Stand: 15.07.2018 12:55 Uhr

Kerber im elitären Kreis der Tennis-Legenden

von Bettina Lenner, NDR.de
Strahlende Siegerin im altehrwürdigen "All England Lawn Tennis Club": Angelique Kerber.

Als ihr Name traditionell in goldener Schrift an der ehrwürdigen Siegertafel von Wimbledon angebracht wurde, fühlte sich Angelique Kerber wohl wie Alice im Wunderland. Chairman Philip Brook hatte Verständnis und sagte lächelnd: "Du kannst es glauben. Da steht es." Nur wenige Zentimeter von Steffi Grafs Namenszug entfernt. Der legendären Tennispielerin, die auf dem "heiligen Rasen" gleich siebenmal triumphierte - als bis dato letzte Deutsche 1996.

Nun hat Angelique Kerber 22 Jahre später ihr Erbe angetreten. 2016 hatte die Kielerin ihre ersten beiden Grand-Slam-Titel gewonnen, in Australien und New York, und war zudem zur Nummer eins der Tenniswelt aufgestiegen. Ein unfassbares Jahr. Doch das älteste und wichtigste Turnier der Welt zu gewinnen, ist das Höchste der Gefühle im weißen Sport. "Es ist das Turnier der Turniere. Hier zu gewinnen, ist für immer", weiß Kerber: "Ich habe meinen Lebenstraum erreicht. Ich kann jetzt immer sagen, dass ich Wimbledon-Champion bin."

Eine Demonstration der Stärke

Viel wird auf die Schleswig-Holsteinerin einprasseln nach diesem einzigartigen Erfolg. Doch das kennt sie schon von 2016 und wird damit umgehen können. Auch, dass sie nicht abhebt, hat die bescheidene und natürliche Fed-Cup-Spielerin bereits bewiesen. "Es ist ihr erster Wimbledon-Sieg, sie soll das genießen", sagte Finalgegnerin Serena Williams bei der Siegerehrung, und man merkte ihr an, sie gönnt Kerber diesen Erfolg von Herzen. Zuvor hatte sich gezeigt, dass die 23-malige Grand-Slam-Siegerin aus den USA bei ihrem erst vierten Turnier nach ihrer Babypause noch nicht wieder in Topform ist.

Doch die deutsche Nummer eins, die sich in der Weltrangliste auf Platz vier verbessern wird, zermürbte ihre erfolgsverwöhnte Kontrahentin auch. Das 6:3, 6:3 nach nur 65 recht einseitigen Minuten war eine Demonstration der Stärke, physisch wie mental. Fokussiert und beinahe fehlerfrei lieferte Kerber in ihrem zweiten Wimbledon-Finale - zwei Jahre zuvor hatte sie gegen Williams den Kürzeren gezogen - ihr bestes Tennis ab. "Weil ich schon 30 bin", antwortete sie auf die Frage, warum sie nicht ob der Bedeutung des Endspiels vor Ehrfurcht erstarrt sei.

Mit neuem Coach zurück zum Erfolg

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Triumph in Wimbledon - Kerbers Weg zurück

Melbourne, New York und nun auch London: Angelique Kerber hat sich nach dem Seuchenjahr 2017 wieder nach oben gekämpft und in Wimbledon triumphiert. Ein Rückblick. mehr

Die Erfahrung hat sie auch gelehrt, dass sich harte Arbeit auszahlt. Und manchmal eine Veränderung nottut. So wie nach dem Seuchenjahr 2017, in dem praktisch nichts gelang. Obwohl sie ein Gewohnheitsmensch ist, engagierte sie in Wim Fissette auf dem Tiefpunkt einen neuen Coach. Er ist für seine harte Trainingsarbeit bekannt und hat Kerber, die als eine der fittesten Spielerinnen und härtesten Arbeiterinnen der Tour gilt, zurück in die Erfolgsspur geführt. Der Aufschlag ist stärker, das Selbstvertrauen auch. "Keiner hätte damit gerechnet, dass ich nach 2017 so zurückkomme", sagte die 30-Jährige beinahe trotzig, nachdem sie ein weiteres Kapitel deutsche Sport-Geschichte geschrieben hatte. "Sie hasst nichts mehr als neue Leute um sich herum", berichtete die deutsche Tennischefin Barbara Rittner: "Dass sie diesen Schritt gegangen ist und belohnt wurde, das gibt ihr auch was fürs Leben."

