Stand: 08.08.2020 20:04 Uhr

Almas neuer Sprint-Meister - Krause enttäuscht

Deniz Almas ist der neue deutsche Sprint-König. Der Wolfsburger sorgte bei den "Geistermeisterschaften" der Leichtathleten in Braunschweig am Sonnabend für einen der wenigen Höhepunkte. Am Ende des ersten Wettkampftages holte der Saisonschnellste über 100 m in sehr starken 10,09 Sekunden seinen ersten nationalen Freiluft-Titel. Dabei blieb Almas vor leeren Rängen nur eine Hundertstelsekunde über der Zeit, die er vor wenigen Tagen beim Meeting in Weinheim auf die Bahn gebracht hatte. "Mit der 10,08 hatte ich mir schon sehr, sehr große Chancen ausgerechnet. Aber man muss es erst mal machen - und ich hab' es gemacht", sagte der 23-Jährige im ARD-Interview.

Bei den Frauen gewann in Abwesenheit von Gina Lückenkemper die Berlinerin Lisa Marie Kwayie in 11,30 Sekunden vor Rebekka Haase (11,34) ihren ersten 100-m-Titel. ARD-Experte Frank Busemann bewertete das Fehlen der EM-Zweiten Lückenkemper, die ein Meeting in Finnland vorgezogen hatte, diplomatisch: "Sie ist halt eine starke Marke, die wir vermissen", sagte er.

Hindernis-Star Krause gibt auf

Gesa Felicitas Krause wurde ihrer Favoritenrolle überraschend nicht gerecht. Sie musste das Rennen über 3.000 m Hindernis aufgeben. Die WM-Dritte und Europameisterin, die aus dem Höhentrainingslager in Davos nach Niedersachsen gereist war und im Vorfeld vehement für eine Austragung der längeren Laufwettbewerbe gekämpft hatte, stieg bei hochsommerlichen Temperaturen kurz vor der 2.000-m-Marke aus.

"Das ist eine große Enttäuschung, ich habe viel vorgehabt", sagte Krause sichtlich angeschlagen im ARD-Interview und suchte eine Erklärung im Wechsel von den eher kühlen Bergen in der Schweiz in die Gluthitze von Braunschweig. "Ich bin kein Mensch, der es gerne aufs Wetter schiebt. Aber es war einfach nicht mein Tag. Das Tempo fiel mir schwer, ich hatte keinen Vortrieb, keinen Zug im Schritt. Es ist echt schade, wenn man es nicht auf den Punkt bringen kann." Der Titel ging in 9:50,31 Minuten an Elena Burkard von der LG Nordschwarzwald.

Busemann: "Irgendwie gespenstisch"

Die Titelkämpfe in Braunschweig finden wegen der Corona-Pandemie unter besonderen Bedingungen statt. So dürfen keine Zuschauer im Stadion sein, die Athleten müssen strenge Hygiene-Regeln befolgen. Als "irgendwie gespenstisch", bezeichnete der ehemalige Zehnkämpfer Busemann die Atmosphäre nach den ersten Rennen. "Ich war ja darauf vorbereitet, es ist unsere einzige Chance, deshalb finde ich das hier gut", sagte er. "Aber gerade der erste 400-m-Hürdenlauf: Totenstille!" Für die jeweils ersten Drei gab es auch keine übliche Siegerehrung mit Applaus: Alle Medaillengewinner und Platzierten mussten ihre Plaketten und Urkunden im Wettkampfbüro abholen.

Speerwerferin Hussong in Form

Eine gute Leistung zeigte Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong, die sich mit 63,93 m ihren vierten Titel sicherte. Dennoch war sie nicht ganz zufrieden: "Ich hätte gern noch ein bisschen weiter geworfen", sagte sie im ARD-Interview. "Aber für diese Bedingungen ist es okay." Im Hochsprung setzte sich U-23-Vize-Europameisterin Christina Honsel mit 1,90 m durch. Sie versuchte sich noch an 1,93 m, schaffte eine neue persönliche Bestleistung jedoch nicht.

Im Glutofen von Braunschweig hatten es vor allem die Mittel- und Langstreckler schwer. Über 5.000 m der Männer mussten sich die Läufer bei 37 Grad über die Runden quälen. Der 21 Jahre alte Mohamed Mohumed von der LG Olympia Dortmund steckte diese Strapaze am besten weg und holte sich in 14:02,75 Minuten seinen ersten Titel. Sein bereits achtes Meisterschafts-Gold nahm Matthias Bühler mit nach Hause. Nach seinem Rücktritt vom Rücktritt gewann er den Hürdensprint in 13,62 Sekunden.

