André Thieme mit Chakaria beim Pferdefestival 2021 in Redefin. © IMAGO / Stefan Lafrentz

Spätes Glück für Springreiter Thieme: Mit Chakaria zu Olympia?

Stand: 03.06.2021 10:07 Uhr

Als erster ostdeutscher Springreiter könnte der Mecklenburger André Thieme an Olympischen Spielen teilnehmen - dank der außergewöhnlichen Stute Chakaria. Am Sonntag will das Paar in St. Gallen weitere Pluspunkte sammeln.

Der Star ist das Pferd. Und es könnte Thieme zu einem späten Glück verhelfen: mit 46 Jahren zu den Olympischen Spielen nach Tokio, als erster Springreiter aus den ostdeutschen Bundesländern. "Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben ein Superstar-Pferd. Und es ist einfach so viel einfacher mit so einem Pferd", schwärmt Thieme von der elfjährigen Stute: "Sie ist schnell, gesund, eine Kämpferin, vorsichtig und umsichtig - ich weiß nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Sie ist einfach ein erstaunliches Pferd."

Olympia-Verschiebung war ein Segen für das Paar

Mit Blick auf Olympia profitieren die beiden von einem Umstand, der für andere Sportler ein Unglück war: die Verschiebung der Sommerspiele aufgrund der Coronavirus-Pandemie. Für ihn sei es "das größte Glück" gewesen, sagt Thieme. "2020 wäre für Chakaria zu früh gewesen, so konnte sie noch ein Jahr reifen und Erfahrungen sammeln. Jetzt steht sie in der Blüte ihrer Laufbahn."

"Sie ist schnell, gesund, eine Kämpferin, vorsichtig und umsichtig. Sie ist einfach ein erstaunliches Pferd." André Thieme über seine Stute Chakaria

Auf seiner diesjährigen Winter-/Frühjahrsturniertour in den USA, wo er sich seit mehr als 20 Jahren auf die Freiluftsaison vorbereitet, lieferte der Mann aus Plau am See mit Chakaria Ende März gleich den Beweis. Das Duo gewann in Ocala in Florida ein schweres Eine-Million-Dollar-Springen. "Als ich sie gesehen habe, habe ich gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Normalerweise bin ich eher ein Träumer, aber hier habe ich mal schnell reagiert, und es war genau die richtige Entscheidung", berichtet Thieme, wie er die Ausnahmestute kennenlernte. Nach ihrem ersten großen Auftritt bei einem Turnier habe es gleich viele Angebote gegeben, "denen wir aber widerstehen konnten".

Thieme gewann dreimal das Deutsche Derby

Der dreimalige Sieger des Deutschen Derbys in Hamburg hatte schon immer gute Pferde wie Contanga und Conthendrix. "Sie waren besser als andere. Aber wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass Chakaria noch einmal auf einem anderen Level ist", sagt Thieme. "Sie geht auch über Fünf-Sterne-Niveau mit Leichtigkeit und hat absolutes Superstar-Potenzial."

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Zur nationalen Elite der Springreiter gehört Thieme schon lange, den Sprung in eine EM- oder WM-Equipe hat er bislang aber noch nicht geschafft. Bei Bundestrainer Otto Becker steht er nun jedoch auf der Liste der möglichen Tokio-Fahrer ganz oben. "Er ist ein guter, positiver Typ, der auch weiß, was er will", sagt Becker. Thieme habe zwar noch kein Championat geritten, sei dennoch ein erfahrener Reiter. "Wir wissen, dass man ihn mitnehmen kann. Der steht seinen Mann."

Thieme und Chakaria im Perspektivkader

Bundestrainer Becker lobt die Konstanz von Thieme und der Stute. Das Paar gehört mittlerweile dem Perspektivkader an. "Jetzt wird es interessant zu sehen, wie er sich in den nächsten Wochen schlägt", meint Becker. Da wegen Corona und des Herpesvirus im Frühjahr viele Turniere in Europa nicht stattfinden können und konnten, sind die Bewährungsproben für die Reiter und die Sichtungsmöglichkeiten für Becker begrenzt.

Start beim Nationenpreis in St. Gallen

Am Wochenende ist Thieme beim CSIO in St. Gallen. Dort will ihn Becker mit Chakaria im Nationenpreis einsetzen. Mit einem guten Ergebnis kann Thieme Pluspunkte sammeln. "Mein großer Traum war immer bei Olympia zu reiten, und das ist er immer noch", sagt er. Als Deadline für die Olympia-Nominierung hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) den 5. Juli angegeben.

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Nordmagazin | 06.06.2021 | 19:30 Uhr

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