VIDEO: SSC Schwerin: Ein Schock - aber auch Zeit für Familie (3 Min)

Mein 2020: SSC Schwerin - Der Titeltraum platzte im Training

Stand: 27.12.2020 09:31 Uhr

Die Bundesliga-Volleyballerinnen des SSC Schwerin waren 2020 ganz nah dran am Gewinn der 13. deutschen Meisterschaft. Doch dann kam Corona - und alles ganz anders. Der Rückblick auf ein bewegtes Jahr.

von Christian Görtzen, Ben Wozny und Ole Zeisler

Der Abend des 12. März, an dem eine Nachricht für grenzenlose Enttäuschung sorgen sollte, verlief zunächst wie so viele andere zuvor. Das Team des zwölfmaligen deutschen Volleyball-Meisters SSC Schwerin schuftete an jenem Donnerstag in der Trainingshalle für die kommende Aufgabe in der Bundesliga. Das entscheidende Duell mit Titelverteidiger MTV Stuttgart stand bevor. Am Nachmittag hatte noch vieles darauf hingedeutet, dass trotz des sich ausbreitenden Corona-Virus am Sonnabend ein Geisterspiel würde stattfinden können.

Saison abgebrochen - ohne Meister

Doch gegen 21 Uhr teilte Teammanager Peter Niepagen Coach Felix Koslowski mit, er könne das Training beenden. Die Bundesliga-Saison war abgebrochen worden - ohne Meister. Koslowski war fassungslos: "Ich habe geantwortet, 'Guck mal, wie die Mannschaft hier gerade trainiert, wie sich die Spielerinnen zerreißen, um am Wochenende das Spiel zu gewinnen, um die Meisterschaft zu holen'", sagte er dem NDR. "Ich sagte, 'Gib mir 30 Minuten Zeit. Lass mich überlegen, wie ich das erklären, welche Worte ich finden kann.'" Er fand sie nur schwer.

Schwerin hätten zwei Sätze gereicht

Schließlich war die Lage am Nachmittag noch eine andere gewesen. Vertreter der Frauen-Bundesligisten hatten sich in einer Telefonkonferenz dafür ausgesprochen, den letzten Spieltag ohne Fans auszutragen und danach - ohne Play-offs - dem Ersten der Hauptrunde die Meisterschale zu überreichen. Schwerin war in der Pole-Position, belegte mit 50 Punkten und 55:15 Sätzen Rang eins. Stuttgart folgte mit 49 Zählern und 53:16 Sätzen direkt dahinter. Für die 13. deutsche Meisterschaft hätte schon zwei gewonnene Sätze gereicht.

Koslowski: "Natürlich total geschockt"

Als Koslowski die schlechte Nachricht überbrachte, "waren alle total geschockt. Wir mussten uns erst einmal irgendwie ordnen", erinnert sich der 36-Jährige, der in Personalunion auch das deutsche Nationalteam betreut. Plötzlich seien da lauter Fragen gewesen: "Was machen wir jetzt? Was passiert jetzt? Was bedeutet das für uns? Wir dürfen nicht mehr trainieren, wir dürfen nicht rausgehen - wann geht's weiter?" Antworten gab es zu diesem Zeitpunkt keine.

Es habe zwei, drei Wochen gedauert, sich mit der Situation abzufinden, so Koslowski. "Man realisiert, dass das alles ein bisschen schlimmer ist, als wir damals ahnten. Und konzentriert sich auf die wesentlichen Dinge. Freut sich darüber, Zeit für zu Hause zu haben, Zeit für die Familie."

Große Herausforderungen für Schwerin

Es folgte eine Zeit großer Herausforderungen, die Pandemie sorgte für einen drastischen Sparkurs. In Kimberly Drewniok und McKenzie Adams wechselten zwei Leistungsträgerinnen zu Top-Clubs in Italien, auch die US-amerikanische Nationalspielerin Justine Wong-Orantes verließ Schwerin nach nur einem Jahr wieder. Kapitänin Denise Hanke beendete ihre Karriere, Louisa Lippmann kehrte nach Schanghai zurück.

Team zweimal in Quarantäne

Das personell stark veränderte SSC-Team musste sich Anfang Dezember wegen positiver Corona-Fälle zum wiederholten Mal in Quarantäne begeben. Bei einem Routine-Test nach der Rückkehr vom Champions-League-Turnier in Italien hatte es fünf positive Ergebnisse gegeben. Das wirbelte nicht zuletzt den Spielplan durcheinander, die Partien beim Dresdner SC und gegen Stuttgart mussten verlegt werden. Schon der erste Positivtest Anfang November hatte für eine Verschiebung der Partie in Aachen gesorgt.

Triumph im Supercup

Zu den positiven Erlebnissen in diesem schwierigen Jahr zählen der erneute Triumph im Supercup und der Einzug ins DVV-Pokal-Endspiel, das am 28. Februar in Mannheim ausgetragen wird. Gegner ist der SC Potsdam. Vom Land Mecklenburg-Vorpommern erhielt der SSC Landeshilfen unter anderem für die Teilnahme an der Champions League. Und in der Bundesliga könnte sich für die Schwerinnerinnen, die sechs Siege in acht Spielen feierten, der Traum vom 13. deutschen Meistertitel in einigen Monaten doch noch erfüllen. Wenn auch mit Verspätung.

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