Stand: 19.02.2018 09:30 Uhr

Katrin Krabbe: Tiefer Fall einer Sprint-Königin

von Andreas Bellinger, NDR.de
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Erst gefeierte "Sprint-Göttin", dann jähes Karriereende.

Im Januar des Olympia-Jahres 1992 wurde das wachsende Misstrauen der Experten bestätigt. Während die Sportfans und Medien ihre "Sprint-Göttin" gerade noch gefeiert, Veranstalter bei Sportfesten fünfstellige Startgelder gezahlt und 1991 ein Jahreseinkommen von einer halben Million Mark zu Buche geschlagen hatten, bahnte sich in Südafrika das jähe Ende ihrer Karriere an. Im Trainingslager in Stellenbosch hatten die Doping-Kontrolleure Proben bei Krabbe, Breuer und Silke Möller genommen und festgestellt, dass dreimal derselbe Urin abgegeben worden war.

"Freispruch aus formalen Gründen"

"Jeder Laborhase hätte die nicht versiegelten Flaschen aufschrauben, den Inhalt zusammenmischen und die Flaschen wieder auffüllen können. Ich habe nicht gedopt", verteidigte sich Krabbe in einer Pressekonferenz. Tatsächlich wurde die Suspendierung durch den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) drei Monate später aufgehoben. Anwalt Reinhard Rauball, der heute Präsident von Borussia Dortmund und der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist, erwirkte einen "Freispruch aus formalen Gründen", wie das übergeordnete Schiedsgericht der Internationalen Leichtathletik-Föderation (IAAF) es formulierte. Kritiker Franke schüttelt noch immer den Kopf über das Urteil: "Man kann ihr nur wünschen: Erzähl' endlich, wie es war mit Springstein, Breuer und den Kontroll-Urin-Abnahmen in Südafrika."

Nächster Skandal: Clenbuterol

Krabbes Traum von Olympia war geplatzt. Der Skandal aber noch lange nicht zu Ende. Bei einer weiteren Doping-Kontrolle wurde Clenbuterol in ihrem Urin nachgewiesen. Springstein hatte das rezeptpflichtige Medikament mit anaboler Wirkung illegal beschafft. "Ich fühle mich schon schuldig, dass ich mich nicht ausreichend sachkundig gemacht habe", sagte er öffentlich. Krabbe ("Ich denke nicht, dass er uns absichtlich schaden wollte") wurde für drei Jahre wegen Medikamentenmissbrauchs gesperrt. Weil Clenbuterol damals aber nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen stand, wurde ihr, so Prokop, "ein Verstoß gegen das ethische Grundverständnis des Sports" zur Last gelegt.

Vom Prozessmarathon zur Privat-Insolvenz

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Katrin Krabbe: Schicksalsjahre einer Sprintkönigin

18.02.2018 23:35 Uhr
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Sie war Weltmeisterin, stieg auf zum ersten gesamtdeutschen Star der Leichtathletik. Doch dann der Absturz. Der Sportclub hat Katrin Krabbe getroffen. Video (29:48 min)

Das endgültige Aus der Sprinterin Katrin Krabbe war der Startschuss zu einem acht Jahre währenden Prozessmarathon. An dessen Ende urteilte das Gericht, "dass bei einem Doping-Ersttäter maximal eine zweijährige Wettkampfsperre ausgesprochen werden darf" und sprach Krabbe für entgangene Start- und Sponsorengelder Schadenersatz in Höhe von 1,5 Millionen Mark zu. "Der Fall hat Rechtsgeschichte geschrieben", sagt Prokop. Doch der Konflikt mit der Justiz ging weiter: Springstein bekam 2006 wegen eines anderen Doping-Vergehens eine Bewährungsstrafe von 16 Monaten. Krabbes Ehemann, der Rechtsanwalt und Ruder-Weltmeister Michael Zimmermann, wurde 2008 wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Das Paar musste Privat-Insolvenz anmelden. "Katrin hat lange gebraucht, bis sie sich wieder normalisiert hatte", sagt ihr Vater. Ihre dunkelste Stunde sollte sie aber erst sieben Jahre später erleben.

Schicksalsschlag und neues Glück

"Mein Mann kam eines Abends nicht nach Hause", erzählt Krabbe im Sportclub von der Nacht auf den 5. Mai 2015. An diesem Tag meldete sich die Polizei mit der furchtbaren Nachricht, "dass er sich das Leben genommen hat". 21 Jahre verheiratet. Kein Abschiedsbrief. Drei Jahre nach der familiären Katastrophe zeigt sich die Mutter zweier Söhne wieder häufiger in der Öffentlichkeit. Ihr neues Glück ist Bob Hanning, der Vize-Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und Geschäftsführer beim Bundesligisten Füchse Berlin. Neben ihrem Halbtagsjob in einem Autohaus arbeitet Krabbe als Sterbebegleiterin in einem Neubrandenburger Hospiz; ehrenamtlich nach einer zehnmonatigen Ausbildung. "Durch meine ganze Geschichte bin ich so geworden, wie ich heute bin“, sagt sie nachdenklich. Für Franke indes trägt die "Schnellste Lügnerin der Welt" (Zeitungs-Schlagzeile) bis heute Schuld, "weil sie auch nach einem Vierteljahrhundert nichts erzählt und die Wahrheit sagt".

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 18.02.2018 | 23:35 Uhr

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