Wasserpfützen vor einem Tor auf dem mit Blättern bedeckten Spielfeld. © picture alliance / Norbert Schmidt Foto: Norbert Schmidt

Sportvereine kämpfen mit Mitgliederschwund

Stand: 24.11.2020 05:00 Uhr

Dennis Bluhm ist Geschäftsführer des Möllner SV, einem der größeren Sportvereine in Schleswig-Holstein. Er spricht über die Probleme durch die Corona-Krise und Forderungen der Vereine an die Adresse der Politik.

Die Corona-Pandemie setzt den Breitensportvereinen in Schleswig-Holstein massiv zu. Während sich die Austritte bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr noch in Grenzen hielten, beklagen viele Vereine nun einen Mitgliederschwund von durchschnittlich zehn bis elf Prozent. Neueintritte gab es hingegen kaum. Und wegen der ungewissen Lage rechnen die Vereine auch in den kommenden Monaten eher mit einem weiteren Mitgliederschwund.

Dennis Bluhm vom Möllner SV guckt in die Kamera. © Dennis Bluhm/MöllnerSV Foto: Dennis Bluhm/MöllnerSV
Dennis Bluhm vom Möllner SV sucht nach Wegen für die Sportvereine in der Corona-Pandemie.

NDR Schleswig-Holstein: Herr Bluhm, es sind schwierige Zeiten für die Sportvereine. 3.100 Mitglieder waren es beim Möllner SV vor der Krise. Aktuell sind es noch etwa 2.750. Wie gehen Sie in Ihrem Verein mit der aktuellen Situation um?

Dennis Bluhm: Das ist ein wenig vergleichbar mit dem ersten Lockdown. Das war schon ein Schock. Wie geht es weiter? Was können wir machen? Wir haben uns beim Möllner SV erstmal gesammelt und die Situation analysiert. Dann haben wir Methoden und unsere Online-Angebote entwickelt und uns einen eigenen Youtube-Kanal eingerichtet. Das gab es beim Möllner SV so vorher noch nicht. So haben unsere Mitglieder weiter Zugriff auf unsere Sportangebote. Für unsere älteren Mitglieder haben wir uns auch etwas ausgedacht, falls sie digital nicht ganz so bewandert sind. Unsere Trainer haben extra Trainingspläne entwickelt, die wir dann per Post verschickt oder auch direkt ausgeteilt haben. Das Wichtigste ist, mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben und nicht die Lust zu verlieren.

NDR Schleswig-Holstein: Am Mittwoch tagt die Kanzlerin wieder mit den Ministerpräsidenten der Länder. Was erhoffen Sie sich hinsichtlich der Sportvereine?

Dennis Bluhm: Wir erhoffen uns schon, dass wir vielleicht wieder die Möglichkeit bekommen, Sport mit zehn Personen durchzuführen, natürlich unter Einhaltung der entsprechenden Abstandsregeln und Hygieneauflagen. Das geben die Hallen auch her. Wir Sportvereine haben alle sehr gute Konzepte erstellt, die greifen können und wir sind uns sicher, dass wir auch unseren Beitrag leisten können, wenn wir vorsichtig an die Sache herangehen. Wir hoffen auch, dass ein bisschen individueller geschaut wird, wie die Zahlen sind, wie die Maßnahmen aussehen und was wir machen können.

NDR Schleswig-Holstein: Gibt es denn etwas, mit dem Sie in diesen Zeiten als Geschäftsführer eines Sportvereins zufrieden sind?

Dennis Bluhm: Ja, definitiv damit, dass bei uns der Reha-Sport weiter stattfinden konnte, auch wenn es leider nur für denjenigen erlaubt war, denen es medizinisch verordnet wurde. Auch das findet dann natürlich unter den entsprechenden Auflagen statt und wird von unseren Mitgliedern sehr gut angenommen.

NDR Schleswig-Holstein: Die Mitgliederzahlen schrumpfen auch bei Ihnen im Verein. Das heißt, Beitragszahler fehlen. Wie sieht es bei anderen Einnahmen aus?

Dennis Bluhm: Wir sind als Sportverein natürlich auf verschiedenen Ebenen aktiv. Zum Beispiel in der Kita, in Schulen und Senioreneinrichtungen. Da sind Kooperationen, die wir mit Betrieben geschlossen haben, die alle nicht stattfinden können, weil natürlich Kontaktbeschränkungen herrschen. Das sind alles externe Einnahmen, die ein Verein unserer Größe über Jahre aufbaut und auch davon profitiert. Das fällt aktuell alles weg. Es geht also nicht nur um fehlendes Geld, sondern auch das Teilhaben an den eben genannten Dingen. Ich persönlich finde zum Beispiel am schlimmsten, dass gerade die Kinder und Jugendlichen nicht zum Sport können oder auch Beschränkungen da sind. Nehmen wir zum Beispiel das Schwimmen. Hier in Mölln sind wir mit mehreren Schwimmhallen und - zumindest im Sommer - den Seen dafür prädestiniert, Schwimmuntericht zu geben. Der ist wichtig, kann aber gerade nicht stattfinden.

NDR Schleswig-Holstein: Was glauben Sie, wie sich die Situation für die Sportvereine entwickeln wird?

Dennis Bluhm: Das hängt natürlich vom Verlauf der Pandemie ab. Wird es einen positiven Verlauf geben und wird der Impfstoff kommen? Das würde mehr Kontaktmöglichkeiten für die Menschen bedeuten, es würde weniger Beschränkungen geben und man würde mehr und mehr zu einem Regelbetrieb zurückkommen können. Passiert das aber nicht, werden wir eher noch weitere Mitglieder verlieren. Davon gehe ich aus, weil es einfach einen Bereinigungsprozess geben wird. Viele Mitglieder werden dann müde, den andauernden Beschränkungen im Verein weiter zu folgen, was verständlich ist. Was aber auch wichtig ist: Wir können dann mit den Kindern und Familien nicht mehr richtig in Kontakt treten und sie somit nicht mehr am Vereinsleben teilhaben lassen. Man würde die Mitglieder wohl auch langfristig verlieren.

NDR Schleswig-Holstein: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die ehrenamtliche Arbeit im Verein aus?

Ich möchte positiv nach vorne schauen. Wir alle, auch im Verein, tun viel dafür, dass es nach vorn geht. Die Perspektive ist auch für das Ehrenamt im Sport immens wichtig. Denn ohne Ehrenamt geht es in größeren Vereinen kaum und auch da ist Lust-verlieren ein großes Thema. Insofern ist es für alle Sportvereine wichtig, dass die Politik uns Vereinen, den Mitgliedern und auch den Mitarbeitern eine langfristige Perspektive bietet, damit alle zusammen weiterhin die Lust behalten, an dem Projekt Sportverein weiter teilzuhaben.

Die Fragen stellte Lars Grüning, NDR Schleswig-Holstein

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.11.2020 | 08:00 Uhr

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