VIDEO: Boris Herrmann fleht erfolgreich um Wind (2 Min)

Vendée Globe: Herrmann Zweiter - Spannung bis zum Schluss

Stand: 21.01.2021 11:04 Uhr

Noch rund 2.200 Seemeilen trennen Weltumsegler Boris Herrmann bei der Vendée Globe vom Ziel. Der 39 Jahre alte Hamburger ist auf dem besten Weg, Segelgeschichte zu schreiben. Er darf sogar vom Sieg träumen.

Noch rund eine Woche, dann hat Boris Herrmann wieder festen Boden unter den Füßen. Der Skipper der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" liegt bei der Weltumseglung, die am 8. November im Start- und Zielhafen Les Sables-d'Olonne begann, als Zweiter hinter dem führenden Franzosen Charlie Dalin ("Apivia") weiterhin grandios im Rennen. Zumindest eine Podiumsplatzierung ist zum Greifen nah. Und auch der Sieg des ersten deutschen Teilnehmers an der härtesten Solo-Regatta des Segelsports ist drin - er wäre eine Sensation. Nie zuvor hat ein Nicht-Franzose die Vendée Globe gewinnen können. "Rang zwei fühlt sich gut an für die Moral, aber ich habe keine Festbuchung für einen Podiumsplatz. Der ist natürlich mein Traum, mein Ziel, aber keinesfalls sicher", sagte der 39-Jährige am Donnerstag.

So oder so bleibt es wohl spannend bis zum Schluss: Experten rechnen mit einer Ankunft schon am 27. Januar und einem packenden Finalthriller über die letzten Tage. NDR.de wird die Zielankunft der Vendèe Globe im Video-Livestream übertragen.

VIDEO: Birte Herrmann: "Boris geht über seine Grenzen" (4 Min)

Auch Zeitgutschriften werden entscheidend sein

Entscheidend werden für die vorderen Boote auch die Zeitgutschriften sein, die drei Skipper seit ihrem Engagement bei der Rettungsmission für Kevin Escoffier Anfang Dezember im Südatlantik erhalten haben. Wie sie sich in der Endabrechnung konkret niederschlagen, wird sich erst nach den Zieldurchfahrten genau ermitteln lassen. Der Franzose Jean Le Cam, derzeit Achter, hatte seinerzeit eine Gutschrift von 16 Stunden und 15 Minuten erhalten, sein Landsmann Yannick Bestaven (Platz sechs) zehn Stunden und 15 Minuten. Herrmann darf sechs Stunden von seiner Gesamtsegelzeit abziehen.

Ehe es zum stürmischen Finale in der Biskaya kommt, müssen die Teams noch die flauen Winde des Azorenhochs überwinden. "Es wird die unglaublichste Woche aller Vendée-Globe-Finals. Alle sechs oder sieben Boote können dicht zusammenkommen", sagte Herrmann.

"Jetzt Bruch zu erleben würde sich für mich so viel tragischer anfühlen als zu jeder Zeit vorher. Mit jedem Tag, der uns dem Ziel näher bringt, verschmelzen die positive Aufregung und diese latente paranoide Angst zu einem neuen Mix." Boris Herrmann

24 Stunden Sturm: Joschke fast gekentert

Unterdessen ist die deutsch-französische Weltumseglerin Isabelle Joschke nach ihrem Aus bei der Vendée Globe auf ihrem Weg zur brasilianischen Küste womöglich knapp einem Unglück entkommen. In einem heftigen Sturm mit bis zu sechs Meter hohen Wellen kämpfte sie 24 Stunden um ihre Jacht "MACSF". "Der Mast lag schon im Wasser. Ich hatte ziemlich Angst, dass mein Boot ganz kentert. Ich war sicher, gleich ist es so weit. Ich bin auch gestürzt. Es war ziemlich gefährlich", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Ihr Boot habe bis zu 120 Grad Neigung gehabt: "Hoffen, dass es nicht untergeht, das ist mehr oder weniger alles, was man machen kann."

"Ich muss mich und das Boot in Sicherheit bringen"

Die in München geborene Skipperin hatte bei der Vendée Globe in der Nacht zum 10. Januar, auf Platz elf liegend, aufgegeben. Der zuvor notdürftig reparierte Haupthydraulikzylinder an der Kielfinne ihrer Jacht war bei schweren Sturmböen im Südatlantik erneut gebrochen. Da hatte sie etwa drei Viertel der Strecke geschafft. Seitdem versucht sie, mit ihrem beschädigten Boot nach Brasilien zu gelangen. "Ich segle mit acht, zehn Knoten, und ich hoffe, in ein, zwei Wochen Brasilien zu erreichen, den Hafen von Salvador", sagte Joschke. Wann sie ankomme, sei nicht wichtig. "Ich muss mich und das Boot in Sicherheit bringen. Zur Zeit ist es ja auch nicht einfach, an Land zu leben. Und wenn ich zurückkomme, werde ich vielleicht denken: Wie gut war's auf dem Meer!"

Weitere Informationen
Boris Herrmann

Boris Herrmann: Raus aus der Flaute, rein in die Spitzengruppe

Der Solo-Weltumsegler aus Hamburg hat erfolgreich um Wind gefleht und ist bei der Vendée Globe nun ganz weit vorn dabei. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 24.01.2021 | 22:50 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Kiel Alexander Mühling (Holstein Kiel) trifft per Elfmeter zum 1:0 und jubelt mit Jae-sung Lee (Holstein Kiel). © IMAGO / Nordphoto Foto: nordphotox/xRauch

Halbfinale! Holstein Kiel siegt bei Favoritenschreck Essen

Die "Störche" setzten sich souverän beim Viertligisten durch und stehen im DFB-Pokal erstmals in der Runde der letzten Vier. mehr