Stand: 19.08.2019 09:56 Uhr

Supercup gibt Rückenwind für Basketball-WM

von Christian Jeß, NDR.de
Dennis Schröder (M.) führte die deutschen Basketballer zum Sieg beim Supercup in Hamburg.

Dennis Schröder hat am 15. September 2019 etwas zu feiern, so viel steht fest: seinen 26. Geburtstag. Im Idealfall erlebt der gebürtige Braunschweiger seinen Ehrentag sogar mit 18.000 Geburtstagsgästen auf dem Basketballcourt - beim WM-Finale in der Arena von Peking. Doch während sich dieses Szenario wohl nur die kühnsten Optimisten vorstellen können, ist dem Team von Bundestrainer Henrik Rödl, in dem der NBA-Star von den Oklahoma City Thunder und junge Familienvater eine Schlüsselrolle einnimmt, ein gutes Abschneiden bei den Titelkämpfen (ab 31. August) in Fernost durchaus zuzutrauen.

Hamburg feiert seine Helden - zu Recht

Das hat die Mannschaft am Wochenende beim traditionellen Supercup unterstrichen, den Deutschland erstmals seit vier Jahren wieder und zum fünften Mal insgesamt gewann. Nach einem Auftakterfolg über Ungarn (83:62) schlug sie mit Tschechien (87:68) und Polen (92:84) zwei Gegner, die ebenfalls zum Feld der 32 WM-Teilnehmer zählen. Gut 9.200 Zuschauer an den drei Tagen in Hamburg-Wilhelmsburg feierten ihre Lieblinge gebührend und zu Recht.

"Haben uns als Team zusammengerauft"

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Die Protagonisten wussten jedoch den Turniersieg und den erst spät erkämpften Sieg über Polen durchaus selbstkritisch einzuordnen: "Wir haben in der ersten Halbzeit schlecht gespielt, uns dann aber als Team zusammengerauft. Das war wichtig im Hinblick auf die WM", sagte NBA-Star Daniel Theis (Boston Celtics) im NDR Sportclub. Maximilian Kleber (Dallas Mavericks) urteilte: "Man hat gesehen, dass wir noch einige Baustellen haben. Aber es war wichtig fürs Selbstvertrauen, dass wir auch solche Spiele noch gewinnen können." Und der Bundestrainer bedankte sich gar bei seinem Gegenüber Mike Taylor, der in Personalunion auch Bundesliga-Aufsteiger Hamburg Towers coacht: "Ich bin froh, dass wir heute viele unangenehme Aufgaben gestellt bekommen haben", meinte Rödl, der den 22-jährigen Moritz Wagner (Washington Wizards) als vorletzten Spieler aus dem WM-Aufgebot gestrichen hatte.

Feste Strukturen und genügend Freiräume

Wie so oft in der Vergangenheit war Schröder auch gegen Polen die spielentscheidende Figur. 16 seiner insgesamt 33 Punkte erzielte der pfeilschnelle Guard im letzten Viertel, zeigte erneut, welch herausragender Instinkt- und Spaß-Basketballer er ist. Ob der Interimskapitän (für den angeschlagenen Robin Benzing) auch als geschickter Stratege taugt, wird sich bei der WM gegen stärkere Kontrahenten zeigen. Zusammen mit Theis, seinem alten Kumpel aus Braunschweiger Tagen, und Kleber muss er in engen Phasen Autorität und Souveränität unter den Körben ausstrahlen.

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Dennis Schröder (l.) und Daniel Theis sind seit gemeinsamen Tagen in Braunschweig miteinander befreundet.

Fest steht: Trotz dem Ende der Ära Nowitzki fuhr noch nie eine so starke und ausgeglichene Auswahlmannschaft des Deutschen Basketball-Bundes zu großen Titelkämpfen. Entstand früher beim Pausieren der Führungskräfte ein Bruch im Spiel, ist es heute höchstens noch ein kleiner Knacks. Viele Spieler sind mittlerweile international erfahren, nahezu jeder kann der Mannschaft individuell Entscheidendes geben. Dazu gelingt es dem 50-jährigen Rödl, selbst 1993 Europameister und 2002 WM-Dritter, eine leistungsfördernde Atmosphäre zu schaffen - mit festen Strukturen, aber auch genügend Freiräumen.

Noch drei Tests, dann wird's ernst

Nach zwei Tagen Erholung fliegt die Mannschaft am Mittwoch zur weiteren WM-Vorbereitung nach Japan. Drei Testspiele gegen Tunesien, Japan und Australien folgen noch, ehe am 1. September in Shenzhen zum WM-Auftakt mit Frankreich gleich der härteste Brocken in der Vorrunde wartet. Weitere Gegner in der Gruppe G sind die Außenseiter Dominikanische Republik (3. September) und Jordanien (5. September). Die zwei Gruppenbesten qualifizieren sich für die Zwischenrunde.

Ob Dennis Schröder am 15. September zum Feiern zumute sein wird? Die Antwort dürfte maßgeblich vom Abschneiden des deutschen Teams bei der Weltmeisterschaft abhängen.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 18.08.2019 | 22:50 Uhr