Tennis-Olympiasieger Alexander Zverev beim ATP-Turnier in Cincinnati © IMAGO / Icon SMI

US Open: Alexander Zverev nah wie nie am ersten Grand-Slam-Titel?

Stand: 29.08.2021 10:46 Uhr

Tennisprofi Alexander Zverev will bei den US Open seinen ersten Grand-Slam-Titel gewinnen - und die Zeichen stehen gut. Viele Topstars fehlen und der Olympiasieger strotzt vor Selbstvertrauen. Für Boris Becker ist er erster Herausforderer von Novak Djokovic.

von Andreas Bellinger

Wenn nicht jetzt - wann dann? Ein Jahr nach der "bittersten Niederlage seiner Karriere" sind die Erwartungen der Experten, aber auch von Zverev selbst riesengroß, in Flushing Meadows (30. August bis 12. September) den ersten Grand-Slam-Titel endlich perfekt zu machen. Der Olympiasieger hegt nach seinem goldenen Triumph von Tokio und der prompten Erfolgsbestätigung beim Masters-Turnier in Cincinnati kaum Selbstzweifel. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Deutschlands derzeit bester Tennisspieler scheint erwachsen geworden zu sein.

Statt bisweilen schnöselig, aufbrausend und zur Selbstüberschätzung neigend, gibt sich der gebürtige Hamburger auf dem Court souveräner, fokussierter - und neben dem Platz nicht minder locker und zumeist kontrollierter.

Weitere Informationen
Der deutsche Tennisspieler Alexander Zverev strahlend mit seiner Goldmedaille. © picture alliance / dpa Foto: Jan Woitas

Olympiasieger! Zverev holt Gold und schreibt Tennis-Geschichte

Der Hamburger ließ Karen Chatschanow im Finale nicht den Hauch einer Chance und krönte sich zum ersten deutschen Olympiasieger im Herren-Einzel. mehr

Thiem, Nadal und Federer müssen passen

Der Stachel der unglücklichen Finalniederlage vor Jahresfrist im Arthur-Ashe-Stadium gegen Dominic Thiem, den er bei dessen erstem Major-Titel fast schon bezwungen glaubte, sitzt noch immer tief. Eine Revanche wird es im Big Apple nicht geben. Der Österreicher hat seine Saison verletzungsbedingt ebenso beendet wie der Spanier Rafael Nadal und der Schweizer Roger Federer, die es zusammen auf zehn Siege bei dem letzten der vier Grand-Slam-Events des Jahres gebracht haben. Die Chancen für Zverev könnten größer kaum sein. Oder wächst nur mehr die Gefahr, die Konkurrenz zu unterschätzen?

Beckers Favorit ist Djokovic: "Dann aber kommt Sascha"

"Er ist imstande, bei den US Open ganz Großes zu erreichen", ist Boris Becker überzeugt. Topfavorit im Titelrennen ist für den 53-Jährigen, der in New York wieder als TV-Kommentator unterwegs ist, noch immer sein früherer Schützling Novak Djokovic. "Dann aber kommt Sascha", so Becker. Wie im Halbfinale bei Olympia werde der Serbe den Weltranglisten-Vierten sicher nicht noch einmal unterschätzen. "So eine Niederlage tut schon weh, das hat ihn mehr als gewurmt", sagt der sechsmalige Grand-Slam-Sieger, der 1989 in Flushing Meadows erfolgreich war.

Matteo Berrettini, Stefanos Tsitsipas, Andrej Rublew, Daniil Medwedew oder Jannik Sinner nennt er als Außenseiter, die den Generationenwechsel wie Zverev weiter vorantreiben werden.

Djokovic greift nach dem Grand Slam

Der deutsche Tennis-Spieler Alexander Zverev (r.) jubelt üben den Einzug ins Finale, während der Serbe Novak Djokovic ihm im Arm liegend gratuliert. © dpa-Bildfunk Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Im Olympia-Halbfinale bezwang Alexander Zverev (r.) den Weltranglistenersten Novak Djokovic.

"Ich denke, dass Novak unglaubliches Tennis spielen wird", sagt Zverev. Dennoch wird er den Blick sicherlich schon - wenn auch heimlich - gen Halbfinale geworfen haben. Dort könnte er gegen Djokovic abermals die wohl härteste Nuss zu knacken haben. Schließlich will sich der Serbe nicht nur für die Schmach von Tokio schadlos halten, sondern auch den möglicherweise größten Stolperstein auf dem Weg zum Grand Slam wegräumen.

