VIDEO: BBL: Hamburg Towers wollen hoch hinaus (6 Min)

Towers-Sportchef Willoughby: "Sind wirklich privilegiert"

Stand: 08.11.2020 17:15 Uhr

Marvin Willoughby von den Hamburg Towers ist froh, dass die Basketball-Bundesliga trotz Corona-Krise spielen darf. Seine Devise: Hygienevorgaben umsetzen und nicht darüber meckern - auch wenn die Fans fehlen.

von Andreas Bellinger

Es war fürwahr ein besonderer Tag - und nicht nur Willoughby wird diesen Sonntag so schnell nicht vergessen. Zum ersten Mal in der Basketball-Bundesliga (BBL) gewannen die Hamburg Towers ein Heimspiel. "Nach eineinhalb Jahren wieder einen Sieg in eigener Halle zu feiern, ist wirklich besonders", sagt Willoughby, aber die große Freude über den 78:75-Erfolg gegen Bamberg wollte sich beim Sportlichen Leiter der Hanseaten im Gespräch mit dem NDR nicht recht einstellen. "Es war eben auch das erste Mal vor null Zuschauern", so der 42-Jährige, der trotz allem froh war, dass die 55. BBL-Saison überhaupt starten durfte.

Hauptsache spielen

"Wir sind dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, unseren Job zu machen", sagt Willoughby. Er kennt die Ängste und Nöte derer, die in der Corona-Krise um ihre Existenz bangen. In Hamburg-Wilhelmsburg, der Heimstatt der Towers, hat sich der frühere Nationalspieler schon vor Jahren um benachteiligte Jugendliche gekümmert, im Verein "Sport ohne Grenzen" Sportsozialarbeit und Basketball-Camps angeboten und für sein soziales Engagement den Verdienstorden der Bundesrepublik bekommen. "Wir sind wirklich privilegiert, muss man sagen", so Willoughby.

Zweierlei Maß im Sport?

Und doch haben einige Protagonisten Zweifel ob der Umstände beim Spätstart in die Saison. Wie im Pokal wurden auf Geheiß der zuständigen Gesundheitsämter aufgrund etlicher nachgewiesener Coronavirus-Infektionen gleich drei Partien des ersten Bundesliga-Spieltags abgesagt.

Auch die Begegnung der Gießen 46ers gegen Weißenfels, was Gießens Sportdirektor Michael Koch einigermaßen erstaunlich fand: "Auch im Fußball gab es Corona-Fälle", so der Europameister von 1993 im Deutschlandfunk. "Die Mannschaft wurde dort nicht aus dem Verkehr gezogen, es wurde keine 14-tägige Quarantäne der Mannschaft vorgeschrieben."

Pläne für neue Halle in der Schublade

BBL-Geschäftsführer Stefan Holz will derweil nicht verstehen, dass die Liga ohne Zuschauer spielen muss. "Wir haben Konzepte entwickelt, sie getestet und ihnen wurde bescheinigt, dass sie exzellent seien. Und nun dürfen keine Zuschauer rein", sagt Holz der ARD-Sportschau. Ein Problem auch für die Towers. Vielleicht ganz gut in der gegenwärtigen Corona-Krise, dass deren Pläne für einen "Elbdome" noch in der Schublade liegen. 150 Millionen Euro soll die neue Halle für 8.000 Zuschauer kosten, in der die Basketballer und Handballer der Stadt spielen könnten. Zukunftsmusik.

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Tabelle und Basketballspieler © NDR

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Aktuell drückt den Towers der Schuh, weil die Zuschauer und damit Einnahmen fehlen. Der Etat ist zwar von fünf auf dreieinhalb Millionen Euro gestutzt worden, die Sorgen werden gleichwohl mit jedem Spiel vor leeren Rängen größer. Willoughby sieht es pragmatisch: "Es ist eine schwierige Situation für uns alle in Deutschland. Wir versuchen natürlich, das Beste daraus zu machen - in dem Sinne, dass wir uns vernünftig benehmen, dass wir alle möglichen Hygienevorgaben umsetzen und nicht darüber meckern, sondern es einfach tun."

Neun Neue und Calles als "Riesengewinn"

"Er ist die Figur, die für alles hier steht", sagt Towers-Hauptgesellschafter Tomislav Karajica. Willoughby habe die Weichen gestellt, "dass wir diese Saison wirklich mitspielen können in der Bundesliga". Neun Spieler sind im Sommer gekommen - und vor allem in Pedro Calles von Rasta Vechta ein neuer Headcoach Coach mit dem Prädikat "Trainer des Jahres 2019".

"Er ist ein Riesengewinn für uns", sagt Willoughby. Unwidersprochen im Verein ist es jedoch das Verdienst des Sportlichen Leiters ("Ich muss zugeben, letztes Jahr waren wir nicht immer bundesligatauglich"), dass der Aufsteiger des Vorjahres in der Bundesliga inzwischen offenbar "salonfähig" geworden ist. Und wie immer folgte Willoughby bei dieser Aufgabe seiner Devise: nicht meckern - einfach tun.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 08.11.2020 | 22:50 Uhr

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