Boris Herrmann © picture alliance/Boris Herrmann/team-malizia.com/dpa Foto: Boris Herrmann

Vendée Globe: Geglückte Rettungsaktion - Herrmann beteiligt

Stand: 01.12.2020 13:55 Uhr

Der Hamburger Weltumsegler Boris Herrmann wird bei der Vendée Globe enorm gefordert. Nur wenige Tage nach einer Reparatur hoch oben am Mast war er nun an einer Rettungsaktion auf hoher See beteiligt.

Der Franzose Kevin Escoffier wurde in der Nacht zum Dienstag nach einer Havarie im Südpolarmeer von Vendée-Globe-Konkurrent Jean Le Cam geborgen und ist bei ihm an Bord der Yacht "Yes We Cam!". Escoffier musste seine Yacht "PRB" am Montagnachmittag um 14.46 Uhr deutscher Zeit nach starkem Wassereinbruch aufgeben und war 840 Seemeilen südwestlich von Kapstadt in die Rettungsinsel umgestiegen.

Rennleitung lotste auch Herrmann zur Unglückstelle

Nach erstem Sichtkontakt zwischen Le Cam und Escoffier war die Rettungsinsel in starken Winden und bis zu fünf Meter hohen Wellen bei einbrechender Dunkelheit zunächst aber außer Sicht geraten. Die Rennleitung der Vendée Globe hatte mit Herrmann ("Seaexplorer – Yacht Club  de Monaco"), Yannick Bestaven ("Maître Coq IV") und Séb Sebastien ("Arkea Paprec") drei weitere Teilnehmer zur Unglücksstelle umgeleitet. Die Such- und Rettungsaktion wurde gemeinsam mit dem Einsatzzentrum für Seenotrettung im nordfranzösischen Gris-Nez und der Seenotrettungszentrale MRCC in Südafrika koordiniert.

VIDEO: Boris Herrmann: "Suche nach der Nadel im Heuhaufen" (2 Min)

Escoffier um 2.06 Uhr gerettet

Erste Videosequenzen von Bord der "Yes We Cam!" zeigten den nach bangen Stunden am 1. Dezember um 2.06 Uhr Geretteten glücklich lächelnd im Überlebensanzug. "Kennt Ihr diese Filme über Schiffswracks? So war das. Nur schlimmer", berichtete Escoffier in einem ersten Interview: "Binnen vier Sekunden haben sich das Boot in die Welle gebohrt und der Bug um 90 Grad nach oben gefaltet. Ich hatte Zeit, eine Textnachricht zu schicken. Dann hat die Welle die Elektronik lahmgelegt. Es war total verrückt. Dann hat es das Boot zweigeteilt. Ich habe schon viel gesehen, aber das..."

"Ich brauche Hilfe. Ich sinke. Das ist kein Witz." Kevin Escoffier

Retter Le Cam war vor knapp zwölf Jahren am 6. Januar 2009 selbst von seinem Landsmann und "PRB"-Skipper Vincent Riou vor Kap Hoorn von seiner auf dem Kopf treibenden Yacht gerettet worden. Dieses Mal war es der 61-jährige Vendée-Rekordteilnehmer Le Cam, der einen "PRB"-Skipper aus einer lebensbedrohlichen Situation befreite.

Herrmann: "Ein unglaublich großes Suchfeld"

"Ich war sehr konzentriert auf meine Aufgabe", sagte Herrmann zum Ablauf der Rettungsaktion. "Ich hatte einen Suchsektor - sehr engmaschig, mit nur 600 Metern Abstand zwischen meinen Passagen. Eine Passage hat eine Stunde in Anspruch genommen. Das heißt, diese ganze Zone abzusuchen, die mir zugeteilt worden war, hätte vielleicht 15 bis 20 Stunden gedauert", sagte Herrmann. "Man wird sich da in dem Moment bewusst, wie unglaublich groß das Suchfeld ist und was wir für eine Nadel im Heuhaufen suchen."

Geglückte Rettung "eine große Erleichterung"

Dank der Order der Regattaleitung habe man als Flotte gemeinsam suchen können. "So konnten wir dem Glück wirklich eine Chance gegeben. Und das hat dazu geführt, dass wir Kevin finden konnten. Das ist eine große Erleichterung. Jetzt fällt die Anspannung ab", sagte Herrmann, der wie alle Teilnehmer an der Rettungsaktion mit einer späteren Zeitgutschrift rechnen darf. Während Spitzenreiter Charlie Dalin aus Frankreich mit seiner "Apivia" das Kap der Guten Hoffnung bereits passiert hat, rückte der Hamburger auf Platz sechs vor.

Über das weitere Schicksal von Escoffier und seines Schiffswracks ist noch nichts bekannt. Klar ist nur, dass er das 45.000 Kilometer lange Solorennen nicht bis ins Ziel mit Le Cam bestreiten kann. Ein Absetzen des Schiffbrüchigen in Kapstadt wäre eine Möglichkeit.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 01.12.2020 | 08:25 Uhr

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