Jubel bei Zuspieler Jan Röling von den Grizzlys Giesen © imago images / Marcel Lorenz

Volleyball: Es geht um viel, es geht um alles

Stand: 18.10.2020 10:36 Uhr

Mit lediglich noch elf Clubs - darunter zwei Nordteams - ist die Volleyball-Bundesliga am Wochenende in die neue Saison gestartet. Die Corona-Pandemie macht den Vereinen schwer zu schaffen.

Als die Bundesliga-Volleyballer der Grizzlys Giesen am 3. Oktober den Ligarivalen SVG Lüneburg zum Testspiel in der heimischen Arena empfingen, waren viele Vertreter der anderen Erstligisten unter den zugelassenen 140 Zuschauern. Sie waren der Einladung des niedersächsischen Clubs gefolgt, sich persönlich von dessen Hygienekonzept zu überzeugen. Die Hildesheimer gelten diesbezüglich als Vorreiter in der Beletage und erhielten dann auch Lob von allen Seiten dafür. "Wir freuen uns, dass die anderen Clubs unser Angebot wahrgenommen haben. Wir haben nicht nur in dieser Hinsicht einen großen Zusammenhalt in der Liga. Ich denke, wir haben uns mittlerweile in der Liga den Ruf erarbeitet, dass wir akribisch und professionell arbeiten", sagte Geschäftsführer Sascha Kucera NDR Info.

Giesen geht verstärkt in dritte Serie in Folge

Der Verein aus der 9.000 Einwohner zählenden Stadt bestreitet seine dritte Bundesliga-Serie in Folge, in der er zum Auftakt beim 1:3 (21:25, 18:25, 25:17, 21:25) gegen den TSV Herrsching allerdings einen Rückschlag erlitt. Dennoch stehen die Vorzeichen für eine erfolgreiche Spielzeit gut. Dank seines Namensgebers - ein Hildesheimer Klinikum - haben die Giesener die Corona-bedingten Mindereinnahmen gut abfedern können. Während der TV Rottenburg und die Eltmann Volleys eine weitere Erstliga-Zugehörigkeit nicht mehr finanzieren konnten, waren die Niedersachsen sogar in der Lage, sich unter anderem mit dem österreichischen Nationalspieler Anton "menAir" Menner zu verstärken.

Grizzlys wollen "Spuren hinterlassen"

Die Ansprüche beim Tabellenzehnten der abgebrochenen Vorsaison sind daher gestiegen. "Wir wollen in der Liga in die Play-offs. Und im Pokal wäre das Halbfinale Vereinsrekord", erklärte Geschäftsführer Kucera, der mit den Grizzlys zudem erstmals in der Clubhistorie auf europäischer Bühne antreten wird. Im Challenge-Cup heißt der Auftaktgegner Benfica Lissabon. "Wir wollen auch international eine Duftmarke setzen und Spuren hinterlassen", kündigte der Giesener Manager an. Zugleich weiß Kucera, der gleichzeitig Geschäftsführer beim Hauptsponsor ist, mit Blick auf die Corona-Krise aber auch, "dass die Saison von heute auf morgen vorbei sein kann".

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Viktor Lindberg von der SVG Lüneburg © imago images / Marcel Lorenz Foto: Marcel Lorenz

Volleyballer vor extrem schwieriger Saison

Die Volleyball-Bundesliga steht vor der kompliziertesten Saison ihrer Historie. Die Vereine kämpfen vom Start weg gegen den drohenden Corona-K.o. extern

Clubs haben kaum Planungssicherheit

In dieselbe Kerbe schlägt auch Andreas Bahlburg, Geschäftsführer des Giesener Nordrivalen Lüneburg. "Wir fahren auf Sicht. Natürlich wabern die Sorgen im Kopf, dass wir speziell durch die Pandemie-Entwicklung in den letzten Wochen die Spieltage nur mit großer Flexibilität durchführen können. Wir können derzeit nur von Woche zu Woche planen", sagte Bahlburg NDR Info. Für die SVG begann die Saison mit der Auswärtspartie bei den United Volleys Frankfurt, die sie mit 3:1 (25:14, 24:26, 25:20, 25:23) gewann. Am kommenden Sonnabend (19 Uhr) steht dann das erste Heimspiel gegen den TV Bühl an. Stand jetzt dürfen die Niedersachsen 190 Zuschauer in die 800 Fans fassende Gellersenhalle in Reppenstedt lassen. Sollte sich das Infektionsgeschehen allerdings weiter verschärfen, drohen sogar Begegnungen vor leeren Rängen.

"Situation ist extrem angespannt"

Ein Schreckensszenario für eine Sportart, in der die Vereine viel stärker von Zuschauereinnahmen abhängig sind als beispielsweise im Fußball. "Die Situation ist extrem angespannt und kann existenzbedrohend werden. Die Clubs gehen nicht nur mit einem organisatorischen und finanziellen Mehraufwand - wie für die notwendigen, umfangreichen Hygienemaßnahmen - in die Saison, sondern auch mit der großen Unsicherheit, ob und wie ihre Spiele ausgetragen werden können", erklärte Michael Evers, Präsident der Volleyball-Bundesliga (VBL).

Erste Partien der neuen Serie mussten nach Corona-Fällen bereits verlegt werden, die innerdeutschen Reisebeschränkungen könnten sich ebenfalls als erhebliche Schwierigkeit herausstellen. "Wir werden uns wohl auf einige Unwägbarkeiten einstellen müssen", sagte SVG-Coach Stefan Hübner.

Lüneburg vollzieht personellen Umbruch

Auch aus sportlichen Gesichtspunkten stehen die Niedersachsen vor einer ungewissen Spielzeit. Rang acht in der Abbruch-Saison war das schlechteste Ergebnis der Lüneburger Bundesliga-Zugehörigkeit. Der Kader erhielt daraufhin eine Blutauffrischung. Sechs neue Akteure wurden verpflichtet, was auch möglich war, weil Manager Bahlburg einen Etat von 610.000 Euro auf die Beine stellen konnte. Noch greifen nicht alle Automatismen bei der neu formierten Mannschaft, wie unter anderem die deutliche 0:3-Pleite im Test bei Giesen zeigte. Die Grizzlys sind drauf und dran, die SVG als Nummer eins im Norden abzulösen. Wenn sie denn in Pandemie-Zeiten tatsächlich eine Saison lang Gelegenheit dazu bekommen...

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Volleyball Tabelle © NDR.de/Screenshot

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 15.10.2020 | 11:25 Uhr

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