Tennisspielerin Andrea Petkovic © picture alliance/dpa

Tennis: Petkovic und Co schlagen in Hamburg auf

Stand: 07.07.2021 07:46 Uhr

Lange wurde für das Comeback gekämpft, nun ist es soweit: Vom 7. bis 11. Juli schlagen die Tennis-Damen erstmals seit fast zwei Jahrzehnten wieder am Hamburger Rothenbaum auf. Mit dabei: Andrea Petkovic und Mona Barthel.

von Tom Gerntke

Obwohl das WTA-Sandplatz-Event der 250er-Kategorie parallel zur zweiten Woche des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon stattfindet, kann sich das Starterfeld sehen lassen. Neben der Weltranglisten-38. Dajana Jastremska (Ukraine) und Danielle Collins (USA), Australian-Open-Halbfinalistin 2019, dürfen sich die Tennisfans vor allem auf Andrea Petkovic freuen. Die ehemalige Top-Ten-Spielerin erhielt eine Wildcard und fungiert gleichzeitig als Turnierbotschafterin: "Ich möchte das Tennis in Deutschland und in Hamburg stärken", sagte die Darmstädterin. "Das Wort in die Welt hinaustragen, dass jetzt Frauen und Männer hier sind."

Bis zu 3.500 Zuschauer dürfen pro Tag auf den Center Court. Insgesamt stehen sechs deutsche Spielerinnen im Hauptfeld. Petkovic trifft in Runde eins der mit rund 200.000 Euro dotierten Sandplatz-Veranstaltung im deutschen Duell auf Anna-Lena Friedsam (Neuwied), Mona Barthel (Neumünster) auf die Slowakin Katarina Kucova, die als Luckey Loser durch die Qualifikation gekommen ist. Lokalmatadorin Tamara Korpatsch bekommt es mit der Qualifikatin Mandy Minella aus Luxemburg zu tun. Nachwuchshoffnung Jule Niemeier (Dortmund) spielt gegen die Französin Caroline Garcia. Ebenfalls durch die Qualifikation ins Hauptfeld gespielt hat sich Anna Zaja. Die 30-Jährige aus Sigmaringen tritt gegen die Bulgarin Wiktorija Tomowa an, Nummer 105 der Weltrangliste.

Damentennis in Hamburg: Eine Beziehung mit Vorgeschichte

"Hamburg hat jetzt wieder ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Tennislandschaft", hatte Turnierdirektorin Sandra Reichel nach dem Bekanntwerden der Neuauflage gejubelt. Sie ist fest davon überzeugt, dass die Besetzung in den kommenden Jahren mit noch mehr Top-Spielerinnen gespickt sein wird: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass Hamburg ein toller Standort ist für noch mehr. Sie können versichert sein, dass wir im Hintergrund schwer daran arbeiten."

Einst war das Event mit Spielerinnen wie Cilly Aussem, Hilde Krahwinkel-Sperling oder Steffi Graf ebenso legendär wie das Herrenturnier. Besonders für Steffi Graf war der Rothenbaum ein gutes Terrain: Bis heute ist sie Rekordsiegerin in Hamburg - sechsmal in Folge holte sie den Titel.

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Seles-Attentat erschüttert die Tenniswelt

Das wohl dunkelste Kapitel der langen Turniergeschichte ereignete sich am 30. April 1993: Während eines Seitenwechsels stieß ein verwirrter Steffi-Graf-Verehrer der damals 19 Jahre alten Monica Seles ein Küchenmesser in den Rücken. Die Serbin überlebte, doch das Trauma blieb. Die damalige Weltranglistenerste fand nach dem Attentat nie mehr zurück zu alter Form und kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück.

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Von Hamburg nach Philadelphia und später wieder zurück

Das vorerst letzte Damen-Finale entschied 2002 Kim Clijsters für sich. Die Belgierin besiegte die zweimalige Rothenbaum-Gewinnerin Venus Williams (USA). Danach war Schluss: Der damals fast bankrotte Deutsche Tennis Bund (DTB) verkaufte die Turnierlizenz für 4,5 Millionen Dollar nach Philadelphia in die USA. Sandra Reichel, seit 2019 Turnierdirektorin, bemühte sich mit Erfolg um die Rückkehr des Damen-Turniers und übernahm mit ihrem Vater Peter-Michael Reichel die Lizenz eines bisher in Lettland ausgetragenen Events.

Herren-Turnier im Anschluss

Unmittelbar an das 250er-Turnier der Damen schließt sich ab Montag das ATP-Event der Herren an (12. bis 18. Juli). Zugesagt hat French-Open-Finalist Stefanos Tsitsipas. Der Weltranglistenvierte aus Griechenland erhält vom Veranstalter eine Wildcard. Zuvor hatte US-Open-Gewinner Dominic Thiem seinen Start bei den Hamburg European Open wegen einer Handgelenksverletzung abgesagt.

VIDEO: Tennis: Bewegte Historie des Hamburger Damen-Turniers (2 Min)

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 07.07.2021 | 16:25 Uhr

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