Stand: 11.01.2019 13:38 Uhr

Australian Open: Görges' Fokus liegt auf Görges

von Matthias Heidrich, NDR.de
Julia Görges beim Aufschlag: "Eine meiner großen Waffen."

Der oft zitierte Fokus ist bei Spitzensportlern etwas ganz Wichtiges. Im "Kopf-Sport" Tennis vielleicht noch mehr als in anderen Sportarten. Julia Görges ist ein gutes Beispiel dafür. Das Potenzial der Bad Oldesloerin war immer da. Doch konstant in der Weltspitze ist die 30-Jährige erst unterwegs, seitdem sie ihren Fokus vor ungefähr drei Jahren neu ausgerichtet hat.

Im November 2015 verließ Görges den Norden, ging von Hannover nach Regensburg und veränderte auch ihr Team um sie herum. Sie trennte sich von Coach Sascha Nensel und holte sich Michael Geserer ins "Team Jule", als Trainer und Manager. Hinzu kam auch Physiotherapeut Florian Zitzelsberger. "Ich wusste, dass ich ein Risiko eingehe, wenn ich meine Komfortzone verlasse. Aber mit dem Wechsel habe ich mich geöffnet und mir die Chance gegeben, mich zu entwickeln", erklärte sie dem "Hamburger Abendblatt" jüngst.

Perfekter Start ins Jahr 2019

Und Görges entwickelte sich. Zu einer konstanten Top-20-Spielerin, die mittlerweile sieben WTA-Titel eingeheimst hat - den jüngsten Anfang dieses Jahres bei ihrer Titelverteidigung in Auckland - und bei den Montag beginnenden Australian Open zum erweiterten Favoritenkreis gezählt wird. Die Weltranglisten-14. ist in Melbourne an Position 14 gesetzt und trifft in der ersten Runde auf Danielle Collins (USA). Bereits im Achtelfinale könnte es zum Duell mit Deutschlands Nummer eins, Angelique Kerber aus Kiel, kommen. Für Görges ist das noch zu weit weg: "Ich schaue auf mein Match am Montag, nicht weiter. Das bringt mir nichts."

Die Runde der letzten 16 wäre, gemessen an den vergangenen drei Jahren, schon ein Erfolg beim ersten Grand Slam der Saison. Zuletzt kam Görges in Melbourne jeweils nicht über die zweite Runde hinaus.

Viel Arbeit am Aufschlag - "Eine meiner großen Waffen"

Dass die 30-Jährige bei den großen Turnieren sehr wohl Ausrufezeichen setzen kann, bewies sie 2018 in Wimbledon. Auf dem lange ungeliebten Rasen drang Görges bis ins Halbfinale vor, scheiterte erst an Serena Williams. Für die Norddeutsche war es "eine Bestätigung, dass man dort hingehört". Vor allem die viele Arbeit mit Geserer an ihrem Aufschlag zahlte sich auf dem schnellen Belag aus. "Ich kann jetzt noch mehr variieren. In wichtigen Momenten kann ich etwas ändern - und die Gegnerinnen wissen nicht, was passiert. Das ist eine meiner großen Waffen", sagte sie dem "Insideout Magazin".

Kindheitstraum Top Ten geht in Erfüllung

Kurz nach Wimbledon war es dann auch endlich so weit: Sie knackte die Top Ten, kletterte Ende August auf Rang neun der Welt. "Es war ein Kindheitstraum, dass ich die ersten Zehn der Weltrangliste erreiche. Es hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin", berichtete Görges im "Bayerischen Rundfunk". Der Weg soll auch noch ein bisschen weitergehen. Obwohl sie irgendwann einmal gesagt hat, mit 30 aufhören zu wollen. Dafür läuft es momentan aber einfach zu gut. "Ich will mehr, und ich kann mehr, das ist sicher."

"Es hat gedauert, bis ich kapiert habe, was eigentlich wichtig ist"

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Görges hat mit Regensburg eine zweite Heimat und mit ihrem Team offensichtlich den perfekten Background gefunden, um ihr Potenzial konstant auszuschöpfen. Sie ist fitter denn je und hat den Kopf frei, um sich auf ihr Spiel zu fokussieren. "Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich kapiert habe, was eigentlich wichtig ist. Michael hat mir sehr gut vermittelt, dass es nicht schlimm ist zu verlieren", so Görges. "Wir haben, anders als viele andere Sportler, jede Woche eine neue Chance, einen Titel zu gewinnen. Deshalb versuche ich, aus Niederlagen das Positive mitzunehmen, anstatt ständig an mir herumzumäkeln und mich davon herunterziehen zu lassen."

Görges lässt Fed Cup in Braunschweig aus

Dazu gehört auch, dass Görges weniger Doppel als früher spielt und ab und zu den Fed Cup auslässt. So wird die Bad Oldesloerin auch Anfang Februar in Braunschweig gegen Weißrussland nicht für Deutschland aufschlagen. Das teilte sie kurz vor den Australian Open mit. Direkt nach dem Fed Cup folgen die wichtigen WTA-Turniere in Doha und Dubai. Der Fokus, er liegt bei Görges zurzeit ganz klar auf Görges.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 14.01.2019 | 11:25 Uhr

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