Stand: 17.12.2018 09:55 Uhr

Rasta: Der "geilste Club der Welt" im Erfolgsrausch

von Andreas Bellinger, NDR.de

Nach zwei vergeblichen Versuchen will sich Aufsteiger Rasta Vechta in der Basketball-Bundesliga behaupten. Sechs Siege in der laufenden Saison lassen Optimisten sogar schon von den Play-offs träumen.

Die Gesichter wurden lang und länger im wieder einmal ausverkauften Rasta-Dome von Vechta. "Es ist schwierig, zufrieden zu sein, wenn man so knapp verliert", sagt der Trainer des Aufsteigers in die Basketball-Bundesliga, Pedro Calles. Natürlich war er ebenso enttäuscht wie die 3.142 Zuschauer und seine bravourös kämpfende Mannschaft, die alles versucht und die Überraschung beim 80:81 gegen Ulm zum Greifen nahe hatte. Doch wer in der Schlussphase einer Klassepartie fast drei Minuten lang den Korb nicht trifft (wie der deutsche Vizemeister von 2016 übrigens auch), kann den einen Punkt zur Verlängerung oder gar den möglichen Sieg nicht schaffen. "Heute hat es nicht gereicht, aber das ist Basketball", sagte Calles dem NDR Sportclub.

Mut wurde belohnt

Der Spanier ("Unser Ziel ist natürlich der Klassenerhalt") ist mit 35 Jahren jüngster Trainer der Liga. Er könnte zu einer der Schlüsselfiguren des Aufschwungs der Niedersachsen werden, die zum dritten Mal in die Eliteliga aufgestiegen sind und nicht prompt als Tabellenletzter wieder absteigen wollen. Obwohl ohne jede Praxis als Headcoach, löste Calles seinen bisherigen Chef Doug Spradley ab und belohnte den Mut von Clubchef Stefan Niemeyer: "Die fünf Prozent Restrisiko sind weggewischt." Tatsächlich funktioniert das Team aus erfahrenen und jungen Spielern besser als erwartet. "Der Coach stellt die Mannschaft immer wieder toll ein", sagt Jung-Nationalspieler Philipp Herkenhoff. Der 19-Jährige kommt wie der 16 Jahre alte Junioren-Nationalspieler Luc van Slooten aus der Region. "Das mögen die Leute hier", so Niemeyer.

"Arnies Schänke" - wo alles begann

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Bodenständig - so heißt es wohl. Dabei erweckt die Website des Clubs aus der beschaulichen Kreisstadt im Oldenburger Münsterland einen anderen Eindruck. "Rasta ist der geilste Club der Welt", heißt es dort - und so sangen es Vechtas Fans schon zu Zeiten in der Regionalliga. Der Hang zur Selbstironie begleitet den Club seit seinen Gründungstagen in "Arnies Schänke". Der Partykeller, so ist überliefert, war anno 1979 der Treffpunkt der Spieler aus der Basketball AG des Gymnasiums - und wurde zur Geburtsstatt des Clubs, der gegründet wurde, weil die etablierten Vereine am Ort keine Basketballer aufnehmen wollten.

"Rasta: eine Sekte?"

Dass es gar nicht so einfach ist, einen Club zu etablieren und sogar in die höchste Spielklasse zu führen, interessierte damals weder Arnie in seiner Schänke noch die jugendlichen Gründerväter. Als größtes Problem erschien ihnen ohnehin, einen passenden Namen für den Verein im Dreieck von Bremen, Oldenburg und Osnabrück zu finden. Während die Köpfe zu rauchen begannen, ertönte aus dem Radio ein Hit von Bob Marley, der Reggae-Ikone aus Jamaika. Im November 2018 wurde der Musikstil, der insbesondere für die Gemeinschaft der Rastafari große Bedeutung hat, zum "Kulturerbe der Menschheit" erklärt. Begleitet von der Kritik im konservativ-katholischen Vechta wurde Rasta am 26. Juni 1979 ins Vereinsregister eingetragen. "Rasta: eine Sekte?“ fragte damals die "Oldenburgische Volkszeitung", die heute Medienpartner der Basketballer ist.

"Jetzt sind wir sehr entspannt"

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Rasta Vechta bedankt sich bei den Fans.

Den Erfolg mussten sich die "Rastas" mühevoll erkämpfen. Auch die zweite Spielzeit nach 2013 endete vor gut eineinhalb Jahren postwendend mit dem erneuten Abstieg. Damals habe Vechta nur Individualisten auf dem Parkett gehabt, erinnert sich Niemeyer. Aktuell sei die Situation anders: "Ich glaube, die Maßnahmen, die wir getroffen haben, waren gut." Nach sechs Siegen und fünf Niederlagen in dieser Saison träumen Optimisten schon von den Play-offs. Niemeyer: "Jetzt sind wir sehr entspannt und glauben auch, dass wir eine richtig große Chance haben, zumindest in der Liga zu bleiben." Auf die Fans kann sich der Aufsteiger aus der 33.000-Einwohner-Stadt dabei verlassen. Der Rasta-Dome ist mit 3.142 Zuschauern eigentlich immer ausverkauft - allein 2.440 haben eine Dauerkarte.

Stabile Finanzen

Die mittlerweile 174 Sponsoren sichern den bei geschätzten 2,7 Millionen Euro liegenden Etat. Doch der Rasta-Chef will mehr: "Im Profisport muss man gute Gehälter zahlen - und das muss auch unser Zeil sein." Zumal der Etat in der kommenden Saison auf mindestens drei Millionen Euro aufgestockt werden muss. Das schreibt die BBL vor. Andernfalls gibt es keine Lizenz. "Das macht uns keine Angst", sagt Niemeyer. An den Finanzen würde der Verbleib in der Eliteliga jedenfalls nicht scheiten.

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