Stand: 12.11.2018 13:55 Uhr

Für eine gerechte Bezahlung bei Spotify & Co.

von Ocke Bandixen
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Der Singer-Songwriter Wolfgang Müller bei seinem Auftritt in der Sendung Inas Nacht im Hamburger Schellfischposten.

In der ersten Jahreshälfte des Jahres 2018 wurde zum ersten Mal mit Musikstreaming mehr Geld umgesetzt als mit CD-Verkäufen und Downloads zusammen. Für die Musikszene bedeutet das eine gewaltige Umwälzung. Eine Gefahr ist damit verbunden: Künstlerinnen und Künstler, die nicht zu den Großverdienern der Branche gehören, kämpfen ums Überleben. Der Hamburger Sänger Wolfgang Müller hat dagegen eine Idee - ein alternatives Streamingportal.

"Kleine" Künstler können kaum Geld verdienen

Wolfgang Müller hat im Frühjahr sein sechstes Album veröffentlicht - auch auf Spotify. Aber richtig Geld verdienen kann er damit nicht. Und damit sei er nicht alleine, sagt er: "Das trifft eigentlich alle, die im Monat etwa 3.000 bis 4.000 Hörer haben, also alle Musiker, die nicht richtig erfolgreich sind, aber früher durchaus ihr Auskommen hatten. Die haben einfach ein massives Problem."

Gefragteste Künstler bekommen am meisten

Durch das Streamen auf Spotify, Tidal oder Amazon Music zum Beispiel verdienen die Künstler und Bands nur wenig. Sie werden nicht pro Stream, also pro einzelnem Online-Höre bezahlt, sondern nur im Verhältnis zu anderen Künstlern. Also: Alle Nutzer zahlen pauschal und die Ausschüttung erfolgt immer nach dem Verhältnis, wer am meisten gehört wurde. Also bekommen die beliebtesten Künstler den Löwenanteil, die anderen den Rest.

Das Modell funktioniere nur für Topverdiener, meint Wolfgang Müller. Er hat in den vergangenen zwölf Jahren sechs Alben veröffentlicht. Er hat im Vorprogramm von Gisbert zu Knyphausen gespielt. Seine Auftritte sind gut besucht. Leute wie er, also Clubmusiker und Bands für kleinere Bühnen, haben es zunehmend schwer. So verschenkt etwa Hannes Wittmer, der bisher als Spaceman Spiff bekannt war, sein neues Album online und hofft auf Spenden. Mit Auftritten lässt sich das fehlende Einkommen kaum mehr auffangen: Zum einen drängen alle auf den Live-Markt, zum anderen sind die Gagen gering. Und auch mit T-Shirts, CD- und Vinylverkäufen kann man den Ausfall nicht ersetzen.

Alternative Modelle entworfen

So kam Wolfgang Müller die Idee zu einer Alternative. Er hat gerechnet, geknobelt und mit Kollegen gesprochen. Seine erste Idee: Es gibt einen festen Betrag pro Stream. Wer hört, bezahlt direkt für den Künstler. "Das würde den Kleinen schon sehr helfen", sagt er. Seine zweite Idee ist noch differenzierter: ein Mikro-Bezahlsystem, bei dem der Preis für ein Lied langsam steigt. Und danach wieder fällt. Er erklärt es so: "Die ersten zehn Streams sind frei, und dann fängt man an, pro Stream zu bezahlen. Ich hatte mir so ein Sinuskurvenmodell überlegt."

Das hieße zum Beispiel: Beim elften Mal hören zahlt man einen Cent, beim zwölften Mal zwei, bis etwa ein Euro voll ist, dann ist der Song bezahlt und wieder frei. Wer nur mal reinhören will, geht kein Risiko ein. Und wer ein wirklicher Fan ist, kauft am Ende vielleicht das ganze Album. Müllers Idee zufolge könnte man das Album schließlich vielleicht für wenige Euro noch als richtigen Tonträger dazubekommen.

Gerechtere Bezahlung für Streaming?

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Gunther Buskies ist Inhaber des kleinen Musik-Labels "Tapete Records" in Hamburg.

Gunther Buskies vom Hamburger Independent-Label Tapete Records hält die Idee von Wolfgang Müller für gut. Denn auch für die Labels ist die Luft dünner geworden. Bei einem alternativen Streaming-Modell wäre Tapete Records sofort dabei. Buskies ist sich sicher: "Ich glaube schon, dass viele bereit sind, für die Musik Geld auszugeben. Sicher nicht der Mainstream-Konsument, aber da mag dann vielleicht auch die Chance in der Nische sein, in der wir uns bewegen."

Auch für die Labels ist die Luft dünner geworden. Warum also nicht versuchen, eine Art Fairtrade-Modell zu schaffen? Buskies fordert einen Dialog: "Es ist sinnvoll und richtig, darüber zu sprechen, wie man Künstler und Labels besser an den Erlösen beteiligt."

Geld für Musik - direkter, anteiliger, fairer. Die Debatte hat gerade erst begonnen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 10.11.2018 | 06:55 Uhr