Stand: 19.07.2019 17:42 Uhr

Zverev froh in Hamburg: "Wo ich gemocht werde"

von Andreas Bellinger, NDR.de

Es fühlt sich gut an, wieder zu Hause zu sein. Nach drei Jahren ist Alexander "Sascha" Zverev zurück in seiner Hamburger Heimat. Und hat rund um das am Montag beginnende ATP-Tennisturnier (22. bis 28. Juli, live im NDR) allein durch seine unverhoffte Zusage so etwas wie einen Hype am Rothenbaum ausgelöst. "Ich bin unheimlich froh, hier zu sein. Es war sehr schön, mal wieder in meinem alten Kinderbett zu schlafen", sagte der 198 Zentimeter lange Weltmeister von 2018 am Donnerstag in der Hansestadt und fügte entspannt schmunzelnd hinzu: "Das Bett ist lang genug, ich war schon früher ein großes Kind."

Probleme mit Trainer Lendl

Bild vergrößern
Alexander Zverev (l.) kritisierte seinen Trainer Ivan Lendl.

Die Enttäuschung von Wimbledon, als er schon in der ersten Runde gegen den Tschechen Jiri Vesely scheiterte, habe er einigermaßen weggesteckt. Eine Woche Urlaub mit Freunden habe gut getan und den Kopf frei gemacht. Zumal es überdies Ärger mit Trainer Ivan Lendl gegeben hatte, der offenbar nicht immer die gleiche professionelle Einstellung an den Tag gelegt hat. "Wenn ich von meinen Problemen mit dem zweiten Aufschlag gesprochen habe, hat er von seinem super Abschlag am sechsten Loch geschwärmt." Die Probleme des Weltranglisten-Fünften mit dem einstigen Tennis-Star seien inzwischen aber erledigt.

Manager-Streit vor dem Ende

In Hamburg (auch ohne seinen Trainer Lendl) zu spielen, sei allein seine Entscheidung gewesen, sagte Zverev. Ohnehin gebe es momentan niemanden, der ihm da reinreden könnte. Der Streit mit seinem Manager, von dem er sich lieber heute als morgen endgültig trennen möchte, ist offiziell zwar noch immer nicht ad acta gelegt. Aber Zverev, der in der Hansestadt wieder von seinem Vater Alexander Zverev senior betreut wird, deutete an, dass eine Entscheidung unmittelbar bevorstehe. "Das wird hoffentlich bald kein Thema mehr sein - und ich kann mich wieder voll und ganz auf Tennis konzentrieren."

Gut so, denn die neue Turnierdirektorin am Rothenbaum, Sandra Reichel, hat ein starkes Feld zusammengestellt, das in ihrem österreichischen Landsmann Dominic Thiem und dem Italiener Fabio Fognini zwei weitere Top-Ten-Spieler aufweist. Bei der Auslosung am Sonnabend (13 Uhr) sind auch die Deutschen Philipp Kohlschreiber, Jan-Lennard Struff, Mischa Zverev und Rudi Molleker im Topf.

Interview

Rothenbaum-Chefin Reichel: "Zverev ist wie ein Geschenk"

Sandra Reichel ist die neue Direktorin des Tennisturniers in Hamburg. Warum ihr Tradition wichtig ist und wie sie Alexander Zverev an den Rothenbaum "gelockt" hat, verrät sie im Gespräch mit NDR.de. mehr

Heimat-Programm: Pass verlängern, Freunde treffen

Am Rothenbaum hat sich der Hamburger, der sich in dieser Saison bis dato eher schlecht als recht schlug, bislang kaum umgeschaut. "Keine Zeit", sagte der 22-Jährige. Denn einmal in der Heimat, musste er seinen Reisepass verlängern und das ein oder andere auch noch erledigen, das in seiner Wahlheimat Monaco eben nicht zu machen ist. Gute, alte Freunde treffen zum Beispiel. Ganz oben auf seiner To-do-Liste steht aber der Turniersieg, den er nach einer deprimierenden Halbfinal-Niederlage gegen den Spanier David Ferrer 2014 verpasst hatte. Im Jahr zuvor hatte er am Rothenbaum seine Premiere auf der ATP-Tour gefeiert. Auf dem roten Sand, den Michael Stich 1993 als letzter deutscher Rothenbaum-Sieger verlassen hatte - und wo Steppke Zverev 2008 Roger Federer und Rafael Nadal im Finale zugejubelt hatte. "Ich bin froh, hier zu sein, wo ich alles kenne und - auch wenn es komisch klingt - wo ich gemocht werde", sagte Zverev: "Ich möchte zurückkehren an einen Ort, wo ich weiß, dass das Publikum hinter mir steht."

"Sohn der Stadt" wertet Turnier auf

Zwei Jahre hatte Zverev dem Rothenbaum zuletzt einen Korb gegeben, stattdessen in Washington seine Hartplatz-Saison mit jeweils einem Turniersieg begonnen. "Eine richtige Entscheidung", sagte er rückblickend, auch wenn er dafür hierzulande herbe Kritik einstecken musste. Vorbei und vergessen. Wenn ein "Sohn der Stadt" hier Tennis spielt, ist es natürlich eine "enorme Aufwertung des Turniers". Der für den Sport zuständige Hamburger Innensenator Andy Grothe geriet regelrecht ins Schwärmen über die überraschende Startzusage, die das Duo Sandra Reichel und ihr Vater Peter-Michael Reichel mit Beharrlichkeit erreicht haben. Zverev will jedenfalls zurückzahlen: "Ich bin bereit für das Turnier. Ich werde in jedem Match alles geben."

Show-Mixed mit Bruder und Rothenbaum-Siegerinnen

Multimedia-Doku

Mythos Rothenbaum: Ruhm und Dramen auf rotem Sand

Seit mehr als 110 Jahren wird am Hamburger Rothenbaum Tennis gespielt. Triumphale Siege, ewiger Ruhm und große Dramen: Ein Rückblick auf bewegte Zeiten in einer Multimedia-Doku. mehr

Mit einer Mixtur aus Sport und Musik geht es am Sonntag (19 Uhr) los. "Barde" Max Giesinger singt live zur Eröffnung, bei der auch die Topspieler dabei sein werden. Der Clou steigt auf dem Center Court zwei Stunden vorher, wenn die Zverev-Brüder Alexander und Mischa mit der Österreicherin Barbara Schett und Iva Majoli aus Kroatien ein Show-Mixed zelebrieren. Zwei Rothenbaum-Siegerinnen aus den Zeiten, als es in Hamburg noch Damen-Tennis gab. Linkshänder Mischa Zverev, der eine Wildcard bekam, schaffte zuletzt beim Rasenturnier in Newport/Rhode Island erstmals seit einem Jahr den Sprung in ein ATP-Viertelfinale. Am Freitag schied der 31-Jährige allerdings gegen den Spanier Marcel Granollers 3:6, 0:6 aus.

Alexander Zverev: Deutschlands Bester aus Hamburg

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 18.07.2019 | 19:30 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/sport/mehr_sport/rothenbaum/Zverev-,rothenbaum788.html