Stand: 15.11.2019 11:25 Uhr

Towers-Profi Schaffartzik: Große Erfolge, bewegtes Leben

Heiko Schaffartzik © Hamburg Towers Foto: Dennis Fischer
Erfolgreich und eigen: Heiko Schaffartzik.

Er ist der erfolgreichste Basketballspieler, der jemals das Trikot der Hamburg Towers getragen hat: Heiko Schaffartzik. Der 35-Jährige hat mehr als 400 Bundesliga-Partien bestritten, 115 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft absolviert, Meisterschaften und Pokale gewonnen. Der Bundesliga-Aufsteiger holte ihn vor dieser Saison, um Verantwortung zu übernehmen und den Klassenerhalt zu sichern. Ein ambitioniertes Ziel, das aktuell noch weit weg ist: Nur eins der ersten sechs Spiele konnten die Towers gewinnen. Schaffartzik weiß, dass sich die junge Mannschaft in einem Entwicklungsprozess befindet. "Es hapert bei uns noch an fast allen Dingen. Man kann aber schon Verbesserungen sehen", sagte der Spielmacher.

Willoughby: Manche sehen ihn kritisch

"Heiko ist ein sehr erfahrener Spieler. Er bringt viel Energie in unsere Mannschaft und ist ein absoluter Schlüsselspieler", lobt Trainer Mike Taylor den Routinier, der allerdings nicht nur Führungsspieler und Leistungsträger ist, sondern auch eine polarisierende Persönlichkeit besitzt. So provoziert er gerne das gegnerische Publikum. "Er hat eine bewegte Karriere mit Hochs und Tiefs gehabt", meint Towers-Geschäftsführer und Sportdirektor Marvin Willoughby: "Manchmal kam er mit seiner Art sehr gut an. Es gibt aber auch Leute, die nicht gut auf ihn zu sprechen sind und ihn kritisch sehen."

Den Blutkrebs als Teenager besiegt

Schaffartziks Leben glich häufig einer Achterbahnfahrt. Mit 13 Jahren war er an Leukämie erkrankt und musste für einige Zeit mit dem Basketball pausieren. Er besiegte den Blutkrebs und wurde einer der besten Spieler des Landes. Mit Alba Berlin und Bayern München holte er Meistertitel und Pokal. Frei von Skandalen war seine Karriere nicht. Im Dezember 2015, als er in Frankreich spielte, irrte er nach einer Niederlage alkoholisiert in der falschen Etage seines Mietshauses herum und legte sich in der Wohnung eines Paares schlafen, das die Haustür nicht abgesperrt hatte. Am nächsten Morgen entdeckte das Pärchen den auf dem Sofa schlafenden Schaffartzik und rief die Polizei. "Was ich getan habe, ist wirklich nicht gut", entschuldigt sich der Profi.

Willenskraft in die richtigen Bahnen lenken

Eigentlich hatte der gebürtige Berliner geplant, in der spanischen ACB, der vielleicht besten nationalen Liga Europas, seine Karriere zu beenden. Im Sommer 2018 hatte er bereits einen Vertrag bei Basket Saragossa unterschrieben, zog sich aber in der Vorbereitung darauf eine schwere Knieverletzung zu. Weil er keine Lust auf Reha hatte, machte er ein Jahr Pause. "Ich wollte herausfinden, wer ich überhaupt bin, wenn ich kein Basketballprofi bin", sagte er.

Nach einem Jahr Auszeit entschloss er sich zur Rückkehr in den Basketball und unterschrieb bei den Towers einen Einjahresvertrag. An seinen sportlichen Qualitäten bestehen laut Willoughby trotz der einjährigen Auszeit keine Zweifel: "Er hat viel Talent und ist ein guter Werfer, aber was ihn vor allem auszeichnet, ist seine Willenskraft. Wenn er das in die richtige Richtung lenkt, ist er der Anführer, der Leute dazu bringt, sich aufzuopfern."

Dieses Thema im Programm:

Sportreport | 17.11.2019 | 18:00 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Gøran Søgard Johannessen (l.) von der SG Flensburg-Handewitt im Champions-League-Spiel gegen  Elverum HH beim Wurf © imago images / Beautiful Sports

Flensburg-Handewitt müht sich zum Sieg gegen Elverum

Flensburgs Handballer haben in der Champions League Außenseiter Elverum geschlagen. Die SG tat sich allerdings schwer. mehr

Jeffrey Boomhouwer vom Bergischen HC wirft auf das Tor der TSV Hannover-Burgdorf, in dem Urban Lesjak staht. © imago images/Joachim Sielski Foto: Joachim Sielski

TSV Hannover-Burgdorf verschenkt den Sieg

Die "Recken" haben im Bundesligaspiel gegen den Bergischen HC in 74 Sekunden eine Drei-Tore-Führung verspielt. mehr

Daniel Meyer von Eintracht Braunschweig © imago images/Hübner Foto: Michael Tager

Trainer Meyer: "Fußball macht in Corona-Zeiten nur bedingt Spaß"

Fußball zwischen Corona, Entfremdung von den Fans und dem sportlichen Überleben. Braunschweig-Trainer Daniel Meyer im Interview. mehr

Mike Frantz von Hannover 96 © imago images/Joachim Sielski

Mike Frantz - Antreiber und Wegweiser von Hannover 96

Der erfahrene Mittelfeldmann soll die "Roten" zum Aufstieg führen - auf seine eigene, besondere Art und Weise. mehr