Stand: 09.11.2018 17:45 Uhr

Fleiß oder Herkunft: Was entscheidet über Erfolg?

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Wie wichtig ist die "richtige" Familie für den Erfolg?

Es gibt einige Eigenschaften, bei denen wohl kaum jemand bestreiten dürfte, dass sie wichtig für den gesellschaftlichen Aufstieg sind. Intelligenz etwa, Durchsetzungsvermögen, Fleiß und eine gute Ausbildung ebenfalls. Das tun die Deutschen auch nicht - seit 1991 halten sie diese Eigenschaften für hochgradig wichtig.

Doch bei einem anderen Karrierebeschleuniger hat während der vergangenen Jahrzehnte ein Umdenken in der Bevölkerung stattgefunden: Die Abstammung aus der "richtigen Familie" gewinnt zunehmend an Bedeutung. Rund zwei Drittel der Befragten in der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) gaben im Jahr 2014 an, dass die Herkunft wichtig bis sehr wichtig dabei sei, nach oben zu kommen. In der ersten Befragung nach der Wende kam nur rund die Hälfte der Befragten zu diesem Schluss.

Dass sich gerade dieser Wert verändert, lässt aufhorchen. Fleißig kann man werden, Bildung kann man sich aneignen, nur die Familie sucht man sich nicht aus. Man hat sie - oder nicht. Wie fundamental der Wandel ist, zeigt sich, wenn man die Befragten nach ihrem Alter gruppiert. Egal ob der Befragte jung oder alt ist: Die Herkunft als Erfolgsgarant hat für jede Altersgruppe an Bedeutung gewonnen.

Vor allem Menschen in den neuen Bundesländern gaben im ALLBUS 2014 an, dass die Herkunft aus der "richtigen Familie" sehr wichtig sei - in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt antwortete fast jeder Dritte so. Allerdings hielten auch schon 1991 viele Befragte in diesen Bundesländern die Herkunft für ein sehr wichtiges Kriterium, um erfolgreich zu sein. In einigen alten Bundesländern vervielfachte sich zwischen 1991 und 2014 die Zahl jener, die auf die Herkunft als Voraussetzung für den gesellschaftlichen Aufstieg setzen.

Der Gesinnungswandel bei der Herkunft sticht hervor. Passend dazu: Auch ein finanzielles Polster sowie ein Netzwerk mit geeigneten Kontakten bewerten heute mehr Menschen in Deutschland als wichtigere Grundlage, um in der Gesellschaft an die Spitze zu gelangen, als noch im Jahr 1991. Selbst Bestechung hat an Wichtigkeit gewonnen - allerdings glauben weiterhin nur die wenigsten Menschen daran, dass Korruption einen weiter bringt.

 

ALLBUS

ALLBUS steht für "Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften". Neben dem SOEP, dem "Sozio-oekonomischen Panel", gehört ALLBUS zu den großen regelmäßigen Befragungen der deutschen Sozialwissenschaften. Sie wird seit 1980 alle zwei Jahre erhoben und befragt jedes Mal etwa 3.000 Deutsche nach ihrer Meinung zu Fragen des Zeitgeschehens, aber auch zu persönlichen Themen aus ihrem Umfeld.

Dieses Thema im Programm:

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