Angelique Kerber © imago images / ZUMA Wire

Kerber nach Paris-Aus: Selbstkritisch, aber ratlos

Stand: 29.09.2020 12:35 Uhr

Kein Rhythmus, kein Gefühl, keine Ahnung, wie es weitergeht: Nach ihrer Erstrunden-Niederlage in Paris war Angelique Kerber vor allem eines: ratlos.

"Es ist ein ganz komisches Jahr, es ist ein ganz anderes Jahr", sagte die Kielerin nach dem blamablen 3:6, 3:6 in der erste Runde der French Open gegen die erst 19 Jahre alte Slowenin Kaja Juvan. Womit die laut Ranking (Platz 22) immer noch beste deutsche Tennisspielerin mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie auf jeden Fall recht hat. Eine Erklärung für ihren rätselhaften Auftritt im Stade Roland Garros ist das aber nicht. Vom ersten Moment an, in dem Kerber am Montagabend gegen 20 Uhr den Court 14 betrat, hatte man den Eindruck, dass Kerber überall lieber sein würde - nur nicht auf diesem Tennisplatz. Völlig ohne Gegenwehr und fast schon lustlos anmutend ließ die 32-Jährige die Partie über sich ergehen.

Hartplatztennis auf Sand

Immerhin flüchtete sie sich nicht in Ausreden: "Ich werde nie Entschuldigungen suchen in Verletzungen oder Wetterbedingungen." Auch die lange Wartezeit - das auf demselben Platz zuvor angesetzte Match dauerte 6:05 Stunden - sei nicht das Problem gewesen. "Ich habe mich ungefähr zehnmal aufgewärmt und wieder hingesetzt", sagte Kerber: "Aber die Bedingungen sind für alle gleich, damit muss man klarkommen." Mit ihrer eigenen Leistung kam sie überhaupt nicht klar. Wieder einmal wurde deutlich, dass ihr Spiel nicht zu der roten Asche von Paris passt, die bei schlechtem Wetter und Dauerregen noch schwerer und tiefer ist als sonst. Kerber spielte Hartplatztennis, sie wollte die Bälle erlaufen, anstatt wie auf Sand üblich in sie reinzurutschen. Dadurch kam sie gegen Juvan meistens einen Tick zu spät.

Nahe Zukunft offen

Hinzu kam ihre verheerende Körpersprache auf dem Platz: Kein Aufbäumen, kein "Komm jetzt", kein sichtbarer Versuch, das drohende Unheil doch noch abzuwenden, stattdessen hängende Schultern und ein fast stoischer Gesichtsausdruck. "Solche Tage gibt es. Ich habe einfach nicht in meinen Rhythmus gefunden. Es ist nichts so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe", sagte Kerber, die offen ließ, wie es nun in den verbleibenden drei Monaten des Jahres weitergeht.

Für Ostrau (19. bis 25. Oktober) hat sie gemeldet, "ob Turniere dazukommen, wie jetzt die nächsten Wochen bei mir aussehen, kann ich momentan nicht beantworten", sagte sie. Die Frage nach ihrem persönlichen Befinden beantwortete sie einsilbig und doch so vielsagend: "Mir geht's okay." Im Januar wird Kerber 33, ihr großes Ziel, nach Melbourne, Wimbledon und New York auch Paris zu gewinnen und damit den Karriere-Grand-Slam zu vollenden, scheint unerreichbar. Ob ihr Trainer Torben Beltz, der sie seit ihrer Jugend kennt und zu dem sie nach dreijähriger Trennung im Juli zurückkehrte, den Schalter noch einmal umlegen kann, ist zumindest fraglich. "Es fängt immer alles bei mir an", ist einer von Kerbers Lieblingssätzen. Allerdings scheint sie selbst noch nicht zu wissen, wo sie ansetzen muss.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 29.09.2020 | 09:25 Uhr

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