Mitgliederschwund und Verluste: Breitensport schlägt Alarm

Stand: 10.12.2020 14:39 Uhr

Die Topsportvereine in der Metropolregion Hamburg rechnen als Folge der Corona-Pandemie mit zehn bis 15 Prozent weniger Mitgliedern. Dadurch fehlen den Clubs insgesamt rund vier Millionen Euro in den Kassen. Sie fordern öffentliche Zuschüsse.

Überall das gleiche Bild: Wegen der strengen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus geht der Breitensport in die Knie. Die Mitglieder bleiben weg, die Einnahmen brechen ein. In Hamburg hat am Donnerstag der Verbund der Topsportvereine Alarm geschlagen. Eine Umfrage unter den 29 organisierten großen Breitensportvereinen in der Metropolregion habe ergeben, dass im Januar mit einem Rückgang der bislang 175.000 Sportler in diesen Clubs um zehn bis 15 Prozent zu rechnen ist, hieß es bei einer Pressekonferenz in Hamburg.

Vereine fordern: 50 Prozent der Beitragsrückgänge kompensieren

Für seinen Verein TSG Bergedorf, der zuletzt etwas mehr als 11.000 Mitglieder aufwies, nannte Vorstandsmitglied Boris Schmidt konkrete Zahlen: "Wir werden 1.200 weniger Mitglieder und 400.000 bis 500.000 Euro weniger Einnahmen aus Beiträgen haben." Neben den Austritten hätte vor allem der fehlende Zuwachs an neuen Mitgliedern dramatische Folgen. Die Clubs bräuchten deshalb jetzt ein Signal, "dass uns auch in den nächsten drei Jahren geholfen wird", ergänzte Schmidt.

Die Topsportvereine fordern öffentliche Zuschüsse für die Jahre 2021 bis 2023. Diese sollen die 50 Prozent der Beitragsrückgänge im Vergleich zum Jahr 2019, dem bis dato letzten kompletten Sportjahr ohne Corona, kompensieren.

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Stufenplan für Wiederaufnahme des Sports?

Für die aktuell getroffenen Maßnahmen der Politik zeigten die Topsportvereine volles Verständnis. "Das stellen wir in keinster Weise infrage", betonte Vorstandssprecher Ulrich Lopatta. Es gehe aber darum, eine Perspektive zu schaffen. "Die Politik muss anerkennen, dass die Sportvereine mit ihren Strukturen einen wichtigen Teil zur Lösung der Pandemie-Bekämpfung beitragen können", sagte Lopatta. "Denn sie geben Menschen Raum und Rahmen, innerhalb derer sie Regeln einhalten, Gemeinschaft erleben und gleichzeitig ihre Gesundheit stärken können."

So solle schon jetzt ein Stufenplan erstellt werden. Bei weniger als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen soll eine sofortige Aufnahme des Sports alleine, zu zweit oder mit Personen des gleichen Hausstands im Indoorbereich möglich sein, fordern die Vertreter des Breitensports. Bei einem Inzidenzwert unter 35 solle Sport in geschlossenen Räumen mit 1,5 Metern Abstand auch in größeren Gruppen ermöglicht werden.

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