Karl Lauterbach: Olympia und Fußball-EM "das falsche Signal"

Stand: 23.01.2021 15:00 Uhr

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat seine Bedenken im Hinblick auf die Fußball-EM (11. Juni bis 11. Juli) und die Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) im Gespräch mit dem NDR untermauert.

"Ich habe große Sorgen, dass diese internationalen Turniere stattfinden sollen. Wir müssen davon ausgehen, dass wir im späten Frühjahr - vielleicht auch noch im beginnenden Sommer - noch immer große Probleme haben für breite Teile der Bevölkerung. Dann so ein Turnier sicher zu organisieren, wird sehr schwer sein und gibt sicherlich einen falschen Eindruck", sagte der 57-Jährige.

"Über Monate hinweg findet der Mannschafts-Breitensport nicht statt und die Profis gehen ran. Das ist sehr schwer zu vermitteln." Karl Lauterbach

Insbesondere die Durchführung der Europameisterschaft in Zeiten von Corona bereitet Lauterbach Kopfzerbrechen: "Sehr problematisch finde ich, wenn zum Beispiel auch Spiele stattfinden, wo gefährliche Mutanten weit verbreitet sind. Wie in England, woher die Mutation im Wesentlichen kommt." Der Traum von einer paneuropäischen EM in zwölf Ländern scheint allerdings ohnehin endgültig geplatzt zu sein. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) prüft offenbar fieberhaft alternative Szenarien, angeblich sogar eine Endrunde in Nordrhein-Westfalen - sofern es die Pandemie erlaubt.

Situation kann noch mal kritisch werden

Lauterbach plädiert dennoch für eine Verschiebung der kontinentalen Meisterschaft: "Das muss ja schon im März entschieden werden, also mitten in der Pandemie. Mir fehlt einfach die Fantasie, dass man dann sagt, wir gehen da sicher rein. Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass wir in den nächsten Monaten noch einmal eine ganz, ganz kritische Situation bekommen."

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Es sei sowohl für die EM als auch für Olympia "jetzt der falsche Zeitpunkt", betonte der Sozialdemokrat. "Wir wissen so lange, dass das jetzt schwierige Monate werden. Wir wissen so lange, dass das nicht das richtige Symbol ist. Es wird sehr schwer sein, die Athleten zu schützen. Jetzt ist das alles auf Kante genäht. Das kann gutgehen, das kann aber auch ins Auge gehen. Es ist auf jeden Fall das falsche Signal."

IOC dementiert mögliche Olympia-Absage

Zuletzt hattes es neue Spekulationen über eine Absage der Olympischen Spiele in Tokio gegeben, die für Unruhe im Weltsport gesorgt hatten - den Dementis der japanischen Regierung und des Internationalen Olympischen Komitees zum Trotz. IOC-Präsident Thomas Bach habe allerdings zuletzt nochmals betont, "dass nicht die Frage im Mittelpunkt steht, ob die Spiele stattfinden, sondern nur wie - immer unter Berücksichtigung der derzeitigen Corona-Situation und der weiteren Entwicklung", berichtete Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

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