Stand: 03.06.2020 18:12 Uhr

Rassismus-Debatte: Starke Zeichen aus dem Sport

Schalkes Weston McKennie mit politischer Botschaft am linken Arm.

Die Proteste nach dem Tod von George Floyd wühlen auch den deutschen Sport auf. Viele Nordclubs positionieren sich. Daniel Thioune lobt die jungen Spieler. Im Basketball werden Proteste ebenfalls geduldet.

Es war ein starkes Zeichen - und es hat auch im deutschen Sport die Debatte um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis befeuert. Der Schalker Weston McKennie trug im Spiel gegen Werder Bremen eine Armbinde aus Kreppband, auf die er die Botschaft gekritzelt hatte: "Justice for George" (Gerechtigkeit für George). Andere Fußballprofis wie Jadon Sancho von Borussia Dortmund und Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach positionierten sich ebenfalls gegen Polizeigewalt und Rassismus. Den Solidaritätsbekundungen schlossen sich inzwischen viele Sportler und Vereine an - sie sind aber auch ein Fall für den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes, denn politische Botschaften sind laut DFB-Regelwerk verboten. Der DFB hat inzwischen allerdings mitgeteilt, dass keine Strafen ausgesprochen würden.

Trainer Daniel Thioune vom VfL Osnabrück © imago images/osnapix Foto: Titgemeyer

Podcast: Thioune, Bleick und Überraschungsmeister 1992

NDR 2 - NDR 2 Bundesligashow -

Daniel Thioune wünscht sich eine Gesellschaft, die sich gemeinsam gegen Rassismus stellt. In der legendären Bundesliga-Konferenz: Dreikampf um den Titel 1992.

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McKennie widersetzt sich dem Schiri

Den Spielern von Werder Bremen war die Aktion von McKennie beim 1:0-Sieg auf Schalke nicht entgangen. Denn Schiedsrichter Felix Zwayer hatte den Schalker aufgefordert, die Armbinde abzulegen. McKennie weigerte sich. Seine Beweggründe erklärt er im Interview mit sportschau.de: "Das ist sehr wichtig für mich. Ich bin Sportler, klar, aber zuerst bin ich Mensch."

sportschau.de
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McKennie über Protest: "Das ist sehr wichtig für mich"

Der Schalker Weston McKennie protestierte im Spiel gegen Werder Bremen gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA. Im Interview mit sportschau.de spricht er darüber. extern

Kohfeldt und Thioune bestärken junge Spieler

Werder-Coach Florian Kohfeldt berichtete, dass daraus auch in seiner Mannschaft eine große Debatte über das Thema Rassismus entstanden sei. "Ich finde es grundsätzlich gut und richtig, dass Fußball-Profis sich mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen", sagte er dem NDR. "Sie werden häufig genug in die andere Richtung kritisiert, dass sie realitätsfremd sind, und so weiter. Ich glaube, da hat der eine oder andere jetzt ein gutes Zeichen gesetzt." Manager Frank Baumann begrüßte das Engagement, gab aber zu bedenken, ob Fußballspiele die passende Bühne für solche Botschaften seien.

Dass man in Deutschland beim Thema Rassismus nicht mit dem Finger nach Amerika zeigen muss, weiß ein anderer Trainer aus eigener Erfahrung. Daniel Thioune, Coach des Fußball-Zweitligisten VfL Osnabrück, hat Wurzeln im Senegal und in seiner aktiven Zeit als Fußballer viele Anfeindungen erlebt. "Es ist noch allgegenwärtig, aber die Zeiten ändern sich auch", sagte Thioune im NDR 2 Bundesligashow Podcast. "Dass es gerade junge Spieler sind, die eine Haltung haben und ihre Popularität einsetzen, finde ich gut."

