Boris Herrmann

Vendée Globe: Herrmann Dritter - Zielankunft heute Abend live

Stand: 27.01.2021 09:46 Uhr

Nach fast drei Monaten auf hoher See kommt Weltumsegler Boris Herrmann aus Hamburg wohl heute Abend ins Ziel. Als strahlender Sieger der Vendée Globe? NDR.de wird die Zielankunft im Video-Livestream übertragen.

Der 39-Jährige liegt im Schlussspurt aussichtsreich im Rennen. Am Mittwochmorgen lag der gebürtige Oldenburger mit seiner Yacht "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" auf Rang drei. Es führt weiterhin der Franzose Charlie Dalin ("Apivia") vor Louis Burton (Bureau Vallée 2). Allerdings werden Herrmann nach der Zieldurchfahrt - anders als bei den beiden Franzosen - noch sechs Stunden gutgeschrieben, weil er an der Rettungsaktion von Kevin Excoffier beteiligt gewesen ist.

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Die Seaexplorer von Segler Boris Herrmann auf hoher See © Jean-Marie LIOT / Malizia

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Seit 1989 haben bei der Vendée Globe, die unter Seglern mit der "Besteigung des Mount Everest zur See" verglichen wird, nur Franzosen gewonnen. "Herrmann, der finale deutsche Coup", titelte die französische Tageszeitung "Libération" am Vortag der Entscheidung.

"Ich bin im Schwarz-Weiß-Modus, schwanke dazwischen, mich selbst unter Druck zu setzen und es zu genießen." Boris Herrmann

"Die letzten 20 oder 18 Stunden sind entscheidend"

Als einer der härtesten Konkurrenten um den Sieg gilt der derzeit fünftplatzierte Yannick Bestaven (Frankreich, "Maitre Coq IV"), dem aus der Excoffier-Rettung noch 10:15 Stunden gutgeschrieben werden. "Die Zeitgutschrift von über 10 Stunden ist natürlich enorm. Wenn wir mit 20 Knoten segeln, sind es 80 Seemeilen in vier Stunden. Also kann Yannick 80 Meilen hinter mir sein und mich trotzdem schlagen", so Herrmann.

Bei gut 400 verbliebenen Seemeilen wird das Rennen in seiner Endphase immer mehr zum Thriller. Der gebürtige Oldenburger und Co. fahren unterschiedliche Strategien und nutzen verschiedene Winde. "Es kann noch viel passieren, spannender geht es nicht", sagte der 39-Jährige: "Die letzten 20 oder 18 Stunden sind entscheidend. Es wird ein reines Speed Race auf einer 450 Meilen langen Zielgeraden." Die Rennleitung hat inzwischen die Ziellinie von 0,3 auf 1,9 Seemeilen verlängert, das ermöglicht einen gleichzeitigen Zieldurchgang mehrerer Boote.

Herrmann vom Segler zum Medienstar

Ob Triumph, Podest-Platz oder im ungünstigsten Fall nichts davon, der Hamburger darf sich bei seiner ersten Vendée-Globe-Teilnahme schon jetzt als Sieger fühlen. "Boris Herrmann ist ein Glücksfall für den deutschen Segelsport. Er verknüpft die eigenen Ziele mit einer Verantwortung für nachfolgende Generationen und die Umwelt. Das und seine kommunikative Art machen ihn neben dem Erfolg sehr sympathisch", sagte Mona Küppers, Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes.

"Boris Herrmann ist ein Glücksfall für den deutschen Segelsport." DSV-Präsidentin Mona Küppers

Hinzu kommt eine ungeahnte Medienpräsenz. Skiff-Europameisterin Susann Beucke sprach sogar schon davon, Herrmann habe "Segeln zum Mainstream in einem Land gemacht, in dem das abendliche Fernsehprogramm sonst nur aus Fußball besteht". Neben dem NDR, anderen ARD-Sendern und dem ZDF berichten auch weitere Sender zu Hauptsendezeiten.

Herrmann hat von Bord tiefe Einblicke in das Leben auf See gegeben. Auch in dunklen Stunden wie beim Großsegelriss im Sturm vor Kap Hoorn ließ er den Strom packender Bilder, Videos und Interviews nie abreißen. "Es ist medial das Beste, was dem deutschen Segeln seit langer Zeit passiert ist", sagte der dreimalige Olympiasieger und zweimalige America's-Cup-Gewinner Jochen Schümann.

Kampf gegen die Klimakrise auf die Fahnen geschrieben

Parallel nutzt der Vater einer sieben Monate alten Tochter, der 2019 die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg an der Seite seines Freundes und Co-Skippers Pierre Casiraghi über den Atlantik segelte, den Meeres-Marathon zur Motivation und Inspiration seiner Fans im Kampf gegen die Klimakrise und für die Gesundheit der Meere. "Wir haben viele unserer Ziele schon vor dem Finale erreicht. Darüber bin ich glücklich", sagte Herrmann.

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Weltumsegler Boris Herrmann © picture alliance/dpa/Team-Malizia.com Foto: Boris Herrmann

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Kehrt Herrmann als Sieger zu Frau und Tochter zurück?

Immer mehr steigt nun auch die Vorfreude, endlich nach Hause zu kommen. Auf seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann und "das Wiedersehen mit unserer Tochter Malou und unserem Familienhund Lilli freue ich mich am meisten", sagte der 39-Jährige, der wenige Tage nach seiner Ankunft die Reise in die heimische Hamburger HafenCity antreten will.

Doch erst steht noch die Entscheidung im Segelkrimi an, die wahrscheinlich heute Abend fallen wird. Mit einem Sieg nach 80 Tagen um die Welt könnte der studierte Betriebswissenschaftler ein weiteres Kapitel Segelsport-Geschichte schreiben. Nach mehr als 27.000 gesegelten Meilen ist der Triumph zum Greifen nah.

VIDEO: Vendée Globe: Birte Herrmann - "Boris geht über seine Grenzen" (4 Min)

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 24.01.2021 | 22:50 Uhr

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