Stand: 15.11.2018 09:50 Uhr

Lebenserwartung - eine Gerechtigkeitsfrage?

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Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt weltweit - mit einigen Ausnahmen.

Krisen, Kriege und Hungersnöte in der Welt sind tägliche Realität. Was aber genauso stimmt: Die Menschen in den meisten Ländern werden älter als zum Beispiel noch vor 40 Jahren. Die UN-Entwicklungsorganisation UNDP misst unter anderem die Lebenserwartung bei der Geburt. Dabei zeigt sich: In allen Ländergruppen - egal ob sehr arm oder sehr entwickelt - steigt die durchschnittliche Lebenserwartung stetig an.

In absoluten Jahren gerechnet haben dabei die Länder der mittleren Gruppe am stärksten profitiert, dort stieg die durchschnittliche Lebenserwartung seit 1980 um elf Jahre. Zu dieser Gruppe zählen Länder mit einem "Human Development Index" (HDI) zwischen 0,55 und 0,7 - zum Beispiel Pakistan, Kenia, Nicaragua, Ägypten oder die Republik Moldau. In relativen Zahlen hat die Ländergruppe mit dem niedrigen "Human Development Index" am meisten profitiert.

Am stärksten stieg die Lebenserwartung in Kambodscha an. Menschen, die 1980 geboren wurden, hatten eine durchschnittliche Lebenserwartung von nur 29 Jahren. Dies lag unter anderem an dem Pol-Pot-Regime der Roten Khmer, das Millionen von Opfern forderte. Und trotzdem ist die Entwicklung beeindruckend: Kinder, die 2013 geboren wurden, haben eine Lebenserwartung von fast 72 Jahren.

Weltweit positive Entwicklung - mit Ausnahmen

Ähnlich sieht es in Ost-Timor, Bhutan, den Malediven oder Niger aus. Die Auswirkungen sind selbst in Ländern wie der Türkei (1980: 58,7 Jahre; 2013: 75,3 Jahre) deutlich zu spüren. Weltweit gesehen ist das Bild sehr positiv. Es gibt aber auch einige wenige Negativbeispiele: In Südafrika, Belarus, Ukraine, Lesotho und Swasiland ist die durchschnittliche Lebenserwartung gesunken - wenn auch nur leicht.

Lesebeispiel für die folgende Grafik: 1980 lag die prognostizierte durchschnittliche Lebenserwartung von Neugeborenen in Deutschland bei 73 Jahren. 2013 lag der Wert bei 80,7 Jahren. Das ist ein Anstieg um 7,7 Jahre.

Was hat Lebensalter mit Gerechtigkeit zu tun?

Allerdings: Der Durchschnittswert sagt nichts über die Verteilung aus. Haben alle ungefähr die gleiche Lebenserwartung, spricht das für eine gerechtere Verteilung von Ressourcen wie Bildung, Einkommen, Schutz vor giftigen Umwelt-Einflüssen oder Zugang zur Krankenversorgung. Wird eine kleine - wohlhabende - Gruppe von Menschen sehr alt und sterben andere sehr viel früher, ist die Lebenserwartung ungleich - oder ungerecht - verteilt. Die UN, die diese Verteilung misst, spricht hier von der "Ungerechtigkeit der Lebenserwartung".

Situation in Afghanistan deutlich verbessert

Die UN-Auswertung hat ergeben, dass auch die massiven Unterschiede in der Lebenserwartung weniger werden. Am meisten hat sich die Lage in Afghanistan verbessert - dort war die durchschnittliche Lebenserwartung 2015 noch sehr ungleich verteilt. 2015 ist es immer noch ein hoher Ungleichheits-Wert, aber innerhalb weniger Jahre ist er stark gesunken. In anderen Ländern wie Sierra Leone ist der Wert immer noch sehr hoch - und auch in den vergangenen Jahren fast nicht gesunken. In Ländern wie Bolivien steigt die Ungleichheit bei der Lebenserwartung sogar noch an.

Lesebeispiel für die folgende Grafik: 2015 betrug der von der UN errechnete Wert der Ungleichheit bei der Lebenserwartung für die Zentralafrikanische Republik 45,7. Dieser Wert wird auf der horizontalen Achse angezeigt. Je weiter rechts ein Land auf dieser Achse zu finden ist, umso ungleicher ist die Lebenserwartung verteilt. Auf der vertikalen Achse ist die Veränderung von 2010 bis 2015 angezeigt - je weiter unten ein Land zu finden ist, umso stärker wurden Ungleichheiten bei der Lebenserwartung beseitigt. Beispiel: Mit einem Wert von 35,7 ist die Lebenserwartung in Afghanistan immer noch relativ ungleich verteilt. Allerdings ist dieser Wert von 2010 bis 2015 um 23,1 Punkte gesunken.

 

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NDR//Aktuell | 13.11.2018 | 14:00 Uhr