Sehr deutlich setzt er sich dafür ein, dass diese Art von Zivilcourage nicht auch noch bestraft wird. "Bei jeder Botschaft, die auch mal wieder Grenzen setzt, ist es völlig fehl am Platz, die Spieler dafür zu bestrafen", sagte er. "Das war eine politische Haltung, die jeder nachvollziehen kann. Ich kann das nur unterstützen und sehe keinen Platz für irgendwelche Sanktionen."

"Es wird allgegenwärtig sein. Die Frage ist nur, ob wir dem als Gesellschaft entgegentreten." Daniel Thioune im NDR 2 Bundesligashow Podcast

Nordclubs folgen #BlackOutTuesday

Viele Nordvereine und -sportler schlossen sich dem #BlackOutTuesday in den Sozialen Netzwerken an. Mit der aus der US-Musikindustrie kommenden Aktion sollte Aufmerksamkeit auf die Ungerechtigkeit gelenkt und Menschen dazu aufgefordert werden, einen Tag lang keine Inhalte zu produzieren, sondern sich mit den Vorgängen zu beschäftigen. Floyd war in der vergangenen Woche infolge eines brutalen Polizeieinsatzes in Minneapolis ums Leben gekommen. Seither gibt es in den USA zahlreiche Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Der FC St. Pauli postete als Zeichen der Unterstützung einen schwarzen Hintergrund, auf dem in weißer Schrift stand: "Black Lives Matter" (Schwarze Leben zählen). Zudem änderte der Kiezclub sein Profilbild in eine schwarz-weiße Version seines Vereinswappens. Hannovers schwedischer Stürmer John Guidetti äußerte sich mit einem persönlichen Post bei Instagram. "Unsere Hautfarbe sollte niemals ausschlaggebend dafür sein, wie wir behandelt werden", schrieb er.

Basketball-Bundesliga duldet Proteste

Im Fußball lässt der DFB Nachsicht walten und leitet keine Verfahren gegen Spieler ein. Gleiches gilt für die Basketball-Bundesliga beim Finalturnier in München. Am Mittwoch hatte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz zunächst erklärt: "Grundsätzlich ist es so, dass politische Äußerungen im Ligabetrieb verbal oder non-verbal nicht gestattet sind." Nach Protesten einiger Spieler stellte Holz am Abend aber klar, dass es keine Sanktionen für Profis geben werde, die sich gegen Rassismus positionieren. "Es passiert seitens der Liga gar nichts. Das werden wir natürlich respektieren als Meinungsäußerung, die wir schätzen."

Unterstützung von Oldenburgs Schwethelm und Nowitzki

Gerade in der Basketball-Bundesliga sind viele Afroamerikaner beschäftigt, die das Thema beschäftigt. Oldenburgs Co-Kapitän Philipp Schwethelm sicherte ihnen Unterstützung zu. "Es ist traurig und schwer zu verstehen, dass das im Jahr 2020 immer noch ein Thema ist", schrieb er in einem Instagram-Post und forderte: "Lasst uns alle aktiv Stellung beziehen gegen Rassismus."

Unterstützung erhielt er von Oldenburgs Geschäftsführer Hermann Schüller, der mitteilte: "Wir stellen uns gegen Rassismus! Diese Grundhaltung ist keine politische Botschaft, sie ist ein nicht zu verhandelnder Konsens und Teil unserer DNA. Wir lassen unsere Spieler nicht im Regen stehen. Schon gar nicht jetzt!"

"Sich gegen Rassismus zu stellen, ist keine politische Äußerung, sondern eine Lebenseinstellung." Bayern Münchens Basketball-Geschäftsführer Marko Pesic

Der deutsche Superstar Dirk Nowitzki, der mit seiner Frau, die kenianische Wurzeln hat, und seinen drei Kindern in Dallas lebt, setzte bei Twitter einen sehr emotionalen Post ab, in dem er sein Mitgefühl und seine Unterstützung zum Ausdruck brachte - und auch Angst um die Zukunft seiner Kinder.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 03.06.2020 | 14:25 Uhr