Stand: 28.07.2019 16:13 Uhr

Zverev nach Heimatbesuch vor Wochen der Wahrheit

Siege für die Seele, Trennung vom Trainer, dramatisches Aus im Halbfinale: Alexander Zverev erlebte bei seiner Rückkehr in seine Geburtsstadt Hamburg die reinste Gefühlsachterbahn. Am Ende einer "Wahnsinnswoche" am Rothenbaum war der Weltranglisten-Fünfte einfach nur platt. "Zurück nach Hause zu kommen, war toll. Ich hatte unglaubliche Gefühle, unglaubliche Emotionen", sagte Deutschlands bester Tennisprofi nach seinem aufwühlenden Zwischenstopp beim ATP-Turnier in der Hansestadt.

Frust nach Halbfinal-Aus

Der 22-Jährige hat viel zu verarbeiten. Da waren zunächst drei Siege fürs Selbstvertrauen vor einem frenetischen Publikum, da war die von viel Getöse begleitete Trennung von seinem Starcoach Ivan Lendl und schließlich die bittere Pleite nach 3:07 Stunden und zwei vergebenen Matchbällen am Sonnabend gegen den späteren Turniersieger Nikolos Bassilaschwili (Georgien). Auch die erste Halbfinal-Teilnahme bei einem 500er-Turnier auf der Tour seit fast fünf Monaten und seine zweite in Hamburg nach 2014 konnten seine Enttäuschung nicht lindern. Der Frust über den verpassten Turniersieg in seinem Wohnzimmer saß tief. "Es ist kein schönes Gefühl gerade", sagte Zverev deprimiert.

"Muss meine Chancen generell besser nutzen"

Die Rückkehr zu seinen Wurzeln nach dreijähriger Abstinenz dürfte dem ATP-Weltmeister drei Wochen nach dem Erstrunden-Aus in Wimbledon dennoch das gewünschte Selbstvertrauen gegeben haben. In spielerischer Hinsicht aber bleibt weiterhin viel Luft nach oben. "Ich muss meine Chancen generell besser nutzen. Es ist schon ein paarmal dieses Jahr passiert, dass ich nach Matchbällen verloren habe. Ich hoffe, das wird sich bald ändern", sagte Zverev nach dem Halbfinal-Aus.

Steeb: "Sein Tennis war nicht da"

"Psychisch war er stark. Er hat sich durchgekämpft durch seine Matches, aber er hat nie den Ball richtig gefühlt. Er wollte unbedingt gewinnen, aber sein Tennis war nicht da", erläuterte der ehemalige Davis-Cup-Kapitän Carl-Uwe Steeb im Gespräch mit dem NDR Sportclub: "Er hat das Spiel nicht gemacht, was er ja eigentlich kann, er kann sehr druckvoll spielen. Aber er hat das komplett dem Gegner überlassen und das hat sich dann leider gerächt. Aber ich glaube, er hat das Maximale daraus gemacht in der Woche und muss jetzt einfach weitermachen."

Abseits des Platzes kehrt Ruhe ein

Immerhin werden abseits des Platzes die Baustellen weniger. Statt von Lendl, der am Freitag nach Zverevs scharfer Kritik zum Wochenstart die ohnehin wenig fruchtbare Zusammenarbeit beendete, wird Zverev künftig wieder ausschließlich von seinem Vater betreut. Und auch der nervenaufreibende, seit Monaten schwelende Rechtsstreit mit Ex-Manager Patricio Apey steht vor dem Abschluss. Tennis-Ikone Boris Becker sprach in den Tagen von Hamburg schon von einer Art "Neustart für Sascha".

US Open im Fokus

Am 20. August beginnen die US Open. Spätestens auf den Hartplätzen von Flushing Meadows, seinem Lieblings-Grand-Slam auf seinem Lieblingsbelag, will Zverev wieder in die absolute Weltspitze vorstoßen. "Ich habe immer gesagt, dass die US Open in diesem Jahr das Turnier sind, bei dem ich meinen Durchbruch schaffen will", hatte der Jungstar bereits in Wimbledon angekündigt.

Rückkehr nach Hamburg offen

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Ob er allerdings nach Hamburg zurückkehrt, ließ der 22-Jährige offen - auch, weil ihm der Belag nicht gefällt. Auf die Frage, was ihm bei der mit 1,7 Millionen Euro dotierten Sandplatz-Veranstaltung fehlt, antwortete Zverev lachend: "Der Hartplatz." Die Rückkehr von englischem Rasen auf Sand in Norddeutschland und dann Richtung Nordamerika in die Hartplatz-Saison sei ihm zu viel Wechsel der Beläge. Im Olympiajahr 2020 - die Spiele in Tokio finden direkt nach dem Hamburger Turnier auf Hartplatz statt - werde es "sowieso schwierig. Aber dieses Jahr habe ich in der ersten Runde in Wimbledon verloren, da hast du Zeit. Ich hoffe, auch mal die zweite Woche in Wimbledon zu spielen. Hoffentlich lerne ich bald, wie man dort gewinnt."

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Sportclub | 28.07.2019 | 12:00 Uhr