Stand: 12.06.2016 15:45 Uhr

Prächtige Beach-Premiere am Rothenbaum

von Andreas Bellinger, NDR.de
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Mit der Premiere zufrieden: Veranstalter Frank Mackerodt.

Der Chef strahlte und hatte trotz des schlechten Wetters am Schlusstag auch allen Grund dazu. Die Beachvolleyball-Premiere am Hamburger Rothenbaum, die mit dem Sieg der Olympia-Hoffnungen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst vom Hamburger SV ihren Höhepunkt erlebte, ist rundum gelungen und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fortsetzung finden. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben, "aber ich bin sicher, dass wir auch im nächsten Juni hier wieder Beachvolleyball der absoluten Weltklasse sehen werden", sagte Initiator und Veranstalter Frank Mackerodt am Sonntag NDR.de.

"Hier kann ganz Großes entstehen"

Die Signale stehen nach Angaben des früheren Weltklasse-Volleyballers überall auf Grün. Sowohl die Hansestadt, die wohl nur einen Bruchteil der im Zuge der (gescheiterten) Olympia-Bewerbung zugesagten Unterstützung tragen muss, als auch die Sponsoren und nicht zuletzt die Verantwortlichen der Major-Tour sind voll des Lobes angesichts des glänzenden Debüts im professionell hergerichteten Tennisstadion. "Hier kann etwas ganz Großes entstehen. Hamburg ist offensichtlich der Platz", sagte der Chef der Majors, der Österreicher Hannes Jagerhofer. Auch der beim internationalen Verband (FIVB) zuständige Beachvolleyball-Direktor, Angelo Squeo, zeigte sich am Finaltag begeistert: "Das war definitiv eines der besten Turniere weltweit." Zweieinhalb Millionen Euro hat das sechstägige Turnier gekostet - die Spielerinnen und Spieler haben davon allein 720.000 Euro an Preisgeld kassiert. Mackerodt: "Die Bilanz ist ausgeglichen; soviel kann ich jetzt schon sagen."

Schlaflose Nächte und Tränen des Glücks

Dabei war der Weg von der Idee, Urlaubs-Flair auf weißem Sand in das die meiste Zeit des Jahres leerstehende Tennis-Stadion zu holen, bis zum ersten Aufschlag der Beachvolleyball-Elite nicht eben risikolos für Mackerodt: "Ein paar schlaflose Nächte hatte ich schon." Als die Europameisterinnen Ludwig/Walkenhorst am Sonnabend dann aber den Titel holten, das Stadion mit knapp 10.000 Zuschauern so voll war, dass sogar die oberen, eigentlich abgehängten Stühle freigegeben werden mussten, trieb es dem Macher die Tränen des Glücks in die Augen. Auch, weil die "Hamburger Mädels" (Olympiasieger und TV-Experte Julius Brink) sich so wohl fühlten bei ihrem Heimturnier. "Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dass wir bei einem Turnier der höchsten Kategorie zu Hause ein Team haben, das als Favorit spielt und gewinnt", meinte Brink.

Toller Sieg gegen Olympia-Favoriten

"Es ist toll, zu Hause zu spielen", sagte Ludwig nach dem Dreisatzsieg gegen die Weltmeisterinnen Agatha Bednarczuk Rippel/Barbara Seixas de Freitas aus Brasilien: "Und die Unterstützung der Zuschauer war genial." Alles war gut am Rothenbaum - zumal Fans und Profis bei strahlendem Sonnenschein gleichermaßen Urlaubs-Feeling überkam. "Das Wetter hat dem Turnier natürlich auch geholfen", sagte Mackerodt. Der grandiose Auftritt der Europameisterinnen schon beim 2:1 in der Vorschlussrunde gegen Kerri Walsh Jennings/April Ross tat ein Übriges. Das Duo aus den USA ist laut Trainer Jürgen Wagner härtester Konkurrent für Ludwig/Walkenhorst in Rio: "Sie sind wieder erster Anwärter auf den Olympiasieg."

 Mackerodt "heute viel relaxter"

"Ich habe mich so für die beiden gefreut", sagte Mackerodt nach Ludwigs Matchball. In Momenten wie diesen holt den 53-Jährigen regelmäßig die eigene Vergangenheit ein. Nur mit Glück und unbändigem Kampfgeist hat er vor Jahren den Tod besiegt und sich auch von der Insolvenz seiner Agentur nicht unterkriegen lassen. "Wenn man so etwas erlebt hat, ändert sich vieles im Leben. Heute bin ich viel relaxter." Das hilft auch im Erfolg, mit beiden Beinen auf dem Teppich zu bleiben. Denn natürlich haben die Premiere am Rothenbaum "fantastische Zufälle" (Mackerodt) wie das Wetter und die außergewöhnlich guten Lokalmatadoren befördert. Das gebuchte Olympia-Ticket für Markus Böckermann/Lars Flüggen vom Club an der Alster zählt unbedingt auch dazu - so blieben die erhofften 50.000 Zuschauer, die kostenfrei Weltklassesport zu sehen bekamen, keine Utopie.

"Sport am Rothenbaum funktioniert"

"Ein paar Kleinigkeiten" (Mackerodt) müssen allerdings besser werden. So sei es nicht optimal gewesen, dass erst von Donnerstag an auf dem Center Court gespielt wurde. Und auch das Licht müsse bei geschlossenem Dach fernsehtauglich werden, wenn Beachvolleyball in Hamburg fester Standort der Major-Tour wird. Mackerodt ist fest entschlossen und will das Turnier in der Serie etablieren, die auf acht Events plus Finale erweitert werden soll. "Sport am Rothenbaum funktioniert", sagte er und nannte weitere gute Argumente für die Gespräche mit der Stadt und den "Hausherren", Deutscher Tennis Bund (DTB) und Club an der Alster. "Das Turnier war weltweit im Gespräch. Sogar in Brasilien wurde das Finale der Frauen live übertragen. Ein besseres Marketing kann sich die Hansestadt kaum wünschen."

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 11.06.2016 | 19:30 Uhr

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