Alfred Prey, Manager des DEL-Clubs Fischtown Pinguins Bremerhaven © picture alliance / dpa | Carmen Jaspersen

Impf-Vorbild Fischtown Pinguins: Gemeinsam gegen Corona

Stand: 04.11.2021 13:44 Uhr

Die angespannte Corona-Situation beherrschte zuletzt die Schlagzeilen rund um die Clubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die Fischtown Pinguins Bremerhaven hatten in dieser Saison noch keinen Corona-Fall. Im NDR Interview spricht Teammanager Alfred Prey über das Hygienekonzept, eine Impfquote von 100 Prozent und die soziale Verantwortung von Vereinen.

Herr Prey, machen Sie etwas anders als die anderen DEL-Clubs?

Alfred Prey: Das wäre jetzt etwas vermessen. Erst einmal müssen wir zufrieden und froh sein, dass wir bisher keine Fälle hatten, denn es kann jeden erwischen. Aber wir hatten auch in der ganzen vergangenen Saison nur einen Corona-Fall. Und wie schon im letzten Jahr leben wir auch jetzt in einer Blase. Wir haben eine rote Zone eingerichtet und achten sehr strikt darauf, dass alle Maßnahmen eingehalten werden und wir jeglichen unnötigen Kontakt vermeiden. Damit sind wir bisher ganz gut gefahren.

Und Ihre Mannschaft ist komplett geimpft.

Prey: Ja. Wir haben mit vielen Experten gesprochen, wie dem Leiter des lokalen Gesundheitsamtes und Ärzten. Die haben uns alle prophezeit: Wenn in der Kabine der eine oder andere nicht geimpfte Spieler mit einer hohen Viruslast sitzt, wird er automatisch andere Spieler anstecken. Deswegen haben wir von Anfang eindringlich bei unseren Spielern darum geworben, sich impfen zu lassen. Und das war bei uns eigentlich auch kein Thema.

Weitere Informationen
Spielszene Iserlohn Roosters gegen Grizzlys Wolfsburg © imago images

Eishockey: DEL verschärft Corona-Teststrategie

Zahlreiche Partien mussten verlegt werden, der Spielplan ist schon jetzt verzerrt. Ab 1. November gilt nun eine neue Teststrategie. mehr

Die DEL gibt die Impfquote bei Spielern und Mitarbeitern mit insgesamt 93 Prozent an. Das ist relativ hoch. Trotzdem bedeutet das, dass in anderen Teams nicht alle geimpft sind. Wie haben Sie es gemacht, dass sich in Bremerhaven alle Spieler dazu bereiterklärt haben?

Prey: Da muss ich ein Stückchen zurückgehen. Als Corona begonnen hat, gab es ja die Problematik des Gehaltsverzichts. Da waren wir der erste Verein in der DEL, der innerhalb von zwei Tagen die Einwilligung von allen Spielern hatte. Die haben gesagt: 'Wir gehen mit dem Club durch dick und dünn.'

Wir sind ein kleiner Verein, sehr familiär und haben eine Mannschaft, die sehr charakterstark ist. Nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine. Die Jungs sind alle vernünftig. Wir haben ihnen die Gesamtsituation erklärt und jeder hat gesagt: 'Okay, wir müssen das gemeinschaftlich tragen und gemeinsam das Risiko so weit minimieren, dass wir uns keinen Vorwurf gefallen lassen müssen.'

Dass sich jemand trotz Impfung infiziert, kann man nicht ausschließen. Das wird irgendwann unweigerlich passieren. Aber wir müssen für uns sagen können, dass wir das Bestmögliche getan haben, um das zu vermeiden.

Weitere Informationen
Ein negativer Corona-Schnelltest in einem Fußballstadion © imago images/Avanti Foto: Ralf Poller

DFL-Berater Kainzinger: "Jeder Ungeimpfte ist ein zusätzliches Risiko"

Im NDR Interview spricht Gesundheitsökonom Dr. Florian Kainzinger über die Impfdebatte und wie lange die Corona-Situation den Profisport noch beschäftigen wird. mehr

Sie haben bereits die strenge Blase erwähnt. Wie sieht Ihr Konzept aus?

Prey: Wir versuchen, zum Beispiel auch den Kontakt mit der Presse auf einem Minimum zu halten. Wir haben keine Mixed Zone, notwendige Interviews werden übers Telefon abgehandelt oder mit einer Entfernung, so dass es wirklich gefahrlos ist. Und in der roten Zone im Stadion können wirklich nur Geimpfte und Genesene verkehren. So verzichten wir zum Beispiel auf die traditionelle Einlaufshow und den aufgeblasenen Pinguin. Normalerweise haben wir auch immer Menschen mit Behinderung hier, die die Mannschaft beim Einlaufen begleiten. All' das haben wir soweit heruntergefahren, dass wir das Gefühl haben, mehr oder minder isoliert zu sein.

