Stand: 10.06.2019 13:30 Uhr

Rasta-Basketballer: Mehr Stolz als Enttäuschung

Wird Rasta Vechta wohl verlassen: Ausnahmespieler T.J. Bray.

Ein Happy End war den Bundesliga-Basketballern von Rasta Vechta zum Abschluss einer märchenhaften BBL-Saison nicht vergönnt. Doch trotz des klaren Ausscheidens im Play-off-Halbfinale gegen Meister FC Bayern München war für Trauer kein Platz. "Im Sommer hatte ich der Mannschaft gesagt, dass wir Geschichte schreiben wollen für diesen Club", sagte Trainer Pedro Calles voller Stolz: "Jetzt haben wir wohl eine Geschichte für den ganzen deutschen Basketball geschrieben."

Sensationeller Höhenflug des aufmüpfigen Aufsteigers

Der sensationelle Höhenflug des aufmüpfigen Aufsteigers war da soeben beendet. Das 80:95 bei den Bayern war deutlich, ebenso das 0:3 in der "Best-of-Five"-Serie. Doch die Freude über eine heldenhafte Saison überwog beim kleinen Club aus dem Oldenburger Münsterland. "Ich bin aus dem Süden Spaniens, daher bin ich ein emotionaler Mensch. Ich versuche jetzt, meine Emotionen zu kontrollieren", sagte der erst 35 Jahre alte Calles, der schon als Trainer des Jahres in der BBL ausgezeichnet worden war: "Es war mir eine Freude, die Serie und die gesamte Saison coachen zu dürfen."

Erstes Halbfinale der 40-jährigen Clubgeschichte

Nach dem dritten Aufstieg hatte Geschäftsführer Stefan Niemeyer eigentlich nur das Ziel ausgegeben, nicht zum dritten Mal direkt wieder abzusteigen - doch dann jagte eine Überraschung die nächste. Als Vierter der Hauptrunde stürmte Vechta in die Play-offs, im Viertelfinale schalteten die verletzungsgeplagten Niedersachsen nur mit einer Siebener-Rotation gar den früheren Serienmeister Brose Bamberg aus und erreichten erstmals in der knapp 40-jährigen Clubgeschichte das Halbfinale.

Calles: "Bray hat mir mehr beigebracht als ich ihm"

"Von dieser Saison hätte ich mir nicht mehr wünschen können", sagte der überragende Spielmacher T.J. Bray. "Diese Gruppe von Jungs war unglaublich. Jeder hat sich den Arsch aufgerissen, jeden Tag, in jedem Training. Wir waren für viele ein Abstiegskandidat, aber schafften es ins Halbfinale. Wir haben alle Lügen gestraft." Angesprochen auf seinen Shooting Guard, der im dritten Spiel gegen die Bayern famose 38 Punkte erzielt und mit zehn Dreiern die Play-off-Bestmarke in der Bundesliga des Bonners Hurl Beechum aus dem Jahr 1999 nur um einen Korb verpasst hatte, meinte der Trainer: "Es war eine Ehre für mich, ihn zu coachen. Er hat mir mehr beigebracht als ich ihm."

Brechen die Rasta-Helden auseinander?

Ob die Rasta-Helden aber auch nach dem Sommerurlaub wieder die Bundesliga aufmischen, ist fraglich - denn das Überraschungsteam droht auseinanderzubrechen. Erfolgscoach Calles soll bei Pokalsieger Bamberg als Nachfolger von Federico Perego im Gespräch sein, Nationalspieler Philipp Herkenhoff hofft im NBA-Draft auf den Sprung in die beste Liga der Welt. Und Bray soll das Interesse der Bayern geweckt haben. "Es hat einfach großen Spaß gemacht, ein Teil dieses Teams zu sein", erklärte der US-Amerikaner nach dem Halbfinal-Aus. Es klang nach Abschied.

Märchen schreiben in Vechta ist eben die eine Sache. Die andere ist die Chance auf echte Happy Ends bei einem Topclub. Böse würde dem 26-Jährigen wohl niemand sein, wenn er die Chance ergreifen würde. "Ich würde mich sehr freuen für ihn, wenn er zum FC Bayern geht", hatte Vereinschef Niemeyer schon vor dem letzten Spiel gesagt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 08.06.2019 | 22:40 Uhr

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