Stand: 04.03.2019 11:00 Uhr

Pedro Calles: Vechtas junger Vater des Erfolgs

von Christian Jeß, NDR.de

Es kommt selten vor, dass ein erfolgreiches Team den Trainer entlässt. Und so staunten Außenstehende nicht schlecht, als Bundesliga-Aufstiegsaspirant Rasta Vechta im April 2018 - mitten in den Play-offs der Zweiten Liga Pro A - die Trennung zum Saisonende von Headcoach Doug Spradley bekannt gab. Doch offenbar wusste Rasta-Geschäftsführer Stefan Niemeyer, was er tat. Denn nur wenige Wochen später, nach dem geglückten Sprung in die Beletage des deutschen Basketballs, beförderte er einen Mann zum Chef an der Seitenlinie, der die Rastafari in ungeahnte Höhen führen sollte: Pedro Calles, bis dato drei Jahre lang Athletik- und Assistenztrainer in Westniedersachsen.

Klar auf Play-off-Kurs

Mit seinerzeit 34 Jahren war der Spanier der jüngste Coach der Basketball-Bundesliga (BBL) und noch gänzlich ohne Cheftrainer-Erfahrung in Deutschland. Doch das vermeintliche Wagnis entpuppte sich als weise Entscheidung. Schon im Dezember konnte Vechta-Macher Niemeyer mit Fug und Recht sagen: "Die fünf Prozent Restrisiko sind weggewischt." Kein Wunder: Rasta avancierte nach dem dritten Aufstieg der noch jungen Vereinsgeschichte zum Überraschungsteam der BBL. Nach dem knappen 82:79-Sieg am Sonntag im Niedersachsenduell bei der BG Göttingen liegt der Neuling als Tabellendritter klar auf Play-off-Kurs. Ein kleiner Fisch inmitten der großen Haie Bayern, Oldenburg, Berlin oder Bamberg.

Ein Mann mit Prinzipien

Calles' Karriere in Kürze

Schon mit Anfang 20 konzentrierte sich Pedro Calles ganz auf seine Trainerkarriere. 2009 schloss er beim spanischen Verband die höchste Ausbildung ab, 2012 führte ihn sein Weg zu den Artland Dragons nach Quakenbrück. Nach dem Rückzug der Dragons aus der Bundesliga ging Calles schließlich ins rund 25 Kilometer entfernte Vechta, wo er nach eigenen Angaben inzwischen eine zweite Heimat gefunden hat.

Unbestrittener Vater des Erfolgs ist Trainer-Neuling Calles, dessen Frau Ana, eine Tierärztin, im Spätsommer 2018 einen kleinen Jungen zur Welt brachte. Der aus Andalusien stammende studierte Sportwissenschaftler gilt als Mann mit Prinzipien. "Charakter schlägt Talent", lautet ein wichtiges Credo seiner Arbeit. In Vechta formte er aus erfahrenen Profis und jungen Talenten eine Mannschaft mit großem Zusammenhalt und noch größerem Selbstvertrauen. Keine Mannschaft der Liga nimmt so viele Dreipunkte-Würfe, kaum eine verteidigt so raffiniert und engagiert wie der ironisch selbsternannte "geilste Club der Welt". Wie lautet sein "Geheimrezept"? "Es gibt keine Zauberformel. Ganz langsam, Tag für Tag, haben wir unsere Identität und Spielkultur entwickelt", sagt Calles. Rastas Jung-Nationalspieler Philipp Herkenhoff wird genauer und streicht den Perfektionismus seines Trainers heraus: "Er ist sehr ehrgeizig. Ihm reicht ein 'Okay' oder 'Gut' nicht, er versucht alles auf 100 Prozent zu kriegen."

Topfavorit für Auszeichnung als "Trainer des Jahres"

Dem Trainer-Shootingstar gelingt es zudem fast perfekt, Druck von seinem Team zu nehmen. An seinem Saisonziel will er trotz fast erreichter Play-off-Teilnahme nicht rütteln: "Ich möchte jeden Tag ein bisschen besser werden. Alles ist möglich. Noch haben wir den Klassenerhalt nicht sicher." Ein klarer Fall von Understatement. Dem 35-Jährigen persönlich dürfte indes eine glorreiche Zukunft bevorstehen: Für den diesjährigen Titel "Trainer des Jahres" gilt Calles als Topfavorit, sein Potenzial dürfte den großen Clubs - nicht nur in der BBL - nicht verborgen geblieben sein.

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Sportclub | 03.03.2019 | 22:50 Uhr