Stand: 20.07.2017 15:26 Uhr

Rothenbaum: Haas ist fit, Nadal im Urlaub

von Andreas Bellinger, NDR.de
Bild vergrößern
Letzter Aufschlag am Rothenbaum: Tommy Haas beendet in diesem Jahr seine Karriere.

Alles werben war vergeblich: Auch Rafael Nadal hat keine Lust auf den Hamburger Rothenbaum. Obwohl der Mallorquiner früh in Wimbledon gescheitert ist, obwohl er bei einem Sieg in der Hansestadt die Aussicht auf Platz eins der Weltrangliste hätte, ließ der 31-Jährige Turnierdirektor Michael Stich wissen, dass er doch lieber Urlaub machen werde. Wie Nadal und die anderen großen Namen des weißen Sports macht auch Lokalmatador Alexander Zverev einen großen Bogen um den roten Sand der German Open (24. - 30. Juli) und ist vom Rasen in Wimbledon auf die Hartplätze in Nordamerika weitergezogen. Zeitgleich zu der einst bedeutendsten deutschen Tennis-Veranstaltung findet in Atlanta ein erstes Vorbereitungsturnier auf die US Open statt.

Nadal lässt Stich abblitzen

"Wir haben alles versucht, auch bei Stanislas Wawrinka. Aber der Schweizer musste verletzt passen", sagt Stich und lenkte den Blick sogleich auf Tommy Haas, der vor seinem Rücktritt "irgendwann in diesem Jahr" in seiner Geburtsstadt "Tschüs" sagen will. Gut gelaunt schlenderte der Wahl-Amerikaner am Donnerstag über die Anlage an der Hallerstraße, stieg die Stufen zum Centre Court hinauf und begutachtete den Platz, auf dem er zuletzt vor vier Jahren aufgeschlagen hat. "Ich habe als Kind am Rothenbaum meine Idole spielen sehen und bei meinem ersten Auftritt dort mit 19 Jahren den ersten großen Erfolg auf der ATP-Tour gefeiert“, sagt Haas. Nach dem Halbfinale 1997 folgte 2012 sogar der Einzug ins Endspiel der German Open.

Warmspielen mit dem Turnierchef

An einen Triumph als Hamburger Schlusspunkt seiner 20-jährigen Karriere mögen selbst eingefleischte Optimisten nicht denken. "Aber ich würde ihm schon wünschen, dass er ein paar Runden gewinnen kann", sagt Stich. Der erste Prüfstein für die Form des 39-Jährigen wird der Turnierchef höchstpersönlich sein. Ursprünglich stand nur ein spaßiges Match der Legenden am Sonntag (18 Uhr) zwischen Haas und dem neun Jahre älteren Stich auf dem Programm, der das bislang einzige (ernsthafte) Duell der beiden Hanseaten 1996 bei den US Open in vier Sätzen gewonnen hat. Neun Kilo hat der 48-Jährige nach eigenen Aussagen abgenommen - und reichlich trainiert. Stich: "Man kann wohl sagen, dass ich in den vergangenen Wochen mehr Tennis gespielt habe als in den letzten fünf Jahren zusammen."

Tommy Haas: Vom Wunderkind zur Weltklasse

Stich und der "Wimbledon-Sieger-Besieger"

Besondere Chancen rechnet sich der Turnierchef dennoch nicht aus. "Meine Aufgabe ist wohl mehr, Tommy warm zu spielen. Wenn er sich körperlich fit fühlt, stimmt auch seine Motivation." Die Hoffnung dahinter ist, dass Haas mit Lust und Laune den Sandplatzspezialisten Paroli bietet, denn "drauf hat er es immer noch", ist Stich überzeugt. "Es wäre doch prima, wenn hier noch mal der Knoten platzt." Zuletzt in Bastaad schied Haas wie in Wimbledon zwar in der ersten Runde aus, doch in Stuttgart musste sich sogar der 19-fache Grand-Slam-Sieger Roger Federer dem "Wimbledon-Sieger-Besieger" geschlagen geben.

Spanier Favoriten auf rotem Sand

"In der Spitze ist das Feld nicht so, wie wir es gerne hätten", sagt Stich selbstkritisch. Doch die Zuschauer sollen trotzdem auf ihre Kosten kommen. Dazu werden vor allem die Sandplatz-Helden aus Spanien beitragen, die allein 13 Mal den Sieger am Rothenbaum stellten. Pablo Carreno Busta (ATP 16), Albert Ramos-Vinolas (24) und Fernando Verdasco (39) sind drei von ihnen. Obwohl sie zuletzt mehr recht als schlecht gespielt haben, stehen naturgemäß auch die deutschen Spitzenkräfte Florian Mayer, Philipp Kohlschreiber und Jan-Lennard Struff im Fokus der Zuschauer.

"Bin nicht zufrieden"

"Ich bin nicht zufrieden", sagt Stich über das aktuelle Starterfeld. Er könnte damit auch die noch immer ungeklärte Zukunft des Rothenbaum-Turniers meinen. "Wir hoffen zumindest auf ein Signal vom Bundesausschuss des Deutschen Tennis Bundes." Der tagt in der nächsten Woche und könnte endlich Klarheit schaffen, was mit dem Rothenbaum nach 2018 passiert, wenn der Ausrichtervertrag mit Stich ausläuft. Die gelinde gesagt nicht optimale Besetzung auch in diesem Jahr (Stich: "Federer und Nadal waren Ausnahmen, weil sie früh in Wimbledon ausgeschieden waren."), dürfte keine Werbung sein. Stich ist trotzdem überzeugt, dass die vorgelegten Pläne fruchten und er das Rennen gegen die Konkurrenz macht: "Wir werden die junge Tennis-Generation abholen und künftig wieder ein starkes Feld präsentieren."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 20.07.2017 | 14:25 Uhr

Mehr Sport

00:26

Müller lehnt vorzeitige Verlängerung ab

29.07.2017 10:05 Uhr
NDR Fernsehen
03:26

Jeddeloh fiebert der Regionalliga entgegen

28.07.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen