Stand: 13.11.2018 12:21 Uhr

Wie viel Rente können wir uns leisten?

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Wie viel Rente bekommen die Menschen in Zukunft?

Die Deutschen werden immer älter und es werden zu wenige Kinder geboren. Immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter stehen einer wachsenden Zahl von Älteren gegenüber, deren Renten sie bezahlen. Laut Prognose der 13. Bevölkerungsvorausberechnung der Statistischen Ämter von Bund und Ländern werden im Jahr 2060 57 Rentner auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter (zwischen 20 und 67) kommen. Die Annahme basiert auf einer schwächeren Zuwanderung. Bei stärkerer Zuwanderung wären es 52 Rentner auf 100 Erwerbsfähige. Dann stehen jedem über 67 Jahre nur noch rund zwei Beitragszahler gegenüber, heute sind es noch drei.

Annahmen für die Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung

Schwächere Zuwanderung: Geburtenrate 1,4 Kinder je Frau, Lebenserwartung bei Geburt 2060 für Jungen 84,8/Mädchen 88,8 Jahre, langfristiger Wanderungssaldo 100.000 (Menschen, die zuwandern)

Stärkere Zuwanderung: Geburtenrate 1,5 Kinder je Frau, Lebenserwartung bei Geburt 2060 für Jungen 84,7/Mädchen 88,6 Jahre, Wanderungssaldo sinkt von 750.000 Menschen (2015) auf 200.000 im Jahr 2021, danach konstant

Quelle: Statistisches Bundesamt

Dieser Trend beschleunigt sich etwas, wenn ab 2020 die sogenannten Babyboomer - die geburtsstarken Jahrgänge bis Mitte der 60er-Jahre - in Rente gehen. Sie zahlen dann nicht mehr kräftig in die Rentenkasse ein, belasten sie aber zugleich durch hohe Auszahlungen.

Nicht nur der Anteil der Senioren steigt, sondern auch deren Lebenserwartung. Wer um 1950 mit 65 in Rente ging, hatte durchschnittlich noch etwa 13 Jahre zu leben. Wer heute in Rente geht, dem bleiben noch rund 20 Lebensjahre. Wenn die Senioren länger leben, beziehen sie auch länger Rente.

Stellschrauben der staatlichen Rentenpolitik

Um das Rentensystem zu finanzieren, hat der Gesetzgeber dieser Entwicklung Rechnung getragen und das Renteneintrittsalter angehoben. Bis 2031 steigt es schrittweise auf 67 Jahre.

Die Finanzierung der gesetzlichen Rente

Die gesetzliche Rentenversicherung spart die eingenommenen Beiträge nicht an, sondern reicht sie direkt an die heutigen Rentner weiter. Anders gesagt: Die Zahlungen an die Rentner werden auf die Erwerbstätigen umgelegt. Generation für Generation finanzieren somit die jeweiligen Erwerbstätigen die jeweiligen Rentner.

Doch mit der Umlage allein könnten die Renten nicht finanziert werden: Von den rund 290 Milliarden Euro, die die Rentenversicherung derzeit ausgibt, stammt rund ein Viertel der Einnahmen (etwa 68 Milliarden) aus Steuermitteln des Bundes (Deutsche Rentenversicherung, Schätzung 2017). Das sind knapp 20 Prozent der Ausgaben des Bundeshaushalts.

Eine weitere Stellschraube der gesetzlichen Rentenversicherung ist das Rentenniveau (auch: Sicherungsniveau vor Steuern), also das, was an Rente ausbezahlt wird. Es liegt aktuell bei 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes, wenn 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt wurden. Nach Plänen der vorherigen Regierung sollte das Rentenniveau für den Zeitraum bis 2030 bis auf 44,5 Prozent sinken.

Und der Rentenbeitragssatz - die dritte Stellschraube zur Finanzierung des Rentensystems - sollte von aktuell 18,6 Prozent (des Bruttolohns) schrittweise auf 21,8 Prozent steigen. Die neue Regierungskoalition aber hat sich auf eine neue Rentenformel verständigt: Bis 2025 sinkt das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent und der Beitragssatz steigt nicht über 20 Prozent.

Streit über steuerfinanzierten Anteil der Rente

Um die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung in entsprechender Höhe zu finanzieren, müssten ab 2025 zusätzliche Steuermittel verwendet werden. Bereits jetzt zahlt der Bund Zuschüsse von rund 68 Milliarden Euro, etwa ein Viertel der benötigten Einnahmen. Wirtschaftsexperten warnen vor exorbitanten Steuerausgaben und kritisieren die Pläne als nicht finanzierbar. Befürworter der neuen Rentenformel argumentieren, dass genaue Berechnungen noch nicht möglich seien - und es um politische Entscheidungen gehe, nicht um ein mathematisches Problem.

Rentenkommission arbeitet an Rentenreform

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Bevölkerungsentwicklung bis 2060

Ergebnisse der koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung beim Statistischen Bundesamt. extern

Dass das Rentensystem reformiert werden muss, hat die Politik erkannt. Die Bundesregierung hat eine Rentenkommission mit Namen "Verlässlicher Generationenvertrag" eingesetzt, mit Vertretern von Gewerkschaften, Arbeitgebern, Politik und Wissenschaft. Bis März 2020 soll sie Vorschläge für eine "generationengerechte Alterssicherung" vorlegen - für die gesetzliche Rentenversicherung sowie die betriebliche und private Altersvorsorge. Fest steht: Die gesetzliche Rentenversicherung reicht schon lange nicht mehr als Alterssicherung aus. Die Menschen müssen anderweitig vorsorgen, wenn sie ihren Lebensstandard halten wollen.

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