung.

Dabei besteht unter den Befragten Uneinigkeit darüber, wie groß Deutschlands Beitrag dazu ist, dass es in der Welt gerechter zugeht. Die Meinungen sind gespalten: 49 Prozent halten das Engagement Deutschlands für eine gerechte Welt für sehr groß beziehungsweise groß und ebenso viele für gering beziehungsweise sehr gering.

 

Weitere Informationen zur Umfrage

Pessimismus in Deutschland ungleich verteilt

Ostdeutsche sehen weniger Gerechtigkeit als Westdeutsche, Junge bewerten die Lage anders als Ältere. Details der Infratest-Dimap-Umfrage zur ARD-Themenwoche "Gerechtigkeit". mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 11.11.2018 | 19:30 Uhr