Stand: 03.11.2013 16:45 Uhr  | Archiv

Carsten-Otto Nagel: Geduld lohnt sich

von Bernd Schlüter, NDR.de
Kurz-Bio Carsten-Otto Nagel
RubrikDaten
Geburtsdatum:23.09.1962
Geburtsort:Marne
Disziplin:Springreiten
Nationalität:deutsch
Ausbildung:Pferdewirtschaftsmeister
Hobbys:Skat, Tischtennis
Größte Erfolge:Mannschafts-Weltmeister 2010; Europameisterschaften: Einzel-Silber 2009, 2011, Team-Gold 1999, 2011, Team-Silber 2013, Team-Bronze 2009; Deutsche Meisterschaften: Gold 1999, Silber 2013, Bronze 2009; Riders-Tour-Gesamtsieger 2008, 2013; Sieger im Deutschen Spring-Derby 1999, 2010; Sieger im Championat von Hamburg 2007; Mannschafts-Sieger Nationenpreis von Falsterbo und Rotterdam. CSI-5*-Siege: Stuttgart 2010, Dublin 2012
Homepage:www.carstenottonagel.de
Autogrammadresse:Stall Moorhof, Buttermoorweg 20, 25488 Holm
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Carsten-Otto Nagel wurde 2010 Mannschafts-Weltmeister in Lexington.

Carsten-Otto Nagel und England: Das passt einfach zusammen. Dort krönte der Schleswig-Holsteiner nicht nur 1999 seinen kometenhaften Aufstieg, sondern auch 2009 seine hart erarbeitete Rückkehr in die Weltspitze der Springreiter. Dazwischen lagen zehn Jahre, in denen der zurückhaltende Wedeler zeitweise fast in der sportlichen Versenkung verschwunden war, seine Wochenenden auf Regionalturnieren verbrachte, um talentierte Pferde auf größere Aufgaben vorzubereiten. Nagels Fleiß, Mühe und Geduld haben sich gelohnt: "Corradina ist das beste Pferd, das ich je hatte", sagt er über seine Schimmelstute, die er selbst ausgebildet - und die ihn im August 2009 im englischen Windsor Castle zu Einzel-Silber und Mannschafts-Bronze getragen hat. Ein Ergebnis, das im Oktober 2010 im - zumindest englischsprachigen - Lexington (USA) noch getoppt werden sollte: Dort triumphierte der Schleswig-Holsteiner bei den Weltreiterspielen im Mannschafts-Wettbewerb. Es war das erste WM-Gold für Deutschland seit 1998.

Sportliches Tief zwischen 2002 und 2007

Bereits 1999 hatte Nagel seine Visitenkarte in der Weltspitze abgegeben. In diesem Jahr triumphierte er beim Deutschen Spring-Derby in Hamburg und sicherte sich mit der deutschen Equipe den Mannschafts-Europameistertitel in Hickstead. Zwischen beiden Ereignissen wurde er zudem deutscher Meister der Springreiter. Zu dieser Zeit hatte Nagel mehrere Weltklassepferde im Sattel: Lagretto, Wienerwirbel, L'Eperon und Deichgräfin machten ihn zwischen 1995 und 1999 zu einem der erfolgreichsten deutschen Reiter und einer Stammkraft bei Nationenpreisen. Und auch in den Jahren danach feierte der Wedeler noch einige Erfolge, ohne aber den langsamen Abstieg verhindern zu können. "Ich hatte Mitte der 2000er Jahre einfach kein Top-Pferd zur Verfügung", so der gebürtige Marner, der seit 1992 auf dem Gestüt Moorhof im holsteinischen Wedel arbeitet. Schon als Zwölfjähriger hatte er übrigens sein erstes schweres Springen geritten und gleich gegen den Weltklassereiter Hartwig Steenken gewonnen. Als junger Mann bildete Nagel die Pferde aus dem väterlichen Stall aus, die nach guter Entwicklung weiter verkauft wurden.

Europameisterschafts-Party nach bitterem Olympia-Aus

Ab 2007 häuften sich dann die Platzierungen bei größeren Turnieren - vor allem ein Verdienst von Corradina. Und mit Calle Cool hatte Nagel zudem auch wieder ein Pferd zur Verfügung, das beim Deutschen Derby in Hamburg stets zum Favoritenkreis gehört. 2008 gewann Nagel dann die Gesamtwertung der Riders Tour und stand zudem auf der Kandidatenliste für die Olympischen Reiterspiele in Hongkong. Die Teilnahme scheiterte allerdings daran, dass Corradinas Besitzer, Michael Herz, wegen der klimatischen Bedingungen einer Reise seines Pferdes nach Asien von vorneherein kritisch gegenüber stand und eine Einsatzgarantie verlangte, die ihm Bundestrainer Kurt Gravemeier nicht geben wollte. Mit dem Wechsel von Gravemeier zu Otto Becker am 1. Januar 2009 kehrte Nagel allerdings in die Nationalmannschaft zurück - und rettete den von Negativschlagzeilen gebeutelten Deutschen schließlich mit seinem Silberritt eine fast schon verkorkste Europameisterschaft. "Ich kann es nicht fassen. Ich hatte so viel Druck und dann hole ich Silber. Ich bin so stolz", sagte der damals 46 Jahre alte Springreiter, um beim WM-Titel 2010 und dem EM-Triumph 2011 schon zu den unbestrittenen Führungsfiguren im deutschen Team zu gehören.

Die Karriere-Krönung fehlt noch

Und doch fehlt Nagel noch immer der ganz große Wurf. Einzel-Silber bei der EM 2011 in Madrid war zwar erneut ein großer Erfolg, aber eben nicht der Titel. Und zudem wartet der Wedeler noch immer auf sein Olympia-Debüt, weil Corradina 2012 wegen den Nachwirkungen einer Zahn-Operation passen musste. "Natürlich bin ich traurig, aber im Sinne von Corradina ist das die richtige Entscheidung", sagte Nagel, als sein Traum von den Spielen in London zerplatzte. In diesem Moment aber offenbarte der Schleswig-Holsteiner wieder einmal, was ihn bei Pferdefreunden so beliebt macht: Bei Nagel steht die Gesundheit des Pferdes immer an erster Stelle - und dafür würde er notfalls auch auf die Karriere-Krönung verzichten.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 07.05.2016 | 15:25 Uhr

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