Trotzdem sind bei den Spielen mehrere Tausend Zuschauer in der Halle. Haben Sie da keine Bedenken, dass Ansteckungsmöglichkeiten entstehen könnten?

Prey: Nein, eigentlich nicht. Auch hier haben wir schon im letzten Jahr zusammen mit dem Fraunhofer Institut einen Test gemacht und atmende Computer-Puppen ins Publikum gesetzt. Da wurde gemessen, inwieweit eine Ansteckungsgefahr besteht. Das Institut hat einen Wert von 0,0 irgendwas festgestellt. Also so verschwindend gering, dass man ganz beruhigt sein kann. Was bei uns noch dazukommt: Wir haben im Stadion eine Abluftvorrichtung, die in der Stunde 15.000 Kubikmeter Luft umwälzt. So kann sich die Luft hier quasi gar nicht ausbreiten, sondern wird kanalisiert nach oben geleitet. Als wenn man draußen wäre. So wird die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum reduziert.

Draußen an der Halle hängt ein großes Plakat mit der Aufschrift: 'Wir haben's getan'. Also: Wir haben uns impfen lassen. Wie wichtig ist es Ihnen, so ein Signal nach draußen zu senden?

Prey: Ich glaube, dass Sportvereine, die mit der Region verwurzelt sind, eine soziale Verantwortung haben. Wenn wir sagen: Sportler sollen Vorbilder sein, dann dürfen sie das nicht nur im Sport sein. Dann müssen sie das auch außerhalb des Eises sein. Wir engagieren uns auch in anderen sozialen Bereichen und wollen in der Stadt ein bisschen beispielgebend sein. Da war es für uns eine ganz normale Geschichte, dass wir für das Impfen werben. Wenngleich wir, und das hatte ich nicht erwartet, starke Angriffe deshalb hinnehmen müssen.

Inwiefern?

Prey: Wir wurden zum Beispiel im Internet als "Bio-Rassisten" bezichtigt, weil wir auch im Stadion die 2G-Regel ganz strikt umsetzen. Ich glaube, dass heutzutage vor allem in den sozialen Medien einzelne versuchen, ein Stimmungsbild zu prägen. Aber die breite Masse schweigt einfach dazu. Dadurch dürfen wir uns allerdings nicht abbringen lassen. Wir müssen weiter konsequent unseren Weg gehen. Die Mannschaft, alle Offiziellen, der gesamte Verein glauben, dass es notwendig ist, dass jeder geimpft wird. Das müssen wir auch nach außen so vertreten.

Wie groß ist die zusätzliche Belastung durch die Corona-Situation für den Verein?

Prey: Sie ist immens. Dass wir im letzten Jahr ohne Zuschauer spielen mussten und viele in diesem Jahr aus Angst nicht wiederkommen, ist irgendwie eine surreale Situation. Damit umzugehen, muss man wirklich erst lernen.

Und wie sehr nervt es Sie, dass es in so einem Interview nur um Corona geht und nicht ums Sportliche?

Prey: Mich nervt vielmehr, dass wir diese Situation nicht hätten und wir der Normalität schon einen Schritt näher wären, wenn jeder den Empfehlungen der Ärzte und Fachleute folgen und sich impfen lassen würde. Ansonsten müssen wir uns der Situation stellen, wie sie ist. Jeder wünscht sich Normalität zurück. Aber ich bin fest überzeugt, dass sie wiederkommen wird.

Das Interview führte Hendrik Lückhoff

Weitere Informationen
Eishockey-Trainer Thomas Popiesch (l.) © imago images/Stefan Ritzinger

Eishockey: Pinguins ausgeschieden, Popiesch kritisiert DEL

Die Fischtown Pinguins sind in der Champions Hockey League ausgeschieden. Zuvor hatte Trainer Thomas Popiesch harsche Kritik an der Deutschen Eishockey Liga geübt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Sport aktuell | 04.11.2021 | 09:45 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Spielszene im Derby HSV - FC St. Pauli © Witters Foto: Tim Groothuis

HSV dreht das Spiel und gewinnt Derby gegen FC St. Pauli

Der Hamburger SV hat damit zum ersten Mal seit fast drei Jahren wieder den FC St. Pauli besiegt. Die Kiezkicker drohen die Tabellenführung in der zweiten Fußball-Bundesliga zu verlieren. mehr