Rittner: "Ein Bild für die Ewigkeit"

Mit den Australian Open, den US Open und Wimbledon hat die Kielerin nun drei der vier Grand-Slam-Titel gewonnen - und mit dem Coup im Londoner Südwesten nachdrücklich unterstrichen, dass das Erfolgsjahr 2016 kein Zufall war. "Jetzt kann sie sich beruhigt zurücklehnen. Wir sind Wimbledon-Sieger. Das ist ein Bild für die Ewigkeit", jubelte Rittner. Steffi Graf erklärte: "Ich habe mich wirklich sehr für Angie gefreut. Dieser Triumph ist ein klasse Erfolg." Kerber bleibt die herausragende deutsche Spielerin ihrer Generation. Doch mit ihrem Wimbledon-Sieg ist sie nun auch endgültig angekommen im elitären Kreis der deutschen Tennis-Legenden.

Becker, Merkel und Co. gratulieren

  • Tennis-Legende Boris Becker

    "Wir müssen nun unser Wohnzimmer teilen !!! Steffi, Michael und Ich... (vielleicht sollten wir es etwas vergrößern...)."

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel

    "Ganz herzlichen Glückwunsch an Angelique Kerber. Ich freue mich sehr mit ihr über ihre begeisternde Leistung und ihren ersten Sieg in Wimbledon."

  • Tennis-Legende Steffi Graf

    "Ich habe mich wirklich sehr für Angie gefreut. Dieser Triumph ist ein klasse Erfolg."

  • Ex-Fußballprofi Philipp Lahm

    "Was für eine unglaubliche Leistung - Glückwunsch zum Wimbledon-Sieg, Angelique Kerber."

  • Basketball-Star Dirk Nowitzki

    "Sehr stark Angelique Kerber. Gratuliere."

  • Tennisprofi Alexander Zverev

    "Gut gemacht, ich könnte mich nicht mehr für dich freuen."

  • Barbara Rittner, DTB Head of Women's Tennis

    "Wir sind Wimbledon-Sieger. Das ist ein Bild für die Ewigkeit. Jetzt kann sie sich beruhigt zurücklehnen. Angie ist ein Gewohnheitstier, aber der Trainerwechsel war enorm wichtig für sie."

  • Bundesligist Werder Bremen

    "Geboren in Bremen, vergoldet in Wimbledon. Herzlichen Glückwunsch Angelique Kerber zu dieser überragenden Leistung! Ganz großer Sport!"

  • Handball-Bundesligist THW Kiel

    "Wahnsinn! Der THW Kiel gratuliert @AngeliqueKerber zum ersten Wimbledonsieg! Wir verneigen uns vor dieser historischen Leistung!"

  • Bundesaußenminister Heiko Maas

    "Ein Traum geht in Erfüllung. Gratulation @AngeliqueKerber zu einer fantastischen Leistung und dem historischen Sieg in #Wimbledon. Wahnsinn!"

  • Ex-Handballer Stefan Kretzschmar

    "Na bitte. Glückwunsch, Angelique Kerber. Unfassbare Vorstellung."

  • Team Deutschland (Deutsche Olympiamannschaft)

    "Wir dürfen vorstellen: Wimbledon Champion 2018 @AngeliqueKerber. Wir verneigen uns vor dieser Hammer-Leistung! #TeamDeutschland #wimbledon"

  • Nationalspieler Ilkay Gündogan

    "Yesssssss!!!! Wimbledon Champion!! Unfassbare Leistung"

  • Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther

    "Super, Angelique Kerber! Sie hat immer an sich geglaubt - und daher freue ich mich umso mehr, dass ihr ausgerechnet in Wimbledon eine so herausragende Leistung geglückt ist."

  • IOC-Präsident Thomas Bach

    "Ein würdiger Wimbledon-Champion. Es war großartig, dabei zu sein. Es war ein großartiges Spiel zweier Athletinnen, die im besten Sinne des Fair Plays angetreten sind."

  • DFB-Frauenfußball (Nationalmannschaft)

    "Das ist ja der Hammer, @AngeliqueKerber! Herzlichen Glückwunsch! Einfach irre!"

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 15.07.2018 | 19:30 Uhr

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