Stand: 21.10.2019 12:29 Uhr

Mischa Zverev: Neustart in der Hamburger Heimat

Beim Namen Zverev in Verbindung mit Tennis denken die meisten in erster Linie an Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev. Fast völlig vom Radar verschwunden ist indes der ältere Bruder des Weltranglistensechsten, der vor zwei Jahren noch zu den Top-25 der Tenniswelt zählte. Inzwischen wird Mischa Zverev nur noch an Position 292 geführt. Der 32-Jährige hat sich jedoch bereits mehrfach in seiner Karriere als Stehaufmännchen bewiesen - diese Woche tritt er in seiner Heimatstadt Hamburg am Stützpunkt des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) in Horn an.

Erinnerungen an die Jugendzeit

Zverev freut sich nicht nur auf die Rückkehr in die Halle, in der er bereits als Zehnjähriger Turniere gespielt hat. Der 32-Jährige genießt es auch, zu Hause in seinem Haus im Stadtteil Lemsahl zu sein. "Ich übernachte gerne zu Hause. Wir sind so oft unterwegs und schlafen in Hotelzimmern, da genießt man das eigene Bett", erklärte Zverev als Studiogast im NDR 90,3 Sportplatz . Der Linkshänder zählt in Horn den Turnierfavoriten, obwohl er mit Auftritten in Hamburg eher schlechte Erfahrungen gemacht hat: Am Rothenbaum war oft frühzeitig Schluss für den Serve-and-Volley-Spezialisten. "Vielleicht habe ich mir in meiner Heimatstadt immer zu viel Druck gemacht, vielleicht war ich aber auch zu entspannt", versucht Zverev eine Erklärung zu finden.

Karriere geprägt von vielen Rückschlägen

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2018 gewann Mischa Zverev in Eastbourne seinen einzigen ATP-Titel.

Die Karriere des in Moskau geborenen, aber in Hamburg aufgewachsenen Linkshänders ist geprägt von vielen Verletzungen oder Erkrankungen. 2008 musste er im Halbfinale von Moskau erkrankt passen, ebenso 2009 im Viertelfinale von Zagreb. In s'Hertogenbosch stoppte ihn in Runde eins eine Zerrung, in Shanghai brach er sich im Erstrundenmatch das Handgelenk. 2011 setzten ihn Rückenprobleme außer Gefecht, 2013 zog er sich einen Riss der Patellasehne zu, 2014 folgte eine Operation am Handgelenk. Gedanken an ein Karriereende kamen auf.

Bruder Alexander - damals 17 Jahre alt - half ihm aus dem Tief: "Der war noch so jung und so naiv und hat einfach gesagt 'Du schaffst das, Du kannst das, glaub' an Dich' - da dachte ich mir, vielleicht hat er in seiner Naivität ja Recht?". Zunächst wollte Mischa Zverev einfach nur ein "guter Sparringspartner" für Alexander sein, dann aber merkte er nach erfolgreichen Trainingsduellen mit dem talentierteren Bruder: "Ich kann noch einmal angreifen."

Ritterschlag von McEnroe

Und das tat er: Bei den Australian Open 2017 schlug er im Achtelfinale die damalige Nummer eins der Welt, Andy Murray, und bekam anschließend den Ritterschlag von Tennis-Legende John McEnroe, der den Hamburger als seinen "absoluten Lieblingsspieler" bezeichnete.

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"Den Spruch habe ich mir aufgenommen und im Telefon abgespeichert. So etwas hört man doch immer wieder gerne", erzählt Zverev. Im Juni 2018 holte der Hamburger beim Rasenturnier im englischen Eastbourne seinen bislang einzigen Karrieretitel auf der ATP-Tour. Es war allerdings der einzige Höhepunkt des Jahres, das ansonsten erneut von Verletzungen geprägt war.

Die Hamburger Heimat soll nun für Zverev zum Neustart werden. Die "Ochsentour" Challenger-Turniere, scheut er dabei nicht: "Wenn man nach oben will, muss man unten anfangen", sagt der 32-Jährige, der in diesem Jahr zunächst an einer Handgelenksverletzung und danach an Rückenproblemen laborierte. Er habe außerdem nicht so gut gespielt und so "wacht man dann irgenwann morgens auf und ist nicht mehr Top-50 der Welt, sondern die Nummer 300".

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Sportplatz | 20.10.2019 | 18:00 Uhr