Dutkiewicz sauer auf sich selbst

Eine Enttäuschung erlebte Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz. Die Vize-Europameisterin und WM-Dritte von 2017 blieb an der achten Hürde hängen und verpasste das Finale. "Ich bin sehr verärgert", sagte sie und unterstrich die Bedeutung der Meisterschaften mitten in der Corona-Krise. "Ich bin für meinen Verein, den TV Wattenscheid, hier angetreten und für den DLV, der dieses Konzept auf die Beine gestellt hat. Wichtig war, dass ich hier stehe. Hürden sind eben Berufsrisiko."

Dreispringerin Neele Eckhardt konnte gar nicht erst antreten. Die Goldfavoritin verletzte sich beim Einspringen am Oberschenkel. Die Chemnitzerin Maria Purtsa sprang mit 13,65 m zu ihrem ersten Titel. Bei den Männern gewann der frühere Europameister Max Heß, der sich nach langer Verletzungspause zurückmeldete, mit mäßigen 16,58 m zum vierten Mal nach 2016, 2017 und 2019 den Meistertitel. Im Stabhochsprung der Frauen musste sich Lisa Ryzih, Vize-Europameisterin 2016, mit Bronze begnügen.

Weltmeisterin Mihambo am Sonntag im Einsatz

Am Sonntag gehen die Meisterschaften ab 12 Uhr weiter. Höhepunkte am zweiten Tag (Übertragung ab 17.10 Uhr im ZDF) sind der Stabhochsprung der Männer mit drei WM-Teilnehmern von Doha, Bo Kanda Lita Baehre, Torben Blech sowie Ex-Weltmeister und Titelverteidiger Raphael Holzdeppe. Außerdem das Kugelstoßen der Männer mit dem zweimaligen Weltmeister David Storl, der Weitsprung der Frauen mit Weltmeisterin Malaika Mihambo, die sich erstmals in dieser Freiluft-Saison in der Sandgrube zeigt, sowie der Speerwurf der Männer mit Vize-Europameister Andreas Hofmann und 2017-Weltmeister Johannes Vetter, der am vergangenen Wochenende starke Form bewies und 86,94 m verbuchte. Olympiasieger Thomas Röhler verzichtet auf eine Teilnahme.

Die deutschen Meister am Sonnabend
DisziplinGold / Silber / Bronze
Stabhochsprung Frauen1. Stefanie Dauber 4,40 m
1. Ria Möllers 4,40 m
3. Lisa Ryzih 4,30 m
Dreisprung Männer1. Max Heß 16,58 m
2. Felix Wenzel 15,95 m
3. Vincent Vogel 15,52 m
Hammerwurf Männer1. Tristan Schwandke 70,85 m
2. Merlin Hummel 69,53 m
3. Fabio Hessling 67,05 m
3.000 m Hindernis Frauen1. Elena Burkard 9:50,31 Min.
2. Lea Meyer 9:59,87 Min.
3. Agnes Thurid Gers 10:02,85 Min.
Hochsprung Frauen1. Christina Honsel 1,90 m
2. Alexandra Plaza 1,87 m
3. Lavinja Jürgens 1,84 m
Speerwurf Frauen1. Christina Hussong 63,93 m
2. Annika Marie Fuchs 57,97 m
3. Lea Wipper 55,72 m
5.000 m Männer1. Mohamed Mohumed 14:02,75 Min.
2. Maximilian Thorwirth 14:05,46 Min.
3. Florian Orth 14:06,43 Min.
Kugelstoßen Frauen1. Alina Kenzel 17,96 m
2. Julia Ritter 17,47 m
3. Yemisi Ogunleye 16,62 m
Dreisprung Frauen1. Maria Purtsa 13,65 m
2. Jessie Manduka 13,57 m
3. Caroline Joueux 13,37 m
110 m Hürden Männer1. Matthias Bühler 13,62 Sek.
2. Erik Balnuweit 13,77 Sek.
3. Georg Fleischhauer 13,86 Sek.
100 m Hürden Frauen1. Ricarda Lobe 13,24 Sek.
2. Anne Weigold 13,31 Sek.
3. Monika Zapalska 13,33 Sek.
Diskuswurf Männer1. Clemens Prüfer 62,97 m
2. Daniel Jasinski 61,68 m
3. Henrik Janssen 59,88 m
100 m Männer1. Deniz Almas 10,09 Sek.
2. Joshua Hartmann 10,23 Sek.
3. Julian Reus 10,26 Sek.
100 m Frauen1. Lisa-Marie Kwayie 11,30 Sek.
2. Rebekka Haase 11,34 Sek.
3. Lisa Nippgen 11,40 Sek.
Weitere Informationen
Zeitplan der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2020 in Braunschweig © DLV Foto: Screenshot DLV

Zeitplan der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2020 in Braunschweig

Der komplette Zeitplan der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2020 am 8. und 9. August 2020 in Braunschweig bei leichtathletik.de. extern

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 08.08.2020 | 13:25 Uhr

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