Die Handballer des THW Kiel bei der Siegerehrung mit der Meisterschale. © dpa-Bildfunk

THW Kiel: Erschöpfter Meister nach der schwersten Saison

Stand: 30.11.2021 06:00 Uhr

Der THW Kiel hat nach einer herausragenden Leistung den 22. Meistertitel in der Handball-Bundesliga geholt. Es war ein Herzschlag-Finale. Der Titelhunger ist nach einer schweren Saison an der Förde aber nicht gestillt.

Die Saison, die 38 Spieltage voller Spannung und Dramatik bot, entschied sich mit dem letzten Wurf. Im Spiel zwischen den Rhein-Neckar Löwen und dem THW Kiel. Löwen-Star Andy Schmid entschied mit seinem Fehlwurf in der letzten Sekunde des Spiels die Meisterschaft zu Gunsten der Kieler. Der THW erkämpfte sich ein 25:25 und damit den entscheidenden Punkt, um sich die 22. Meisterschaft knapp vor Flensburg zu sichern. "Dramatischer hätte es kaum sein können", resümierte Kreisläufer Patrick Wiencek danach. Seine Anspannung und Erleichterung waren ihm damals anzusehen.

Mehr als 50 Spiele in der Saison

Die Saison forderte viel von den Profis ab, etliche Spieler des Rekordmeisters waren in mehr als 50 Partien auf der Platte. Nicht von ungefähr sprach Domagoj Duvnjak danach von der "schwersten Saison seiner Karriere". Kiel stand am Ende der Saison mit 15 Punkten Vorsprung auf Platz drei gemeinsam mit Flensburg an der Tabellenspitze. Der THW hatte mit 1.212 geworfenen Toren allerdings den mit Abstand besten Angriff der Liga und war defensiv das zweitbeste Team mit nur einem Gegentor mehr als die SG. Die Tordifferenz musste den Auschlag geben - und die war um 36 Treffer besser war als die der Flensburger.

Hannah Böhme und Christine Pilger schauen in die Kamera. © Janis Röhlig/NDR Foto: Janis Röhlig
AUDIO: Heimvorteil bei THW Rückraumspieler Steffen Weinhold (32 Min)

Maritime Feier statt massivem Frust

Hätte es nicht zum Unentschieden in Mannheim gereicht, wäre die Saison trotz der herausragenden Leistungen wahrscheinlich als Misserfolg abgehakt worden. Schließlich gab es im Pokal-Halbfinale in Hamburg eine überraschende Niederlage gegen den TBV Lemgo Lippe und in der Champions League scheiterten die Kieler an Paris Saint-Germain im Viertelfinale. Der Meistertitel wurde dann im Gegensatz zum Vorjahr aber auch wieder gefeiert. Die Mannschaft bestieg nach ihrer Ankunft am Flughafen in Kiel eine Fähre und kreuzte vorm Kieler Reventlou-Anleger. Die erste maritime Meisterfeier, die die THW-Profis in der laufenden Saison sicher gerne wiederholen würden.

Weitere Informationen
Läufer durchbricht jubelnd das Ziel. (Montage, Symbolbild) © imagosportfotodienst GmbH, iStock photo, fotolia Foto: imagebrooker, Lisa Fletcher, Ovidiu_Iordachi

Sportler des Jahres: Die Porträts

Fünf Frauen, fünf Männer und fünf Teams haben die Chance, "Sportler des Jahres" 2021 in Schleswig-Holstein zu werden. In unseren Kurzporträts erfahren Sie mehr über die Athleten. mehr

Erschöpfung, Corona und starke Konkurrenz

Allerdings ist die Konkurrenz um die Meisterschaft größer geworden. Hinzu kommt, dass die Spieler erschöpft sind. Da Kiel über zahlreiche Nationalspieler verfügt, gibt es kaum ausgeruhte Spieler. Viele von ihnen hatten seit anderthalb Jahren keine wirkliche Pause - und so ist die Titelverteidigung alles andere als ein Selbstgänger. Erschwerend kommen noch Corona-Zwangspausen hinzu, wie zuletzt bei den Rückraumspielern Steffen Weinhold und Sander Sagosen.

Weinhold ordnet die Krise des THW in der Anfangsphase der Saison im "Heimvorteil"-Podcast realistisch ein: "Die Last auf die anderen Spieler wird größer, und wenn du das dann nicht verteilen kannst und alle zwei bis drei Tage ein Spiel hast, dann wird es anstrengend." Es ist also bereits absehbar, dass die aktuelle Saison wohl nicht nur ein Zweikampf zwischen den Teams aus Schleswig-Holstein werden wird. Spannend könnte es am Ende trotzdem werden - und damit kann der Rekordmeister von der Förde ja bekanntlich gut umgehen.

Porträts der Mannschaften des Jahres 2021
Ein Pokal steht im sprühendem Glitzerlicht auf dunklem Untergrund. © photocase Foto: Mcdeekey, MichaelJBerlin

Wählen Sie die Sportler des Jahres 2021 in SH

Der Landessportverband Schleswig-Holstein sucht die Sportlerin, den Sportler und die Mannschaft des Jahres 2021. Stimmen Sie ab! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein mittendrin | 30.11.2021 | 12:20 Uhr

Paul Kohlhoff(l.) und Alica Stuhlemmer jubeln über Bronze im Nacra 17 Segeln. © dpa-Bildfunk

Kohlhoff/Stuhlemmer: Mit Willen und Leidenschaft zu Bronze

Die Katamaran-Segler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer haben bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bronzemedaille im Nacra17 erkämpft. mehr

Die Kieler Mannschaft feiert ihren Sieg. © WITTERS Foto: Tim Groothuis

Holstein Kiel: "Ein Wunder zu wenig"

Die vergangene Saison von Fußball-Zweitligist Holstein Kiel war in großen Teilen sensationell. Am Ende konnten sie sich nicht belohnen. mehr

Die Flensburger Handballer feiern. © picture alliance/dpa | Frank Molter

SG Flensburg-Handewitt: "Viele wären gern mal nur Zweiter"

Die SG Flensburg Handewitt hat in der vergangenen Saison richtig gut abgeliefert, zum Feiern gab es am Ende jedoch nichts. mehr

Die KTV Adler im Volleyballspiel. ©  KTV Adler Foto: Jasper Lorenz

KTV Adler: Lange Zeit auf Kurs Richtung Bundesliga

Eigentlich wollten die Volleyballer der KTV Adler nur oben mitspielen. Dass sich das Team als Vizemeister fast für den Aufstieg qualifizierte, war dennoch überraschend. mehr

Mehr Sport-Meldungen

HSV-Fans im Volksparkstadion © Witters Foto: Tim Groothuis

Trotz Corona-Krise: HSV traut sich "25.000 bis 30.000 Zuschauer" zu

Der neue HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld will so schnell wie möglich wieder deutlich mehr Fans im Volksparkstadion haben. Juristische Schritte seien nicht geplant. mehr