Stand: 05.04.2019 13:15 Uhr

Porträt: Gabius' langer Lauf in die Geschichtsbücher

Arne Gabius: deutscher Rekordhalter im Marathon.

Deutschland gilt in der Leichtathletik-Welt nicht unbedingt als Läufernation. Das angekratzte Image aufpoliert hat in den vergangenen Jahren nicht zuletzt Arne Gabius. 2012 Vize-Europameister über 5.000 m, drei Jahre später deutscher Marathon-Rekordhalter: Der gebürtige Hamburger ist ein Ausnahmeläufer, der noch ein großes Ziel hat.

Arne Gabius' Karriere als Läufer schien beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Mit 13 Jahren verlor er die Lust an der Leichtathletik und wechselte zum Handball, erst zwei Jahre später kehrte er durch die Hamburger Kreismeisterschaften der Schulen zum Laufen zurück. Schnell stellten sich Erfolge ein. 2005 zog er aufgrund der besseren Trainingsbedingungen von Hamburg nach Tübingen, trainierte unter Laufikone Dieter Baumann. 2011 beendete er sein Medizinstudium, wurde Vollprofi und zudem Solist, als er sich von Baumann trennte.

Sensationelles EM-Silber 2012

Im Jahr darauf sorgte Gabius für jede Menge Furore. Im Februar 2012 verbesserte er sich über 3.000 m um zwölf Sekunden auf 7:38,13 Minuten und verfehlte den deutschen Hallenrekord seines Ex-Trainers Baumann seinerzeit nur um 62 Hundertstel. Bei der Hallen-WM in Istanbul wurde er als bester Läufer ohne afrikanische Wurzeln Achter. Bei der Freiluft-EM in Helsinki holte der rennende Arzt schließlich über 5.000 m hinter dem Briten Mohammed Farah sensationell Silber. "Ich habe mein Medizinstudium beendet, das war ein Kindheitstraum. In ein paar Wochen werde ich bei Olympia ins Stadion einlaufen, das ist noch ein Kindheitstraum. Und jetzt noch die Medaille, ich bin einfach glücklich", freute sich Gabius.

Vorlauf-Aus bei Olympia in London

Sein Traum, im olympischen Finale erneut neben Farah zu stehen, erfüllte sich allerdings nicht: Knapp verpasste er den Endlauf. Dafür lief er kurz darauf beim Diamond-League-Meeting in Stockholm in 7:35,43 Minuten Bestzeit über 3.000 m. In Baumann (7:30,50) war nur ein Deutscher je schneller.

Starkes Marathon-Debüt

2014 gab Gabius in New York ein beachtliches Halbmarathon- (62:09 Minuten) und schließlich in Frankfurt sein Marathon-Debüt. In starken 2:09:32 Stunden eroberte er auf Anhieb Platz vier in der ewigen deutschen Bestenliste. Im darauffolgenden Januar stellte er in Düsseldorf in 13:27,53 Minuten einen deutschen Hallen-Rekord über 5.000 m auf. Über 10.000 m steigerte sich der Hamburger auf 27:43,93 Minuten. Bei der WM in Peking wurde er 17., womit sein Plan nicht aufging, sich mit einem Platz unter den ersten Zwölf für die Olympischen Spiele in Rio zu qualifizieren.

Rückblick

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27 Jahre alten Rekord gebrochen

Sein Training hatte Gabius aber ohnehin auf den Marathon ausgerichtet, sein Abschied von der Bahn im Anschluss an die Welt-Titelkämpfe in China fiel dem Vize-Europameister von 2012 nicht schwer: "Auf der Straße fühle ich mich frei und wohler." Im Oktober 2015 sorgte er dann beim Frankfurt-Marathon für einen Paukenschlag, als er in 2:08:33 Stunden die Ziellinie überquerte und damit - wie angekündigt - die 27 Jahre alte nationale Bestmarke des Dresdners Jörg Peter, der 1988 in Tokio 2:08:47 Stunden gelaufen war, um 14 Sekunden unterbot.

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Ganz nebenbei löste Gabius damit in seinem erst zweiten Marathon auch das Ticket für Rio, wo er auf eine Top-Ten-Plazierung hoffte. Zuvor startete der eigenwillige Athlet, der sein eigener Trainer ist, noch beim EM-Halbmarathon in Amsterdam - ohne Erfolg. Mit Beckenproblemen stieg er aus. Doppelt bitter: Verletzungsbedingt musste er auch seinen Start am Zuckerhut absagen.

Kein WM-Start 2017 nach Streit mit DLV

Nach einer achtmonatigen Zwangspause feierte Gabius im März 2017 beim New Yorker Halbmarathon in 64,20 Minuten ein gelungenes Comeback. Mittlerweile für den Verein Therapie Reha Bottwartal am Start, nahm der gebürtige Hamburger kurze Zeit später den Hannover-Marathon in Angriff, musste allerdings verletzt aussteigen. Auf die WM in London verzichtete Gabius freiwillig. Als Grund nannte er einen Streit mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Hintergrund war die vom Verband nicht erfolgte Finanzierung seines Kenia-Trainingslagers. Die Wertschätzung für Läufer sei grundsätzlich "sehr schlecht" beim DLV, so Gabius: "Wenn ich gut bin, dann brauche ich den Verband nicht. Und wenn ich schlecht bin, dann wollen die nichts von mir wissen."

Seit Herbst wieder im Kader

Der Verband wehrte sich gegen die Vorwürfe. "Wir haben Arne Gabius 2016 sämtliche Trainingslager bezahlt", stellte der damalige DLV-Präsident Clemens Prokop im März fest: "Und wenn dann die Planung beispielsweise auf den Berlin-Marathon abzielt, dann ist klar, dass die WM in London nicht in der Vorbereitung sein kann. Und dann muss sich der Verband fragen: Warum fördern wir dann?"

Immerhin gibt es zwischen Gabius und dem DLV wieder telefonischen Kontakt, und auch Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig zeigte sich vor dem Hannover-Marathon 2019 versöhnlich: "Arne sagt, was ihm nicht gefällt. Aber dass er seit Herbst wieder im Kader steht, zeigt ja, dass es gar nicht so schlecht läuft."

Tokio 2020 ist das große (letzte) Ziel

2018 verbuchte Gabius unter der Rubrik "Übergangsjahr", sorgte im Herbst trotzdem für ein kleines Ausrufezeichen. In deutscher Jahresbestzeit von 2:11:45 Stunden belegte er unter schwierigen Bedingungen beim Frankfurt-Marathon Rang neun. Vielleicht der Startschuss für eine "Abschlussrunde" mit großem Anlauf. Ein Start bei der WM 2019 in Doha ist für den Ausnahmeläufer kein Thema, dafür aber die Teilnahme an den Olympischen Spiele 2020. "Der Olympia-Marathon in Tokio 2020 steht ganz oben auf meiner Liste. Ich habe da noch was nachzuholen nach 2016", sagte Gabius dem Fachmagazin "Leichtathletik".

Bei einem Start in Japan wäre der deutsche Rekordhalter 39 Jahre alt. Der Zeitpunkt, um abzudanken? "Es könnte mein letztes großes Meisterschaftsrennen werden", hatte Gabius bereits im vergangenen Sommer der "Runner's World" gesagt, sich allerdings ein Hintertürchen offengelassen: "Danach muss ich von Jahr zu Jahr sehen, wie und ob es noch weitergeht."

Hintergrund

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Sportclub | 07.04.2019 | 08:45 Uhr