Stand: 17.08.2020 12:55 Uhr

Walkenhorst ist zurück - und träumt von Olympia

von Bettina Lenner, NDR.de
Beachvolleyballerin Kira Walkenhorst © imago images / Beautiful Sports
Blitz-Comeback: Kira Walkenhorst.

18. August 2016, eine heiße Nacht an der Copacabana in Rio de Janeiro: Der deutsche Beachvolleyball-Sport erlebt eine seiner größten Sternstunden. Laura Ludwig und Kira Walkenhorst stehen im olympischen Finale, zeigen vor 12.000 frenetischen Fans gegen die brasilianischen Kontrahentinnen Agatha/Barbara eine konzentrierte und nervenstarke Leistung und triumphieren schließlich in zwei Sätzen. Das Gold ist das erste Olympia-Edelmetall für ein europäisches Frauen-Team überhaupt - ein historischer Erfolg!

VIDEO: Ludwig/Walkenhorst schmettern sich zu Gold (8 Min)

Vier Jahre später ist vieles anders. Sind die Olympischen Spiele von Tokio wegen der Corona-Pandemie ins kommende Jahr verschoben, finden Beachvolleyball-Turniere wie zuletzt in Hamburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, hat sich das erfolgreiche HSV-Duo Ludwig/Walkenhorst schon längst getrennt. Zu gravierend schienen die Verletzungsprobleme von Walkenhorst. Schulter, Rippe, Hüfte - nichts ging mehr, entnervt und frustriert gab die Olympiasiegerin und Weltmeisterin nach langer Leidenszeit auf. 2017 endete die Zusammenarbeit des erfolgreichen Duos.

Walkenhorst und Grüne überraschen sich selbst

Doch nun ist Walkenhorst zurück - und schlug am vergangenen Freitag in Hamburg bei ihrer zweiten Turnierteilnahme nach dem Blitz-Comeback gemeinsam mit ihrer neuen Partnerin Anna-Lena Grüne ausgerechnet das Team Ludwig/ Margareta Kozuch.

Ein unverhoffter Erfolg. "Wir sind ziemlich frei reingegangen, weil wir wussten, dass wir absolut nichts zu verlieren haben. Laura und Maggie sind seit zwei, drei Jahren auf einem Top-Niveau. Wir wollten sie ein bisschen ärgern und waren selber überrascht davon, dass wir gewonnen haben; vor allem aber, dass wir auf einem hohen Niveau schon ein ganzes Spiel durchspielen konnten", schilderte Walkenhorst bei NDR 90,3.

Es folgten zwei knappe Niederlagen, das Hamburger Finale verpasste das erst kürzlich mithilfe des Volleyball-Verbandes zusammengestellte neue Team. Dennoch fiel Walkenhorsts Bilanz durchweg positiv aus. "Wir haben dieses Wochenende gegen Top-Teams gespielt und auch einen Sieg eingefahren. Und im Vergleich zum ersten Turnier haben wir sportlich schon einen sehr großen Schritt nach vorne gemacht."

DM-Ticket gleich bei der Premiere

Rund zwei Wochen zuvor hatte das frischgebackene Duo beim ersten gemeinsamen Auftritt in Düsseldorf auf Anhieb überzeugt und das Ticket für die deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand (3. bis 6. September) gelöst. Ihr Ziel in ihrer durch Corona abgespeckten Premierensaison hätten beide damit bereits erreicht, berichtete Walkenhorst. Und was geht noch bei der DM? "Wir haben jetzt noch einmal drei Wochen Zeit, um zu trainieren und werden an ein paar Dingen arbeiten. Über eine richtige Platzierung will ich gar nicht sprechen. Aber ich glaube, dass wir schon das eine oder andere Team schlagen können - aber auch nicht mit zu hohen Erwartungen da rangehen dürfen", so Walkenhorst, die gerade einmal zwei Wochen Zeit gehabt hatte, um für das erste Turnier fit zu werden.

Ungewohnte Rolle im Zusammenspiel mit Grüne

Die Beachvolleyballerinnen Kira Walkenhorst (l.) und Anna-Lena Grüne umarmen sich. © imago images / Beautiful Sports
Anna-Lena Grüne gilt als deutsche Nachwuchshoffnung.

An der Seite des extrovertierten Energiebündels Laura Ludwig war Walkenhorst das ruhige, besonnene Gegenstück. Als Partnerin der erst 18-jährigen Grüne findet sich die 29-Jährige nun in ungewohnter Rolle wieder: "Es ist definitiv ein Rollenwechsel. Ich bin immer noch nicht die, die alles rausbrüllt, sondern bin immer noch ich. Aber ich bin natürlich die Erfahrenere. Damals war das bei uns im Team Laura, die mir viel mitgeben konnte. Jetzt habe ich den Part und ein bisschen die Führung übernommen."

Ihre Drillinge halten sie auf Trab

Der Sport spielt wieder eine wichtige Rolle im Leben von Kira Walkenhorst, der nach vielen vergeblichen Anläufen schließlich ein Heilpraktiker aus der nicht enden wollenden Schmerzschleife half.

Aber nicht mehr die wichtigste. Gemeinsam mit ihrer Frau Maria hat die Olympiasiegerin Drillinge zu versorgen, die im Oktober zwei Jahre alt werden. "Die Kleinen halten uns auf Trab. Zwischen den Trainingseinheiten ist es nichts mehr mit entspannt regenerieren, sondern den Kindern hinterherlaufen, und die probieren gerade alles aus", berichtete sie. Und doch ist er wieder da, der olympische Traum. Tokio im nächsten Jahr kommt wohl zu früh, aber 2024 in Paris? "Das könnte tatsächlich klappen. Dies ist immer noch mein Testjahr. Aber jetzt habe ich zwei Turniere gespielt und habe es außer großem Muskelkater gut weggesteckt. Von daher könnte ich es mir vorstellen."

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Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 16.08.2020 | 18:00 Uhr

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