Stand: 07.04.2020 09:45 Uhr

Kommen Lüneburg und Giesen durch die Corona-Krise?

von Christian Görtzen, NDR.de
Die Grizzleys Giesen in der (Volksbank-) Arena in Hildesheim bei einem Heimspiel. © TSV Giesen Foto: TSV Giesen
Die Grizzlys Giesen bei einem Heimspiel in Hildesheim - vor der Coronakrise.

Die vergangene Woche war keine gute für die Volleyball-Bundesliga der Männer und ihre Fans. Drei Tage nachdem der Tabellenletzte VC Eltmann Insolvenz hatte anmelden müssen, weil nach eigener Schilderung ein Großsponsor in der Corona-Krise nicht mehr seinen Leistungen in voller Höhe nachkommen wollte, erklärte auch der TV Rottenburg nach fast 20 Jahren in der Bundesliga seinen Rückzug - der Club habe den "Corona-K.o." erlitten, teilte er mit.

Letztere Meldung war für Andreas Bahlburg, Vorstandssprecher der Volleyball-Bundesliga (VBL) und Vorsitzender des Bundesligisten SVG Lüneburg, eine herbe Enttäuschung. "Dass der TV Rottenburg nun ohne Vorankündigung die Reißleine zieht, gefährdet auch andere Standorte und beschädigt die Solidarität innerhalb der Bundesliga." Daraus ergibt sich eine Frage: Wie sicher sind die norddeutschen Standorte der SVG Lüneburg und der Grizzlys Giesen?

SVG Lüneburg: Einnahmeverlust auf zwei Feldern

Andreas Bahlburg, Vereinsvorsitzender der SVG Lüneburg © NDR.de Foto: Hanno Bode
Der Vorsitzende Andreas Bahlburg bei einem Heimspiel der SVG Lüneburg.

"Die Saison ist sechs Wochen vor dem Ende abgebrochen worden. Dadurch gehen uns Einnahmen aus dem Ticketverkauf für die Play-off-Spiele verloren, womöglich auch aus Liveübertragungen im Fernsehen", sagte Bahlburg im Gespräch mit NDR.de. "Wenn dann wie Rottenburg die Ersten die Flinte ins Korn werfen, werden andere auch Schwierigkeiten haben." Es gehe ja darum, dass die Liga sich ihre Attraktivität erhalte. Schon in den vergangenen Jahren hatte die VBL Probleme gehabt, die angestrebten zwölf Plätze in der Eliteklasse mit Clubs zu besetzen. Aktuell sind es nur noch zehn Vereine.

Bahlburg: "Müssen Gürtel enger schnallen"

Die SVG Lüneburg werde auch in Zukunft diesem Kreis angehören, da ist sich Bahlburg sicher. "Wir kriegen das schon hin. Wir werden den Gürtel enger schnallen müssen, aber das ist allen klar."

Sieben Spieler besitzen Verträge auch für die Saison 2020/2021. "Fünf weitere brauchen wir dann noch", sagte er. Nach dem Saisonabbruch seien flugs Maßnahmen ergriffen worden, um die Einbußen zu mindern. Kurzarbeitergeld wurde beantragt, das Land Niedersachsen leistet eine Soforthilfe von 10.000 Euro.

"Wir werden in dieser Saison einen Verlust von 40.000 bis 45.000 Euro netto haben. Für Proficlubs aus anderen Sportarten mögen das Peanuts sein. Für uns, mit einem 600.000-Euro-Etat, ist das nicht ohne." Erleichtert ist Bahlburg darüber, dass der Bau der neuen Arena in Lüneburg so weit fortgeschritten ist, dass eine Fertigstellung nicht mehr ernsthaft infrage gestellt werden könne.

"Keine großen Sorgen" bei den Grizzlys Giesen

Anderer Standort, 122 Kilometer in südwestlicher Richtung von Lüneburg entfernt, - die gleichen Herausforderungen: Auch bei den Grizzlys Giesen dreht sich alles um eine Frage: Wie kommen wir so durch die Krise, dass der Verein nicht ernsthaft Schaden nimmt?

Und genau wie bei der SVG herrscht auch beim sportlichen Stolz der 9.000-Einwohner-Gemeinde aus dem Landkreis Hildesheim Zuversicht, dass man es schafft; irgendwie. "Nein, ich mache mir keine großen Sorgen, ob wir in der kommenden Saison in der Bundesliga starten werden oder nicht. Wir werden wohl keine großen Schwierigkeiten haben", sagte Sascha Kucera, Sportlicher Leiter und Geschäftsführer, NDR.de.

Erreichen der Play-offs ohnehin nicht im Etat

Der Abbruch der Bundesliga-Saison hat den Verein nicht allzu hart getroffen. Es ging nur ein Heimspiel, gegen Rottenburg, verloren. Der Verein habe für den 500.000-Euro-Etat, dem kleinsten Liga, so Kucera, nicht mit Erreichen der Play-offs kalkuliert. Die Finalrunde wurde auch verpasst. Ohnehin war es für Giesen schon ein großer Erfolg, dass der Klassenerhalt früh gesichert war. "So ist uns jetzt durch das nicht ausgetragene Heimspiel gegen Rottenburg ein Schaden von 15.000 Euro brutto entstanden", erklärte Kucera. Letztlich verkraftbar, selbst für einen solch kleinen Verein. Bei den Grizzlys schauen sie lieber nach vorn.

Kucera: "In jeder Krise liegt auch eine Chance"

Und da seien die Perspektiven nicht so schlecht. Etwa 90 Prozent der Sponsoren hätten dem TSV schon jetzt ihr Festhalten am Engagement versichert. Von zwölf Spielern für den Kader stünden neun schon fest. "Ich bin kein Freund von Untergangsszenarien. Es muss auch ein Leben nach Corona geben. Und in jeder Krise liegt auch eine Chance. Womöglich kühlt sich der Markt ab, und wir kommen günstiger an Spieler heran", sagte Kucera. Nur die Sache mit der Erhöhung des Etats auf 700.000 bis 800.000, um sich mal in Richtung Play-offs zu entwickeln - ob das gelingt, erscheint fraglich. Doch es wäre ein verkraftbarer Makel in diesen Zeiten, in denen viele Vereine um ihr Fortbestehen kämpfen müssen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 04.04.2020 | 23:03 Uhr

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