Stand: 10.04.2020 17:03 Uhr

Prothesen-Sprinter Floors jagt Pistorius' Fabelzeit

Johannes Floors © imago images/Beautiful Sports
Der derzeit schnellste Prothesensprinter der Welt: Johannes Floors.

Eigentlich wollte Johannes Floors in diesem Sommer bei den Paralympics Gold für Deutschland gewinnen. Als Weltmeister über 100 und 400 Meter wäre der gebürtige Niedersachse als großer Favorit nach Tokio gereist. Einen Strich durch die Rechnung will sich der Athlet von Bayer Leverkusen durch die Corona-Pandemie aber nicht machen lassen, das Ziel bleibt Gold in Tokio - dann eben 2021. "So eine Verschiebung ist eine Herausforderung, aber viele Sportler sind schon über deutlich größere Hürden gesprungen", sagte der 25-Jährige.

Als Jugendlicher Amputation beider Unterschenkel

Dazu zählt auch Floors selbst. Durch einen sogenannten Fibula-Gendefekt hatten sich seine Wadenbeine nicht gebildet, die Füße wuchsen verkümmert und hatten nur drei Zehen. In seiner frühen Schulzeit musste er viel Spott und Beleidigungen ertragen. Viel schlimmer waren jedoch die körperlichen Schmerzen, die mit den Jahren immer stärker wurden. Wahrscheinlich wäre er irgendwann auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen, das war für den Teenager aus der Nähe von Osnabrück aber keine Option.

Große Pläne über die 400 Meter

Deshalb ließ er sich um seinen 16. Geburtstag herum beide Unterschenkel amputieren. Sportbegeistert war er bereits vor der Operation. Danach wurde der wohl bekannteste Behindertensportler Oscar Pistorius aus Südafrika sein Vorbild.

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Floors ist längst selbst in der Weltklasse angekommen, gewann vor vier Jahren in Rio Gold mit der 4x100-Meter-Staffel. Über 100, 200 und 400 m sowie mit der Sprintstaffel hat er bereits jeweils sechs WM- und EM-Titel gesammelt.

Besonders über die Stadionrunde hat der Norddeutsche Großes vor. Er will die schnellste jemals mit zwei Prothesen gelaufene Zeit unterbieten - natürlich gehalten von Pistorius. "Seine 45,07 Sekunden sind die Marke, die mir immer vor Augen schwebt. Ich möchte diese Zeit auf jeden Fall schlagen", sagte der gelernte Orthopädiemechaniker und Maschinenbaustudent. Dass diese nach einer Änderung der Startklassen nicht mehr als offizieller Weltrekord gilt, ist zweitrangig. Gelingt der Coup 2021 in Tokio? "Das wäre phänomenal. Das wäre der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere."

"Neuer Blade Runner" und "Fastest Man on No Legs"?

Als derzeit schnellster Prothesensprinter der Welt liegen die Vergleiche mit Pistorius auf der Hand. Floors wird in Anlehnung an dessen Spitznamen sogar als "neuer Blade Runner" bezeichnet. "Aber natürlich ist ganz klar, dass ich in keine Fußstapfen treten möchte", betonte der Athlet, dem bei seiner schnellsten 400-Meter-Zeit noch gut sieben Zehntelsekunden zum inoffiziellen Titel "Fastest Man on No Legs" fehlten. "Aber wenn das Training so laufen wird wie 2019, ist das nicht unrealistisch."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 12.04.2020 | 22:45 Uhr

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