Stand: 09.08.2020 11:58 Uhr

Sprint-Meister Almas schneller als der Ball

Eigentlich wollte Deniz Almas ja Fußballer werden, aber da machte ihm ausgerechnet sein größtes Talent einen Strich durch die Rechnung. "Mein Trainer hat immer gesagt, dass ich schneller als der Ball bin. Ich war schon weg, als der Ball kam", sagte der 23-Jährige vom VfL Wolfsburg. Also wurde er Sprinter - und was für einer!

Almas: "Ich bin super happy"

10,09 Sekunden rannte Almas bei den deutschen "Geistermeisterschaften" der Leichtathleten in Braunschweig und holte sich souverän den Titel über 100 m. "Ich bin super happy. Ich habe es mir fest vorgenommen zu gewinnen", sagte der Jungspund, der seine Freude über Gold im Ziel lauthals herausschrie: "Ich habe das nach außen jedoch nicht so kommuniziert."  Doch alle wussten auch so - Almas ist der neue Mann, den es zu schlagen gilt.

#turbotürke: Nummer eins in Europa

Zuletzt hatte der Obergefreite der Bundeswehr beim Meeting in Weinheim schon 10,08 Sekunden hingelegt, damit ist er derzeit die Nummer eins in Europa. Unter dem Hashtag #turbotürke postet der in Calw geborene und im Schwarzwald aufgewachsene Almas gerne Beiträge bei Instagram. Dabei kann er nach eigenen Angaben kein Türkisch. Im Februar war der Student der Sportwissenschaft sogar #titeltürke - nach seinem Sieg bei den nationalen Hallenmeisterschaften in Leipzig über 60 Meter. Die Last der Erwartungshaltung? Für den unbekümmerten Almas kein Problem. "Die Rolle des Favoriten fällt mir immer leichter, weil ich durch meine guten Zeiten Selbstbewusstsein gesammelt habe", sagte er: "Ich weiß jetzt, was ich kann."

Reus: Almas war "unschlagbar"

Das weiß spätestens jetzt auch Julian Reus, der deutsche Rekordhalter musste sich am Ende mit Platz drei (10,26) begnügen. Almas sei nach dessen guten Start und tollen Finish "unschlagbar" gewesen", sagte Reus, der 32 Jahre alt ist und von Almas wohl so langsam in die Rente geschickt wird: "Vor seiner Leistung kann ich wirklich nur den Hut ziehen." Almas hatte keine Scheu, eine Kampfansage an die Etablierten zu schicken: "Wir machen gut Druck", sagte er im ARD-Interview auch mit Blick auf den Zweitplatzierten. Joshua Hartmann vom ASV Köln blieb in 10,23 ebenfalls vor Reus - und Hartmann ist noch zwei Jahre jünger als Almas.

Nächstes Ziel: Olympia-Norm knacken

Seit 2016, als Reus seine 10,01 Sekunden lief, ist kein Deutscher mehr so rasant unterwegs gewesen wie Almas. Und der will mehr. Die Olympia-Norm für Tokio von 10,05 Sekunden knacken etwa. In Leipzig, wo er trainiert, findet er dafür beste Bedingungen vor. Nach der Olympia-Verschiebung habe er erst ein bisschen ins Blaue trainiert, dann aber die Möglichkeit erkannt, "dieses Jahr ganz ohne Druck anzugehen, hart zu arbeiten und zu nutzen und den Rückenwind aus dieser Saison mitzunehmen, um eine super Vorbereitung auf die Olympischen Spiele zu machen. Für mich war es das Beste, was passieren konnte. Jetzt habe ich richtig Blut geleckt, richtig Bock - übertrieben Bock."

Und dann träumt Almas natürlich auch davon, irgendwann einmal eine neun vor dem Komma bei der Zeit stehen zu haben. "Ich kann mir sehr, sehr gut vorstellen, dass es in unserer Generation ein oder zwei Leute gibt, die diese Schallmauer vielleicht durchbrechen können", hatte Almas bereits im Vorfeld der Meisterschaften gesagt.

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Sprinter Deniz Almas bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig © imago images / Beautiful Sports

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 09.08.2020 | 12:25 Uhr

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