Paul Kohlhoff (r.) und Alica Stuhlemmer in Aktion beim Segeln im Nacra 17 © dpa-Bildfunk

Kohlhoff/Stuhlemmer: Mit Willen und Leidenschaft zu Bronze

Stand: 30.11.2021 06:00 Uhr

Die Katamaran-Segler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer haben bei den Olympischen Spielen die Bronzemedaille im Nacra17 erkämpft. Für Kohlhoff wurde nach einer schweren Erkrankung ein Traum wahr.

Die Landeshauptstadt Kiel ist ja auch bekannt als Sailing City, wen wundert es da also, dass die Segler von der Förde bei den Olympischen Spielen in Tokio besonders erfolgreich waren. Für die beiden Sportsoldaten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer war schon vor den Spielen klar, dass sie ums Edelmetall kämpfen wollen. "Wenn wir eine durchschnittliche, ordentliche Woche haben, dann sind wir auf jeden Fall im Medalrace. Wenn es sehr gut läuft, können wir auch ganz vorne mitspielen", sagte Steuermann Kohlhoff vor dem Start in Tokio. Dass der gebürtige Bremer, der für den Kieler Yacht-Club segelt, bei seiner zweiten Olympiateilnahme nach Rio 2016 die Bronze Medaille gewinnt, war vor einigen Jahren nicht zu erwarten.

Kritische Phase auf Mallorca

Bei den Olympischen Spielen in Brasilien trat Kohlhoff damals mit 21 Jahren noch als jüngster Steuermann gemeinsam mit der Kielerin Carolina Werner an. Das Duo wurde erst in der letzten von drei Runden nominiert und segelte auf einen respektablen 13. Platz. Doch ein Jahr später wurde Kohlhoffs Leben auf den Kopf gestellt. Im Trainingslager auf Mallorca bekam er nach starken Kopfschmerzen im Krankenhaus die schockierende Diagnose Hirnblutung.

Es war fraglich, ob er nach einer gefährlichen Operation je wieder auf Olympischen Niveau segeln können würde. Nach einer langen Reha-Phase segelte er jedoch 2018 wieder gemeinsam mit Vorschoterin Stuhlemmer in der aktuell schnellsten olympischen Bootsklasse. 2019 holte das Duo bei der Testregatta vor Enoshima noch den sechsten Platz, zwei Jahre später sollte es dann beim Medaillenrennen sogar Bronze werden.

Hannah Böhme und Christine Pilger schauen in die Kamera. © Janis Röhlig/NDR Foto: Janis Röhlig
AUDIO: Heimvorteil mit Alica Stuhlemmer (40 Min)

Zwischen Hoffen und Bangen

Schon vor dem letzten Rennen, dem sogenannten Medaillenrennen, sah es recht gut aus. Die Kieler lagen auf dem dritten Platz der Gesamtwertung und konnten sich große Hoffnung auf Edelmetall machen. Doch der Start misslang und sie fielen zwischenzeitlich auf Platz zehn zurück, mit einem Kraftakt segelten sie aber noch auf den achten Platz. Das reichte nach den guten Leistungen zuvor für die Medaille. Kohlhoff erinnert sich noch genau an den Moment, als sie im Enoshima Yacht Harbour übers Ziel segelten und realisierten, was sie geschafft hatten: "Wir haben uns nur an den Kopf gefasst. Und irgendwie ist plötzlich so viel abgefallen von dieser kranken Anspannung, die ich noch niemals so erlebt habe."

Nasse Feier und Vorbilder

Gefeiert wurde die Medaille damals von beiden mit einem beherzten Sprung ins kühle Wasser. Alica Stuhlemmer streckte die Fahne aus dem Wasser der Sagami-Bucht in den Himmel. Das Kieler Mixed-Duo hat wahrscheinlich schon in jungen Jahren genau von diesem Moment geträumt, damals als sie auf der Kieler Förde das Segeln lernten. Dort, wo ihnen in den kommenden Jahren viele junge Athleten nacheifern werden, um weitere Medaillen in die Sailing City zu bringen.

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