Stand: 27.09.2020 16:43 Uhr

Rublew-Triumph am Rothenbaum - Turnierchefin zufrieden

von Bettina Lenner, NDR.de

Andrej Rublew hat erstmals das ATP-Tennis-Turnier am Hamburger Rothenbaum gewonnen und damit eine gelungene Generalprobe für die French Open in Paris gefeiert. Der 22-jährige Russe, der im Vorjahr das Endspiel gegen den Georgier Nikolos Bassilaschwili in drei Sätzen verloren hatte, setzte sich am Sonntag in einem begeisternden Finale mit 6:4, 3:6, 7:5 gegen den an Nummer zwei gesetzten Griechen Stefanos Tsitsipas durch. "Es war ein enges Match. Ich hatte nichts zu verlieren, deshalb hatte ich es etwas leichter", sagte Rublew.

Rublew auf konstant hohem Niveau

Beide Spieler demonstrierten von Beginn an, dass sie den Sieg unbedingt wollten, und legten ein hohes Tempo an den Tag. Rublew spielte unter dem wie am Vortag geschlossenen Dach des Center Courts während der gesamten Begegnung auf konstant hohem Niveau, sah allerdings zwischendurch nicht unbedingt wie der Sieger aus. Beim Stand zum 5:4 schlug Tsitsipas zum Turniergewinn auf. Doch der Weltranglisten-Sechste, der streckenweise nicht konsequent genug agierte, vergab zu ungeduldig seine Chance. Rublew nutzte jede Schwäche seines Gegners aus, so auch in diesem Moment. Ein Doppelfehler von Tsitsipas nach 2:19 Stunden machte den dritten ATP-Titel in diesem Jahr für den Weltranglisten-14. perfekt.

Dank ans Hamburger Publikum

"Es ist schade für mich. Aber er ist ein großer Kämpfer und hat es verdient", sagte Tsitsipas bei der Siegerehrung und sorgte mit einer Ankündigung für Begeisterung auf den Rängen: "Ich bin traurig, dass ich den Titel nicht gewonnen habe. Aber ich freue mich schon aufs nächste Jahr, um es dann hoffentlich besser zu machen." Der 22-Jährige hatte sich bei seiner Rothenbaum-Premiere in die Herzen der Zuschauer gespielt und bedankte sich für die Unterstützung: "Wir hatten lange Zeit keine Zuschauer. Ich habe das sehr vermisst und es war großartig!" Auch Rublew lobte die Hamburger Tennis-Fans: "Schon im vergangenen Jahr war es immer voll, und jetzt sogar trotz der weltweit schwierigen Situation. Das bedeutet uns Spielern sehr viel und ich bin wirklich dankbar."

Turnierdirektorin Reichel zufrieden

Auch Turnierdirektorin Sandra Reichel war zufrieden mit dem Verlauf in Hamburg. "Wir alle gemeinsam haben damit gezeigt, dass es auch in dieser schweren Zeit möglich ist, große Veranstaltungen sicher durchzuführen", bilanzierte die Österreicherin: "Mit insgesamt über 12.000 Zuschauern und 1.200 Mitarbeitern und Akkreditierten haben wir das größte Turnier vor Fans seit der Corona-Pause durchgeführt." Sie sei "froh, dass wir uns getraut haben", so Reichel weiter: "Es war ein sehr spezielles Jahr. Die Verantwortung, ein Turnier in diesen Zeiten ausrichten zu dürfen, war eine ganz, ganz große Herausforderung."

Zuschauer zu Corona-Zeiten: "Ein Kraftakt"

Die mit 1,2 Millionen Euro dotierte Sandplatz-Veranstaltung sollte ursprünglich im Juli stattfinden und musste wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben werden. Erst vor fünf Wochen stand fest, dass das Turnier vor den an diesem Sonntag beginnenden French Open in Paris durchgeführt werden durfte. Hamburg war das erste große ATP-Turnier, bei dem an allen Tagen Zuschauer erlaubt waren. Dass vor allem anfangs die 2.300 zugelassenen Plätze in dem für zehn Millionen Euro sanierten und für 10.000 Besucher vorgesehenen Stadion nicht einmal annähernd besetzt waren, ist für Reichel kein Problem. "Gott sei Dank waren wir nicht sofort ausverkauft. Auch für uns war das am Anfang eine totale Umstellung. Man darf sich nicht vorstellen, dass das ein Turnier ist, das man normal organisiert", so die 49-Jährige. Die Gesundheit habe immer an erster Stelle gestanden. "Und man hat immer alles hinterfragt. Das war ein Kraftakt."

Hoffen auf Ergebnis "gegen die schwarze Null"

Ein wirtschaftliches Ergebnis ist noch nicht absehbar. "Wir werden das in drei, vier Wochen wissen", sagte Sandra Reichels Vater Peter-Michael Reichel, Chef der Veranstalterfirma: "Wir hoffen, dass wir noch gegen die schwarze Null kommen."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 27.09.2020 | 22:50 Uhr

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