Nach den Siegen in Melbourne, Paris und Wimbledon könnte er als erster Tennisspieler seit dem Australier Rod Laver 1969 binnen eines Jahres alle vier großen Titel gewinnen. Eine Herausforderung, an der selbst Tennis-Größen wie Federer, Nadal oder auch Pete Sampras und Andre Agassi gescheitert sind.

Beste Phase der Karriere?

Für Zverev spricht, dass er inzwischen zu wissen scheint, wie es geht mit Siegen gegen die Nummer eins der Tennis-Welt. "Und er weiß im tiefsten Inneren", so Becker, "dass er auf dem vielleicht besten Lauf in seiner Karriere ist. Und warum soll dieser Lauf ausgerechnet in New York aufhören?" Es gibt sogar nicht wenige Experten, die glauben, momentan den besten Zverev aller Zeiten zu erleben. Das allerdings wäre schade, denn mit erst 24 Jahren sollte er noch viele bessere Tennis-Zeiten vor sich haben.

Zverev weist Vorwürfe von Ex-Freundin zurück

Zumal bei dem Tennisprofi im Privaten längst nicht alles zum Besten bestellt ist. Wenige Tage vor dem ersten Ballwechsel bei den US Open musste sich Zverev einmal mehr mit aus seiner Sicht haltlosen Vorwürfen seiner Ex-Freundin Olga Scharypowa über angebliche physische und psychische Gewalt befassen. "Die erhobenen Anschuldigungen sind verleumderisch und unwahr. Ich bestreite kategorisch, Olga missbraucht zu haben", so der 24-Jährige via Twitter.

Seine Anwälte hätten bereits eine einstweilige Verfügung "gegen die Quelle und den Autor" der neuerlichen Veröffentlichung erwirkt. Ein weiteres Statement wolle er zu diesem Thema vorerst nicht abgeben.

Tennischef Kohlmann: "Initialzündung mitnehmen"

Welchen Einfluss der private Ärger auf Zverevs Vorbereitung in New York hat, könnte schon das Erstrundenmatch gegen den erfahrenen Sam Querrey am Dienstag zeigen. Der 33 Jahre alte US-Amerikaner ist zwar nur die Nummer 77 der Weltrangliste und hat die bislang zwei Vergleiche gegen den Hamburger verloren, aber Auftaktmatches bieten bekanntlich immer Potenzial für Überraschungen. "Bleibt nur zu hoffen", so Michael Kohlmann, Head of Men's Tennis beim Deutschen Tennis Bund (DTB), "dass er die Initialzündung von Olympia mit zu den US Open nehmen kann." Wenn nicht jetzt - wann dann?

Weitere Informationen
Alexander Zverev mit dem Pokal für den Turniersieg in Cincinnati. © IMAGO / Icon SMI

Tennis: Überragender Zverev gewinnt Masters in Cincinnati

Der Olympiasieger ließ dem Russen Andrej Rublew im Finale keine Chance und unterstrich eine Woche vor dem Start der US Open seine Titelambitionen. mehr

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD, l-r), Tennis-Olympiasieger Alexander Zverev mit seiner Goldmedaille und Andy Grote (SPD), Innen- und Sportsenator in Hamburg, stehen vor einem kleinen Empfang im Rathaus. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Hamburg ehrt Olympiasieger Alexander Zverev

"Ein großartiges Vorbild": Der Tennis-Olympiasieger wurde erst im Hamburger Rathaus und dann bei seinem Heimatverein empfangen. mehr

Tennis-Olympiasieger Alexander Zverev bei seiner Rückkehr nach Deutschland © picture alliance/dpa Foto: Frank Rumpenhorst

Zverev bei Deutschland-Rückkehr feierlich empfangen

Der Tennis-Olympiasieger hat am Montag wieder heimischen Boden betreten. Seine Fans warteten bereits auf den Hamburger. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 30.08.2021 | 09:25 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Hanno Behrens von Hansa Rostock © imago images/Zink Foto: Daniel Marr

Bittere Niederlage für Hansa Rostock beim 1. FC Nürnberg

Die Norddeutschen präsentierten sich in Franken stark, kassierten am Ende aber die vierte Niederlage im siebten Zweitliga-Spiel. mehr