Unruh: Neuer Name und Weltrekord

Stand: 28.12.2020 10:00 Uhr

Eine Jury hat bei der Wahl des Landessportverbands den Bogenschützen Florian Unruh zum Sportler des Jahres 2020 in Schleswig-Holstein gekürt. Der 27-Jährige aus Fockbek stellte einen neuen Weltrekord auf - und gewann die Indoor World Series.

von Frauke Hain

Schon seit einigen Jahren bestimmt Florian Unruh das Niveau im deutschen Bogensport entscheidend mit. Bislang kannte man den 27-Jährigen aus Fockbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit dem Nachnamen Kahllund. Seit der Hochzeit im Herbst dieses Jahres mit Lisa Unruh trägt er ihren Nachnamen. So war das Jahr 2020 für den Sportsoldaten privat ein Highlight. Und auch sportlich feierte er - trotz Corona - einige Erfolge.

Gold bei Indoor World Series

Direkt zu Jahresbeginn gewann Unruh in Las Vegas das Finale der Indoor World Series gegen den amtierenden Weltmeister. "Ich war froh, dass ich dieses Turnier gewonnen habe. Denn so wusste ich, dass ich gut drauf bin. Das hat mir richtig Motivation gegeben für die olympische Disziplin draußen", erzählt Unruh. Für die Hallensaison ist die World Series das beste Turnier, was es derzeit gibt. Geschossen wird aus 18 Metern. "Das ist was Gutes, um im Winter Wettkampferfahrung zu sammeln und dann gut vorbereitet zu sein für den Sommer." Dann wird draußen auf 70 Meter geschossen.

"Die Motivation war am Kippen"

Einen Monat später zeichnete sich dann ab, dass alle weiteren Turniere abgesagt werden könnten. "Das war schon heftig. Wir hatten gerade unsere erste Olympiaqualifikation fertig. Eine Woche später ging es mit dem Lockdown weiter", erzählt Unruh. Zunächst sah es noch so aus, als ob die Olympischen Spiele stattfinden würden. "Wir hatten das Glück, dass wir Kaderathleten ganz normal weiter trainieren konnten. Wir hatten nur einen Tag, den wir nicht trainieren durften", erinnert sich Unruh an das Frühjahr. Dann wurden die Olympischen Spiele verschoben. "Die Motivation war am Kippen." Es folgte ein knapper Monat Trainingspause.

Unruh will besser werden

Er spürt die Ungewissheit. Doch Florian Unruh hat gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. 2016 war er zu sehr auf die Olympischen Spiele konzentriert, wie er selbst sagt. Nachdem er damals die Qualifikation knapp verloren hatte, änderte er seine Einstellung. "Es geht mir nicht nur um die Spiele. Sondern es geht mir insgesamt darum, dass ich besser werde. Wenn dann die Spiele dabei herausspringen, dann ist ein Hauptziel erreicht. Aber ich mache das Ganze nicht nur wegen der Spiele. Das hat mir dieses Jahr sehr geholfen. Ansonsten wäre es sehr schwer geworden, sagt der Fockbeker.

Gelassenheit trotz Ungewissheit

Im Sommer und Herbst konnte er sein Können dann vier Mal erfolgreich unter Beweis stellen. Das Finale beim Deutschland Cup in Wiesbaden war eine Neuauflage vom Finale der Deutschen Meisterschaft aus dem vergangenen Jahr: Die deutsche Nummer eins, Florian Unruh, traf auf den deutschen Rekordhalter Maximilian Weckmüller. Unruh gewann deutlich. "Es war cool, dass ich gewinnen konnte gegen meine Teamkollegen. Das hat richtig Spaß gemacht."

Unruh stellt neuen Weltrekord auf

Und dann stellte Unruh bei der Kadersichtung des Deutschen Schützenbundes (DSB) in München eine neue Weltbestleistung auf. In der doppelten 70-Meter-Runde mit dem olympischen Recurve-Bogen schaffte der 27-Jährige 1.358 Ringe und verbesserte damit die bisherige Bestmarke des US-Weltmeisters Brady Ellison um zwei Ringe. Unruh beschreibt es als "guten Zufall".

Normalerweise werden in der Qualifikationsrunde 72 Pfeile aus 70 Metern geschossen. Wer dann im Ranking die meisten Punkte hat, ist vorne. Erst seit zwei Jahren wird auch die doppelte Runde als Weltrekord gezählt - bislang vor allem bei den Amerikanern. "Das machen schon viele Länder, aber die meisten melden das nicht an", erklärt Unruh. Der DSB hatte die Doppelrunde ordnungsgemäß angemeldet. Und so wurde Unruhs Leistung als neuer Weltrekord anerkannt. "Das war der größte Erfolg dieses Jahr", freut sich der 27-Jährige. Daran will er im kommenden Jahr anknüpfen - und wenn alles gut läuft auch bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Der Landessportverband (LSV) hat auch im Jahr 2020 die Sportlerin, den Sportler und die Mannschaft des Jahres in Schleswig-Holstein gewählt. NDR Schleswig-Holstein ist Medienpartner der LSV-Sportlerwahl.

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Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein mittendrin | 28.12.2020 | 15:40 Uhr

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